GRUNGE: Zwei Musiker genügen

Catalyst heisst das St.Galler Rockduo der Stunde. Es läuft gut für die Gewinner des jüngsten «bandXost»-Wettbewerbs. Nächste Woche taufen die zwei Musiker ihr erstes Album, Ende Juni spielen sie am Open Air.

Roger Berhalter
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Schlagzeug und Gitarre: Ramon Wehrle (links) und Dominic Curseri sind Catalyst. (Bild: Leo Boesinger/PD)

Schlagzeug und Gitarre: Ramon Wehrle (links) und Dominic Curseri sind Catalyst. (Bild: Leo Boesinger/PD)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Dominic Curseri zerrt den frisch geflickten Gitarrenverstärker aus dem Kofferraum. Endlich funktioniert das alte Teil wieder. «Es war ein technisches Desaster», sagt der 21-Jährige, der mit seinen langen, blonden Haaren an den Sänger Kurt Cobain erinnert. Und schon ist er da: der Vergleich mit Nirvana. Er haftet Curseri an, seit dieser im November zusammen mit dem Schlagzeuger Ramon Wehrle unter dem Namen Catalyst den Bandwettbewerb bandXost gewonnen hat.

Tatsächlich gibt es Parallelen zwischen dem St.Galler Duo und der Band aus Seattle. Auch Catalyst spielen Grunge, jenen rohen, gleichzeitig melodie- und gitarrenlastigen Musikstil, der mit Nirvana in den 1990er-Jahren gross wurde. Der offizielle Schriftzug von Catalyst scheint 1 zu 1 abgekupfert, und Curseri hält die Gitarre genau so wie Linkshänder Kurt Cobain. «Wir sind nicht beleidigt, wenn wir mit Nirvana verglichen werden», sagt Curseri. «Die Band hat uns geprägt.» Doch ihre musikalischen Helden seien andere: Radiohead, Led Zeppelin, die Beatles.

Teil der St.Galler Rockduo-Bewegung

Es wäre unfair, Catalyst als Nirvana-Kopie zu bezeichnen, denn sie klingen anders. «Wir versuchen schon, was Neues zu machen», sagt Curseri in seiner zurückhaltenden Art, die er in dem Moment ablegt, wenn er sich die Gitarre überstreift. Dann zuckt sein ganzer Oberkörper, Curseri schüttelt den Gitarrenhals und singt wuchtig und klagend ins Mikrophon. Ramon Wehrle drischt am Schlagzeug auf die Trommeln, die langen Haare fliegen im Takt um den Kopf.

Nur zu zweit – allerdings mit mehreren Verstärkern – erzeugen sie eine Wucht, die grösseren Bands in nichts nachsteht. Dass zwei Musiker genügen, haben in jüngster Zeit auch andere Duo-Formationen bewiesen: Hopes and Venom und Elio Ricca aus St.Gallen oder Pedro Lehmann aus Altstätten. Catalyst versuchen nicht, den Grunge von früher wiederzubeleben, sie sind vielmehr Teil der höchst aktuellen St.Galler Rockduo-Bewegung. Wobei die minimale Besetzung – ähnlich wie bei den anderen erwähnten Bands – auf Zufall basiert. «Anfangs waren wir offen für mehr Bandmitglieder», sagt Ramon Wehrle. Inzwischen habe man sich zu zweit gut arrangiert. Der St.Galler vergleicht das Proben im Duo mit einer Paarbeziehung. «Zu zweit läuft’s gut. Aber wenn jemand Drittes dazukommt, wird’s schwierig», sagt er und lacht.

Im Moment läuft es für die beiden 21-Jährigen bestens. Catalyst stehen am diesjährigen St.Galler Open Air auf dem Programm, weitere Festivalauftritte sollen folgen. Ramon Wehrle ist zuversichtlich, dass er im Sommer an bis zu zehn Festivals spielen wird. Der erste Platz am «bandXost» hat der jungen Band viele Türen geöffnet. «Seit neustem erhalte ich auf jede meiner Mailanfragen eine Antwort – und jede zweite ist positiv», sagt Wehrle. Das Duo musste sich einen digitalen Kalender zulegen, um die plötzlich so zahlreichen Termine zu koordinieren.

Noch dieses Jahr erneut ins Studio

Der wichtigste Termin im Moment ist der 18. Februar, wenn Catalyst ihr erstes Album in der Grabenhalle taufen. Die sieben Songs des Albums haben sie schon im vergangenen Oktober aufgenommen, noch vor dem Sieg am «bandXost». Das Geld, das die beiden Musiker dank des Bandwettbewerbs zur Verfügung haben, mussten sie also noch gar nicht antasten. «Das bedeutet für uns, dass wir schon in diesem Jahr wieder ins Studio gehen können!», freut sich Wehrle. Eines ist also sicher: Von diesen beiden wird man noch hören.

Albumtaufe

Sa, 18. Februar, Grabenhalle;

weitere Konzerte: 1.4., Flon;

29.6., Open Air St.Gallen