Güllen trotz Hitze erlaubt

Trotz hoher Temperaturen ist zu beobachten, wie Bauern ihre Wiesen güllen. Laut Gesetz ist das erlaubt. Bei dieser Hitze kann dies laut Experten aber zur Umweltbelastung werden.

Selina Schmid
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Gegüllt werden sollte nicht bei jedem Wetter. Es sollte weder heiss, windig, zu nass oder zu trocken sein. (Bild: ky/Urs Flueeler)

Gegüllt werden sollte nicht bei jedem Wetter. Es sollte weder heiss, windig, zu nass oder zu trocken sein. (Bild: ky/Urs Flueeler)

REGION. «Am Samstag um 18 Uhr bei Sonnenschein und 35 Grad wurde ein grosses Wiesenland gegüllt. Ist das erlaubt?», fragte eine Facebook-Nutzerin aus der Region am vergangenen Sonntag auf der Plattform. Laut Gesetz ist das legal, solange im Boden keine Schwundrisse auftreten. In der Regel wird nach dem Mähen einer Wiese gegüllt. Je nach Lage und Art der Wiese wird unterschiedlich oft Gülle ausgebracht. «Der richtige Umgang mit dem Güllen ist essentiel», sagt Gion Fravi vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen, «wenn Gülle falsch eingesetzt wird, kann sie zur Umweltbelastung werden.»

Gülle wird weggewaschen

Bei Trockenheit, zu starker Nässe, Bodenfrost oder Schneebelag ist das Güllen gemäss Gewässerschutzgesetzgebung verboten. Trocken sind zurzeit die meisten Böden, doch ein Gülleverbot wird erst erlassen, wenn Schwundrisse auftreten. Und das ist in der Region eher selten – auch im Jahrhundertsommer 2003 war dies nur in wenigen Gebieten der Fall. «Wird Gülle auf trockenem Boden ausgetragen, kann dieser die Nährstoffe nicht aufnehmen. Vielmehr wird die Gülle beim nächsten Regen weggespült und gelangt in nahe Gewässer», so Fravi. Damit die Nährstoffe aufgenommen werden können, sollte der Boden zumindest angefeuchtet sein.

Nicht nur die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle, sondern auch das Wetter. Es sollte laut Gion Fravi kein windiger und heisser Tag sein. «Die Landwirtschaft verursacht die grössten Ammoniakemissionen in der Schweiz», sagt er. Ammoniumstickstoff ist neben Phosphor und Kalium ein Hauptnährstoff der Gülle und für Pflanzen lebenswichtig. Bei starkem Wind können aber 50 Prozent oder mehr des Ammoniumstickstoffs in Form von gasförmigem Ammoniak an die Luft verloren gehen. Ammoniak trägt sowohl zur Bildung von Ozon als auch zur Belastung der Luft durch Feinstaub bei. Der Ammoniakverlust ist auch verantwortlich für den markanten Güllegeruch.

Emissionen minimieren

Abgesehen von dieser Umweltbelastung sollte es laut dem Experten auch wegen der grossen Nährstoffverluste im Interesse der Landwirte liegen, die Ammoniakverluste durch geeignete Massnahmen zu senken. «Gegüllt wird am besten an kühlen und feuchten Sommertagen. Das heisst, wenn die Temperatur unter 20 Grad liegt», sagt Gion Fravi.

Durch die lange Hitzeperiode mit Temperaturen über 30 Grad hat es aber an geeigneten Gülletagen gemangelt. Das hat dazu geführt, dass die Güllelager einiger Bauern voll sind. Ein St. Galler Landwirt im Talgebiet muss gemäss Richtlinien des Bundesamts für Umwelt eine Güllelager-Kapazität von mindestens fünf Monaten haben, was jährlich kontrolliert wird. Der Gedanke dahinter ist, dass ein Bauer die Wintermonate, in denen grundsätzlich nicht gegüllt werden sollte, überbrücken kann.

Für Bauern gilt, die gute landwirtschaftliche Praxis zu beachten und vernünftig zu handeln. Laut Wettervorhersagen wird aber in den kommenden Tagen die Temperatur wieder im 20-Grad-Bereich liegen, und die Landwirte können ihre Gülle wieder an geeigneten Tagen ausbringen.