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Günstige Gipfeli von gestern

Am Montag eröffnet an der Lämmlisbrunnenstrasse die Äss-Bar: Ein Bäckereiladen, der Brot und Birchermüesli vom Vortag günstig verkauft und so vor dem Abfall rettet. Dieses nachhaltige Konzept überzeugt auch St. Galler Bäckereien.
Roger Berhalter
Noch sind die Regale leer: Geschäftsführerin Rika Schneider legt im Bäckereiladen Äss-Bar an der Lämmlisbrunnenstrasse letzte Hand an. (Bild: Ralph Ribi)

Noch sind die Regale leer: Geschäftsführerin Rika Schneider legt im Bäckereiladen Äss-Bar an der Lämmlisbrunnenstrasse letzte Hand an. (Bild: Ralph Ribi)

Noch sind die Brotkörbe leer. Neben der Verkaufstheke stapeln sich die grauen Kisten, in denen schon bald das Brot verschiedener Bäckereien angeliefert wird. Hier an der Lämmlisbrunnenstrasse 3 eröffnet am kommenden Montag die Äss-Bar. Laut Geschäftsführerin Rika Schneider ist es das «einzige selbsttragende Anti-Food-Waste-Projekt des Landes». Anders formuliert: Die Äss-Bar ist der einzige Bäckereiladen, der ausschliesslich Ware vom Vortag verkauft. «Frisch von gestern», lautet der passende Slogan dazu.

Neun Bäckereien machen mit

Die Äss-Bar startete vor ein paar Jahren als Idee von vier Freunden aus Zürich, die etwas gegen Food Waste – also die Verschwendung von Lebensmitteln – tun wollten. Sie gründeten eine GmbH und eröffneten im November 2013 in Zürich die erste Äss-Bar-Filiale. «Mit dem Geschäft ging es schnell bergauf», erinnert sich Rika Schneider, die als erste Mitarbeiterin von Anfang an dabei war. Heute hat die Firma Filialen in Zürich, Bern, Winterthur und neu in St. Gallen. Im Sommer eröffnet ein Laden in Fribourg, weitere sollen folgen.

In St. Gallen beschäftigt die Äss-Bar sechs (Teilzeit-)Mitarbeiter und arbeitet mit neun Bäckereien aus der Region zusammen: vom Dorfbeck Ruppeiner in St. Georgen über den Vögeli-Beck bis zur Bäckerei Gehr in Gossau und der Bäckerei Schläpfer in Herisau. Jeden Abend stellen sie ihre nicht verkaufte Ware bereit: Ruchbrote, Salate, Birchermüesli, Schinkengipfeli, Käsefladen. Das alles und mehr kommt am nächsten Morgen in der Äss-Bar wieder in den Verkauf, zu reduzierten Preisen.

Auf diese Weise sollen alle profitieren: Einerseits die Äss-Bar, die Einnahmen erzielen und branchenübliche Löhne bezahlen kann. «Wir sind nicht auf Spenden angewiesen», betont Rika Schneider. Ebenso profitieren die Bäckereien, denn sie erhalten für ihre Ware eine Umsatzbeteiligung. Schliesslich nützt das Geschäft auch der Umwelt, weil weniger Lebensmittel im Abfall landen. «Wir sind nicht einfach nur ein Laden, wir verkaufen Nachhaltigkeit.»

Der Kunde verlangt volle Regale

Ingo Schlütz, Inhaber der Firma Vögeli-Beck, zeigt sich vom Konzept ebenfalls überzeugt und ist einer der neuen St. Galler Geschäftspartner der Äss-Bar. «Aus ökologischer Sicht finde ich das eine super Idee.» Er werfe ungern Lebensmittel weg, doch habe der Kunde heute hohe Erwartungen. «Wenn am Abend die Auswahl im Laden klein ist, kommt der Kunde nicht wieder.»

Schon seit längerem arbeitet der Vögeli-Beck mit der Schweizer Tafel und der Heilsarmee zusammen – gemeinnützige Institutionen, welche nicht verkaufte Ware übernehmen und an Bedürftige verteilen. Die Äss-Bar kommt nun als dritter Abnehmer hinzu – allerdings ist es der einzige, der für die Ware auch bezahlt. Darauf angesprochen, winkt Ingo Schlütz ab: «Das ist für mich nicht das entscheidende Kriterium.» Wichtiger sei, etwas gegen das Food-Waste-Problem zu tun.

Spezialwissen weitergeben

In einem Raum hinter dem Verkaufsladen haben Rika Schneider und ihre Mitarbeiter alte Restaurant-Tische aufgestellt und aus rohen Europaletten eine Sitzecke gezimmert. Von der Decke hängen grosse Banner mit Fakten zum Thema Food Waste («Ein Drittel aller Lebensmittel geht verloren»). In dieser Lounge wollen die Äss-Bar-Mitarbeiter künftig Schulklassen empfangen und Weiterbildungen anbieten. «Wir sind mittlerweile eine Anlaufstelle zum Thema Nachhaltigkeit», sagt Schneider. Das Interesse sei riesig. «Wer ausser uns weiss schon, wie lange ein Erdbeertörtchen einwandfrei schmeckt?»

Ab Montag, 8 Uhr, geöffnet. Offizielle Eröffnungsfeier: Samstag, 25. Juni, ab 9 Uhr.

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