Gute Noten für die Schulen

ST.GALLEN. Die Schule stellt sich der Kritik der Eltern – und ist erstaunt ob all des Lobs. Einige bemängeln aber das Betreuungsangebot, den Umgang mit neuen Medien oder den Sexualkundeunterricht.

Jeanette Herzog
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Sexualkunde in der Schule – da sind sich die Eltern nicht einig. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Sexualkunde in der Schule – da sind sich die Eltern nicht einig. (Bild: ky/Gaetan Bally)

3,35 beträgt die Note, welche die Eltern den städtischen Schulen in einer Umfrage erteilen. Ein ungenügendes Ergebnis, könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Die Skala der Umfrage reichte nicht wie im schulischen Kontext üblich von 1 bis 6, sondern lediglich von 1 bis 4. Das Resultat 3,35 ist also beachtlich. Der Kandidat hat bestanden.

Christian Crottogini, der Leiter des städtischen Schulamts, ist zufrieden. «Ich habe schon etwas gebibbert im Vorfeld», gesteht er. «Summa summarum bin ich positiv überrascht über die gute Beurteilung der Leistung meiner Leute. Das freut mich.»

Die erste umfassende Umfrage

Es ist das erste Mal, dass das Schulamt eine schriftliche Umfrage dieses Ausmasses vornimmt. «Das war Teil der Strategieplanung», sagt Crottogini. Ungefähr 20 000 Franken habe die Elternbefragung gekostet. Durchgeführt wurde sie von der Fachhochschule St. Gallen.

1000 Personen, deren Kinder in der Stadt St. Gallen zur Schule gehen, erhielten im Herbst per Post eine Umfrage. Ausgewählt wurden die angeschriebenen Personen zufällig, wobei darauf geachtet wurde, dass das ganze Spektrum der St. Galler Eltern vertreten war. Schulhäuser, Schulstufen und Muttersprache wurden berücksichtigt. Knapp 600 der angeschriebenen 1000 Personen haben die Umfrage schliesslich ausgefüllt zurückgesandt. Auf ihren Antworten basieren die Resultate.

Grundsätzlich fühlen sich die Kinder wohl in der Schule. Und die Eltern sind mit dem Angebot zufrieden. «Ganz wichtig war es mir, herauszufinden, ob die Eltern wissen, wie sie zu Informationen kommen und wer ihre Ansprechpartner sind.» Die Umfrage zeigt: Sie wissen es. Sogar dann, wenn sie mit einem Entscheid nicht einverstanden sind.

Sexualität, Medien und Mobbing

Trotz der durchwegs guten Noten zeigt sich in einigen Bereichen Verbesserungspotenzial. Die Sexualität werde im Unterricht nicht angemessen aufgegriffen, findet ein Teil der Eltern. «Es gibt Bereiche, in denen unter den Eltern kein Konsens besteht», relativiert Christian Crottogini. Die einen fänden, Sexualität sei ihre private Angelegenheit, andere sähen diese in der Verantwortung der Schule. Beim Umgang mit den neuen Medien aber sehen nicht nur die Eltern, sondern auch Crottogini Handlungsbedarf. «Wir müssen Wege finden, wie die Kinder mit neuen Medien umgehen können, ohne sich oder andere zu gefährden», sagt er. Gewalt oder Mobbing sollten aus der Sicht einiger Eltern vermehrt aufgegriffen werden. «Da dürfen wir einfach nicht locker lassen», findet auch der Schulamtsleiter. Der Zustand der Schulhäuser stellt ebenfalls nicht alle Eltern zufrieden. Crottogini erklärt: «Schulbauten sind ein ständiges Thema. Wir haben wunderbare Häuser – und bei anderen arbeiten wir dran.»

«Die Realität sieht anders aus»

Ein Stigma, das den städtischen Schulen seit jeher anlastet, drückte sich in der Umfrage ebenfalls aus. Es geht um die Qualitätsunterschiede von Berg- und Tal-Schulhäusern. «In den Köpfen der Leute ist der Unterschied nach wie vor da. Die Realität sieht aber anders aus.» In allen Schulen werde mit demselben Engagement unterrichtet. Und Schulhäuser mit speziellen Herausforderungen erhalten spezielle Unterstützung. «Wir versuchen, die Chancengleichheit überall zu leben.» Klar sei aber, dass die Schule nicht alles wettmachen könne. Dazu sei das Elternhaus zu wichtig.

Zu wenig Betreuungsangebote

Das schlechteste Resultat der Umfrage erzielten die Betreuungsangebote. Die Eltern sind zwar zufrieden mit der Qualität, bemängeln aber die Kapazitäten. «Im Bereich der Betreuung gibt es eine gewisse Unzufriedenheit, das wussten wir. Da werden wir nachrüsten», verspricht Crottogini.

Dies gelte auch für die anderen Bereiche, in denen die Schule «keine absoluten Spitzenresultate» erreicht habe. In drei bis vier Jahren soll eine weitere Umfrage die Verbesserungen überprüfen. «Eine Herausforderung wird es auch sein, das Niveau zu halten», sagt Crottogini.