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Guezli für Calatrava

ST.GALLEN. Bei einem Nein am 15. Mai wollen die Gegner der Marktplatz-Neugestaltung eine Volksinitiative für einen autofreien Platz lancieren. Mit Calatrava-Halle. Was dessen Büro nicht ungelegen käme.
Andreas Nagel
Bekennende Calatrava-Fans: Elsbeth Fischer, Marcus D. Waltenberg, Tek Berhe, Alfons Weisser und Hansueli Stettler (von links). (Bild: Urs Jaudas)

Bekennende Calatrava-Fans: Elsbeth Fischer, Marcus D. Waltenberg, Tek Berhe, Alfons Weisser und Hansueli Stettler (von links). (Bild: Urs Jaudas)

Plakate, Inserate, Flyer. Die Befürworter der Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt richten mit der etwas grösseren Kelle an. Die Gegner backen im wahrsten Sinne des Wortes kleine Brötchen: «Marktplätzchen», zubereitet von Oberbäcker Hansueli Stettler, Co-Sprecher des Komitees vernünftiger Marktplatz, dem mittlerweile 650 Personen angehören. Eine Kampagne, die sich «gänzlich über den Verkauf von Guezlis» finanziere, fügt er nicht ohne Stolz an.

Gestern wurden die Medien in der Marktgasse nebst besagten Plätzchen auch mit den Nein-Argumenten bedient. Nicht prinzipiell gegen eine Neugestaltung sei man: «Aber sicher nicht so», stimmte Komiteemitglied Marcus D. Waltenberg auf einen munteren Pressetermin ein, der sich bald zu einem kleineren Volksauflauf entwickeln sollte.

Parkgarage bis Platanen

Die Kritikpunkte sind vielfältig und weitgehend bekannt. Als unnötig erachten die Gegner die neue Parkgarage. Es seien genug Parkplätze im Zentrum vorhanden. Zudem blockiere der Bau über Jahre Fussgänger und öffentlichen Verkehr (öV). Sodann müssten die «prächtigen Platanen» auf dem Platz gefällt werden und der Baumbestand im Mittelstreifen des Oberen Grabens werde ebenfalls «abgeholzt». Schliesslich die berühmte Bus-Wartehalle von Santiago Calatrava: Sie sei zu einem St. Galler Wahrzeichen geworden und solle auf dem Bohl stehen bleiben.

Für sie schlägt ganz besonders auch Alfons Weissers Herz, pensionierter ETH-Architekt und wohl eifrigstes Mitglied der gegnerischen Kerngruppe. Er wedelt mit einem Schreiben von Calatravas «Chief Architect», Mike Pfisterer, der ihm und «allen St. Gallern» vor rund einem Monat im Namen des Stararchitekten für «ihre unermüdliche Arbeit» gedankt hat. Darin heisst es wörtlich: «Es tut uns leid, dass es für uns als betroffene Partei sehr schwierig ist, aktive Unterstützung zu bieten, wir sind aber sehr dankbar und froh, dass durch Ihre Initiative unser Bauwerk eine Chance bekommt, an dem ihm zugedachten Ort erhalten zu bleiben.» Der Brief endet zwar ohne Abstimmungsempfehlung, aber immerhin mit der Zuversicht, «dass das Stimmvolk am 15. Mai für St. Gallen und den Marktplatz die richtige Wahl an der Urne trifft».

Calatrava bis «Angstkultur»

Die Calatrava-Verehrung Weissers geht noch weiter. Mit einem Buch über den spanischen Berufskollegen unter dem Arm und sonorer Stimme wendet er sich an die Menge, die sich inzwischen vor dem gegnerischen Stand versammelt hat. Gerne hätte er seinen «Freund» Calatrava als Architekten für den Marktpavillon gewonnen. «Denn Markthallen sind Sakralbauten», findet er. Aber die Bauverwaltung habe ihn nur belächelt. Ohnehin, ergänzt Hansueli Stettler, herrsche in dieser Stadt seit einigen Jahren eine «Angstkultur» vor. Noch nie habe er in seinen 30 Jahren politischen Engagements ein solches «Protestpotenzial» festgestellt wie bei der Auseinandersetzung um die Marktplatz-Neugestaltung. Zum Beweis zeigt er eine von einem «anonymen Architekten» geschaffene Visualisierung, welche in grausten Betontönen die Zufahrt zur neuen Parkgarage Schibenertor auf dem Oberen Graben darstellen soll. Eine «Verschandelung» sei solches, sagt Stettler. Da könne der Bürger nur Nein sagen.

Geschieht dies am 15. Mai, will sich das Komitee sogleich an die Ausformulierung einer Volksinitiative für einen autofreien Marktplatz mit Calatrava-Halle machen. Stettler ist mit einem ähnlichen Begehren vor Jahresfrist bereits einmal gescheitert. Der Stadtrat hatte die Initiative damals für unzulässig erklärt.

Bild: Andreas nagel

Bild: Andreas nagel

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