Günstige Miete dank Distanz

GOSSAU. Gossau hat die niedrigsten Mietpreise unter den vier grössten Städten im Kanton. Die deutlichen Unterschiede zu Wil erklären sich viele mit dessen Nähe zu Zürich und dem öV.

Johannes Wey
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Viele Neubauten haben noch keinen Eingang in die Statistik gefunden. (Bild: Johannes Wey)

Viele Neubauten haben noch keinen Eingang in die Statistik gefunden. (Bild: Johannes Wey)

Von den vier grössten Städten im Kanton können sich Wohnungsmieter in Gossau über die tiefsten Zinsen freuen. Diesen Schluss legt eine kürzlich veröffentlichte Statistik des Kantons nahe (Ausgaben vom Donnerstag und Freitag). Gossau wird oft mit der Stadt Wil verglichen. Hier zeigt sich: Die Wohnungsmieten liegen in Wil um einiges höher als in Gossau, in manch einer Kategorie sogar höher als in der Stadt St. Gallen. Die Statistik bezieht sich auf Zahlen aus der Strukturdatenerhebung des Bundesamts für Statistik aus den Jahren 2011 bis 2013. Wegen der teils geringen Zahl an Stichproben sind sie aber «mit Vorsicht zu interpretieren», wie die kantonale Fachstelle für Statistik schreibt.

Viele Zürich-Pendler in Wil

Die Gründe für die höheren Preise knapp 20 Kilometer westlich von Gossau scheinen zwar naheliegend, trotzdem können darüber nur Vermutungen angestellt werden. Nur gerade die Einzimmerwohnungen sind dort im Schnitt günstiger als in Gossau. «Wil ist attraktiv für Pendler», sagt Martin Looser, Präsident des Hauseigentümerverbands Region Gossau. Auch er selber habe einige Jahre in Wil gewohnt, als er in Zürich gearbeitet habe. Die geringere Distanz zur Stadt Zürich dürfte auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach Mietwohnungen in Wil haben. Darauf weist für Looser auch der Umstand hin, dass die Preise in der Stadt Frauenfeld mit besseren ÖV-Verbindungen in diese Richtung angestiegen seien.

Weitere Faktoren, die aus Loosers Sicht eine Rolle spielen könnten, sind der Bestand an Altbauten und der leicht tiefere Steuerfuss. Der Hauseigentümer-Präsident betont aber, dass es sich hier nur um Vermutungen handle. Viele neue Mietwohnungen, die jüngst entstanden sind, haben noch keinen Eingang in die jetzt veröffentlichte Statistik gefunden. Und obwohl die Mieten in Gossau unter den vier grössten st. gallischen Städten die tiefsten sind: «Allzu günstig ist Gossau nicht.»

Zahlreiche Altbauten

Auch der Gossauer Stadtschreiber Toni Inauen vermutet, dass die Nähe zur Stadt Zürich und der Anschluss an das dortige S-Bahn-Netz dazu beitragen, dass Wil für Mieter teurer als Gossau ist. «Wil ist stärker nach Zürich orientiert», sagt Inauen. Ausserdem könne es sein, dass die zahlreichen älteren Bauten, etwa aus den 1970er-Jahren, in Gossau günstigen Wohnraum bieten. «Aber was das Verhältnis von neuen und älteren Bauten angeht, steht die Stadt nicht schlecht da.» Auch Inauen verweist diesbezüglich auf die jüngste Bautätigkeit, die sich in der Statistik zu einem grossen Teil noch nicht niederschlägt.

Verkaufen statt vermieten

Hugo Wehrli vom Mieterverband Ostschweiz will die Statistik aus zwei Gründen nicht überinterpretieren: Die Datenbasis sei dünn und die Qualität der Wohnungen in einer Kategorie sehr unterschiedlich. Doch auch für ihn könnte die unterschiedliche Bautätigkeit einen Teil der Preisdifferenz zwischen Wil und Gossau ausmachen. Wenn auch aus einem anderen Grund: Er vermutet, dass in Gossau vergleichsweise viele Eigentums-, aber wenige Mietwohnungen entstanden sind.

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