«Habe gekämpft, nicht gestritten»

Roland Seiler war Gründungsmitglied der SVP Gossau-Arnegg. Ausserdem wirkte er von Beginn des Gossauer Stadtparlaments mit. Kurz vor den Wahlen trat er aber zurück. Es sei der richtige Entscheid gewesen.

Angelina Donati
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Roland Seilers Aufrichtigkeit bringt ihm nebst Wohlwollen auch Kritik ein. (Bild: Samuel Schalch)

Roland Seilers Aufrichtigkeit bringt ihm nebst Wohlwollen auch Kritik ein. (Bild: Samuel Schalch)

Seine Ansichten und die der SVP Gossau-Arnegg hat Roland Seiler immer unmissverständlich ausgedrückt. Während andere Gossauer Stadtparlamentarier sich in Diplomatie versuchten, nahm der 65-Jährige kein Blatt vor den Mund. Sein politisches Engagement hat er nun nach rund 20 Jahren aufgegeben.

Ist es für Sie nicht einschneidend, sich nach so langer Zeit von der Politik abzuwenden?

Am Gossauer Tagesgeschäft bin ich nach wie vor interessiert. Mit 65 Jahren ist es aber einfach an der Zeit, sich zurückzuziehen und den Jüngeren eine Chance zu geben. Das ist nur vernünftig, schliesslich geht es um die Gestaltung ihrer Zukunft. Für mich stand fest, dass ich mein Amt nur noch bis Ende 2016 ausüben werde. Bereits vor drei Jahren wollte ich meinen Ausstand geben. Wegen der Rücktritte anderer, unter anderem auch weil sie in den Kantonsrat gewählt wurden, bin ich geblieben. Die Lücke wäre zu gross gewesen.

Es gab Stimmen, die behaupten, Sie wollten sich nochmals für die Wahlen am 25. September aufstellen lassen.

Ja, das habe ich dem Wahlausschuss angeboten. Wenn sie zu wenige Personen gefunden hätten – was aber nicht der Fall war –, hätte ich mich nochmals zur Wahl gestellt. Die Parteilisten sind ein rein taktisches Spiel. Bei Bisherigen stehen die Chancen gut, dass sie wiedergewählt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte der Sitz dann einem Neuen übergeben werden. Ich wäre sicher nicht der schlechteste Stimmenbringer gewesen.

Was halten Sie vom Sitzgewinn der SP?

Die SP Gossau-Arnegg war bislang untervertreten. Dass sie einen Sitz zulegen konnte, finde ich darum nicht einmal schlecht. Die anderen Parteien, insbesondere die CVP, müssen jetzt über die Bücher. Auch finde ich, sollten SVP, FDP und CVP lernen, besser zusammenzuarbeiten.

Weshalb blieb die SVP beim Stadtratssitz chancenlos?

Das ist ganz klar eine Personenfrage. Die SVP hat es verpasst, frühzeitig einen eigenen Kandidaten aufzubauen. Eine solche Person müsste nicht nur bereits gut vernetzt, sondern auch politisch aktiv sein. Wie eben Helen Alder Frey (CVP), die sich bereits im Schulrat einen Namen machte. Einfach so jemanden aus dem Zylinder zu zaubern, funktioniert leider nicht.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie gerne offen Ihre Meinung sagen. Woher rührt das?

Schon immer sage ich, was ich denke. Das aber kann in der Politik auch negativ gewertet werden. Bestimmt wurde mir das früher zu Hause auf dem Bauernbetrieb vorgelebt. Nebst den Wählern, die mich in meinem Auftreten bestärkt haben, musste ich für meine Offenheit auch oft Kritik einstecken. Damit weiss ich umzugehen. Denn wer austeilen kann, muss auch einstecken können. Hier möchte ich aber betonen, dass ich stets gekämpft, nicht aber gestritten, habe.

Und trotz Ihrer Kampfeslust mussten Sie bei Abstimmungen auch Niederlagen einstecken. Ist das nicht enttäuschend?

Sicher würde man sich einen anderen Ausgang wünschen. Wie zum Beispiel als vor Jahren die Anzahl Stadtratssitze überprüft wurde. Mein Anliegen war es, die sieben Sitze auf neun Köpfe zu verteilen und nicht wie danach beschlossen, auf fünf. Der Mehrheitsentscheid, sei es vom Parlament oder auch vom Stimmvolk, gilt es aber zu respektieren.

Für was haben Sie sich besonders eingesetzt?

Die Finanzen lagen mir immer am Herzen. Als Kaufmann mit Erfahrung von über 20 Jahren weiss ich um den tagtäglichen Kampf. Den Franken kann man nun mal nicht ausgeben, wenn man ihn nicht zuerst eingenommen hat. Die Haltung der Stadtverwaltung bereitet mir von diesem Standpunkt gesehen etwas Mühe. Alles hängt doch mit den Finanzen zusammen.

Für welche Projekte wurde denn in Ihren Augen unnötig Geld ausgegeben?

Die Markthalle kann man als sinnloser Luxusbau bezeichnen. Auch die Gestaltung des Gröbli-Kreisels oder der St. Gallerstrasse wurde nicht gerade sinnvoll und kostengünstig umgesetzt. Die Menge macht es aus: Wurden für zehn Projekte je 150 000 Franken zu viel aufgewendet, so sind es am Schluss 1,5 Millionen Franken. Ein hoher Betrag, den man für anderes einsetzen könnte.

Behalten Sie Ihre Parlamentszeit in schöner Erinnerung?

Unter dem Strich war es eine gute und interessante Zeit in der Politik. Ich durfte viele Leute persönlich kennenlernen, was mir anderweitig verwehrt geblieben wäre. Ausserdem habe ich fürs Leben dazugelernt.

Was tun Sie mit der neuen Zeit?

Ich werde weiterhin meine Agentur für schönes Wohnen führen, bis dann mein ältester Sohn übernehmen möchte. Ich liebe meine vielseitige Arbeit und der Tagesablauf gibt mir Halt. Zum Glück geht es mir gesundheitlich gut. Auch darf ich auf viele Bekanntschaften zählen, wo ich mich gerne zum Kaffee treffe.