GRÜNFLÄCHE: Gegen ein Provisorium im Park

Der Kanton will das Theater St. Gallen umfassend sanieren. Angedacht ist, während den Arbeiten den Theaterbetrieb in ein Provisorium im Stadtpark auszulagern. Dem steht der Naturschutzverein kritisch gegenüber.

Reto Voneschen
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Zwar ist von den Plänen noch nicht viel öffentlich bekannt, ein Provisorium fürs Theater St. Gallen (Bild) im Stadtpark löst beim Naturschutz aber bereits Unruhe und kritische Voten aus. (Bild: Michel Canonica (29. März 2015))

Zwar ist von den Plänen noch nicht viel öffentlich bekannt, ein Provisorium fürs Theater St. Gallen (Bild) im Stadtpark löst beim Naturschutz aber bereits Unruhe und kritische Voten aus. (Bild: Michel Canonica (29. März 2015))

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Die Details der Theatersanierung sind noch nicht bekannt. Bereits aber regt sich Widerstand gegen die Idee, den Betrieb während der Arbeiten in den Stadtpark auszulagern. Solche Ideen kommen beim Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung (NVS) nicht gut an: An der Hauptversammlung vom Freitag wurde das Provisorium im Park nicht nur vom Präsidenten kritisch gewürdigt, auch aus der Mitgliedschaft gab’s klare Voten dagegen.

Keine neuen Bauten im Stadtpark

Der NVS hat eine lange Beziehung zum Stadtpark. Er war 2003 auch massgeblich daran beteiligt, dass eine Erweiterung des Kunstmuseums auf Kosten der Grünfläche an der Abstimmungsurne scheiterte. Und er hat in der Folge darauf gedrückt, dass die Stadt die grosse Grünfläche im Museumsquartier unter Schutz stellte. Weitere Bauten auf Kosten des Parks und seiner Bäume, so das Credo der Naturschützer, kommen nicht mehr in Frage.

Kritisch beurteilen der NVS und sein Vorstand daher auch das geplante Theaterprovisorium im Park. Noch seien dazu keine Details bekannt, sagte NVS-Präsident Robert Schmid am Freitag an der 47. Hauptversammlung der städtischen Naturschützerinnen und Naturschützer. Der Vorstand werde die Entwicklung aber im Auge behalten und sich zum gegebenen Zeitpunkt auch vernehmen lassen – und zwar kritisch. Die Sanierung könnte fürs Theater St. Gallen eine Chance sein, für eine Saison «auf kleinerem Feuer zu kochen».

Noch deutlicher tönte es aus dem HV-Publikum. Hansueli Stettler kritisierte, dass «so ungefähr im 10-Jahres-Turnus» jemand daherkomme, der den Stadtpark «anfressen» wolle. Dem müsse der NVS mit überzeugtem Widerstand gegen das Theaterprovisorium einen Riegel schieben. Während der Sanierungsphase müsse das Theater nicht einfach das Übliche in einem Provisorium zeigen. Es solle vielmehr die Chance für etwas Unkonventionelles nutzen. Stettler regte unter dem Applaus der NVS-Mitglieder an, man könne ja ein Kulturprojekt zum Thema Lebensqualität auf dem leer stehenden Areal beim Bahnhof St. Fiden aufgleisen. Das sei erheblich intelligenter, als die dortigen Kiesflächen durch die Olma-Messen regelmässig mit Autos vollstellen zu lassen.

Auch der Stadtrat will keine Bäume opfern

Der ehemalige CSP-Stadtparlamentarier Theo Stengele unterstützte die Voten von Schmid und Stettler: Da tue sich in Zusammenhang mit der Theatersanierung tatsächlich etwas, was man im Auge behalten müsse. Das Theater belege genügend Flächen in der Stadt. Man müsse ihm auch vorübergehend nicht noch Teile des Stadtparks abtreten.

Präsident Robert Schmid versicherte nochmals, der NVS-Vorstand werde das Thema im Auge behalten, doch jetzt müsse man erst einmal abwarten, was konkret geplant werde. Und Stadtrat Peter Jans, der an der Hauptversammlung die Stadtregierung vertrat, wies darauf hin, dass die Stadt den Kanton bereits habe wissen lassen, dass ein Provisorium, dem im Stadtpark Bäume zum Opfer fallen müssten, nicht akzeptabel sei.