Gutscheine für Kinderbetreuung?

In einem Postulat bitten vier Parlamentarierinnen den Stadtrat zu prüfen, ob Betreuungsgutscheine eine Alternative zu subventionierten Krippenplätzen wären. Die SP/Juso/PFG-Fraktion zeigt sich skeptisch.

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Der Stadtrat soll einen Systemwechsel von subventionierten Krippenplätzen zu Betreuungsgutscheinen für ausserfamiliäre Betreuungsangebote wie Kinderkrippen oder Tagesfamilien prüfen. Darum wird er in einem an der Parlamentssitzung vom Dienstag eingereichten Postulat von Sonja Lüthi (GLP), Gisela Keller (CVP), Jennifer Deuel (FDP) und Cécile Federer (Grüne) gebeten. An derselben Sitzung hat das Stadtparlament die Erhöhung der Zahl der subventionierten Krippenplätze von 300 auf 330 beschlossen.

Qualität und Vielfalt steigern

Die Postulantinnen führen verschiedene Argumente für den Systemwechsel an. So würden Betreuungsgutscheine den Eltern die freie Wahl der Betreuungsorganisation beziehungsweise -art ermöglichen. Überdies erhielten sie dadurch die Möglichkeit, ihre Kinder in eine gut erreichbare Kinderkrippe zu bringen, ohne um die wenigen subventionierten Plätze kämpfen zu müssen. Ausserdem würde durch die steigende Konkurrenz die Qualität und Vielfalt der Betreuungsorganisationen gefördert, heisst es im Vorstoss.

Gefahr von Lohndumping

Das Postulat wurde von Ratsmitgliedern quer durch alle Fraktionen mitunterzeichnet. Auffallend ist jedoch, dass ausgerechnet von der SP/Juso/PFG-Fraktion bloss 6 der 16 anwesenden Parlamentarier den Vorstoss unterstützten. Es handle sich nicht um ein inhaltliches Desinteresse, begründet Fraktionspräsident Daniel Kehl. «Es gibt ein anderes Postulat von Barbara Frei, das sich mit der Tarifgestaltung in Krippen und Horten beschäftigt.» Der Stadtrat solle zuerst diesen Vorstoss beantworten. Ausserdem sei ein Systemwechsel zum jetzigen Zeitpunkt möglicherweise überstürzt. Und eine Evaluation in Luzern habe die Gefahr von Lohndumping in Kinderkrippen ergeben. (dag)