Gülle ist natürlich

«Platz im Gülleloch gesucht», 14.03.2013,«Unerträglicher Gestank», Leserbrief, 16.3.2013

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«Platz im Gülleloch gesucht», 14.03.2013,«Unerträglicher Gestank», Leserbrief, 16.3.2013

In Ihrem Leserbrief kritisiert Frau Liliane Lesny-Poyda aus Kesswil die Bauern in Bezug auf das Ausbringen der Gülle und macht gleich einen Rundumschlag gegen die einheimische Landwirtschaft. Sie spricht von gewaltiger Überproduktion und zu vielen Kühen und Schweinen. Darum werde auch zu viele Gülle produziert, Gewässer verunreinigt, und der Gülle-Gestank sei unerträglich. Gülle riecht leider, das können wir alle nicht verleugnen. Es werden jedoch im Leserbrief verschiedene Tatsachen verdreht oder verschwiegen: Unsere Gewässer sind so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Anzahl der Kühe ist innerhalb von 25 Jahren um mehr als 100 000 Tiere zurückgegangen, bei den Schweinen sind es rund 350 000 weniger. Und die Tiere stehen nicht in zu engen Buchten, sondern haben weltweit die besten Haltungsbedingungen. Das Problem beim Thema Gülle sind nicht die Bauern und erst recht nicht die Tiere. Es ist die zunehmende Nähe zwischen Wohngebiet, Naherholungsgebiet und der Landwirtschaft. Das führt zu mehr Konfliktpotenzial. Parallel zu unserem Wohlstand sinkt auch die Toleranz gegenüber unserer Umwelt und den Mitmenschen. Vielleicht müsste man sich auch als Nichtlandwirt wieder einmal ins Bewusstsein rufen, dass Gülle ein Teil des natürlichen Stoffkreislaufes ist und für die Fruchtbarkeit unserer Böden unerlässlich ist. Gülle ersetzt den Kunstdünger und ist ein Naturprodukt. Mit einer etwas toleranteren Haltung, etwas Fachwissen und ein wenig Verständnis kann selbst die Gülle als erträglich wahrgenommen werden.

Andreas Widmer

Geschäftsführer St. Galler Bauernverband, Magdenauerstrasse 2, 9230 Flawil

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