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Grünes Licht für neue Rheinwehr

Der Weg für die im letzten Jahr auf Eis gelegte «Zivilschutzreform 15+» ist frei, der Wunsch von Rheinbauleiter Daniel Dietsche nach der neuen Wasserwehr erfüllt sich. Die Reform tritt am 1. Januar 2019 in Kraft.
Kurt Latzer
Bei der neuen Wasserwehr am Rhein sollen speziell ausgebildete Zivilschutzpflichtige zum Einsatz kommen, in erster Linie als Dammüberwacher und Führungsunterstützung. (Symbolbild: Archiv/Nana Don Carmo)

Bei der neuen Wasserwehr am Rhein sollen speziell ausgebildete Zivilschutzpflichtige zum Einsatz kommen, in erster Linie als Dammüberwacher und Führungsunterstützung. (Symbolbild: Archiv/Nana Don Carmo)

Kurt Latzer

redaktionot@tagblatt.ch

Nun ist dem Parlament des Kantons St. Gallen die Sicherheit am Rhein und anderen Gewässern doch wichtiger als bare Münze. Letztes Jahr nämlich lag die «Zivilschutzreform 15+», die am 1. Januar 2018 hätte in Kraft treten sollen, noch auf Eis. Unter anderem lagen sich Parlament und Regierung der Personalkosten wegen in den Haaren.

Es ging um zwei zusätzliche Stellen im Amt für Militär und Zivilschutz (AfMZ), die für die Reform und damit für die Wasserwehr zwingend nötig sind. Nun haben die Regierenden den Rank doch noch gefunden, zusätzliches Personal ist bewilligt, die Reform tritt am 1. Januar 2019 in Kraft, ein Jahr später als geplant.

Zwei neue Stellen bewilligt

«Insgesamt sind zwei neue Stellen bewilligt, die wir demnächst ausschreiben», sagt AfMZ-Leiter Jörg Köhler. Mit den Neuerungen wird auch der Weg frei für die neue Wasserwehr am Rhein, die Daniel Dietsche, Schweizer Rheinbauleiter, schon seit Jahren fordert. Köhler: «Bis jetzt haben die Feuerwehren am Rhein die Aufgaben der Wasserwehr übernommen, in Zusammenarbeit mit dem Rheinunternehmen.» Künftig sollen sämtliche Zivilschutzformationen des Kantons St. Gallen Wasserwehraufgaben übernehmen können. «Das Thema Wasser ist derart wichtig für den Kanton – jetzt und in Zukunft noch mehr –, dass alle zusammenarbeiten müssen», sagt Jörg Köhler. Eine der neuen Stellen ist für den «Chef Einsatz Zivilschutz» reserviert. Eine seiner Aufgaben wird darin bestehen, das Konzept für die neue Wasserwehr auszuarbeiten. Köhler: «Der Chef Einsatz soll kommenden Herbst die Arbeit aufnehmen.»

Dammüberwachung als zentrale Funktion

Daniel Dietsche ist über die heuer geplanten «Umbauten» beim Zivilschutz informiert worden. Welche Rolle spielt das Rheinunternehmen Widnau bei der Zivilschutzreform «2015 + 4»? «Das wurde mit dem AfMZ noch nicht definiert», sagt der Rheinbauleiter. Eines aber sei bereits jetzt klar: Das Rheinunternehmen müsse im Zusammenhang mit der Wasserwehr eine zentrale Rolle einnehmen. «Da kann sich das AfMZ vor allem auf die Erfahrungen aus unseren Einsätzen, Übungen und Rückmeldungen mit den Feuerwehren abstützen», sagt Daniel Dietsche.

Mit den Feuerwehren habe man in den letzten Jahren die Aus- und Weiterbildung der Wasserwehren zusammen mit Vorarlberg und Liechtenstein stark intensiviert. Auch von den Erfahrungen am Escher- und Linthkanal könne man profitieren. «Dort wird schon heute ein Teil der Wasserwehraufgaben durch den Zivilschutz erledigt.» Am Rhein mache es Sinn, den Zivilschutz in erster Linie die Dämme überwachen zu lassen und als Führungsunterstützung zur Verfügung zu stellen. «Wir müssen nun unsere Anliegen und Erfahrungen in die Planungsar­beiten des AfMZ einbringen», sagt der oberste Wasserbauer im Kanton.

Die Rheinstrecke zwischen Bad Ragaz und St. Margrethen so­wie die rechte Seite in Diepolds­au misst rund 70 Kilometer. «Die Länge der Strecke, die hohen Dämme und die Dauer eines Hochwasserereignisses am Rhein erfordern einen weit höheren Bestand an Dammbeobachtungspersonal als an der Linth», sagt Dietsche. Diesbezüglich werde man das in den vergangenen Jahren erarbeite­- te Ausbildungsprogramm mit dem AfMZ überdenken, allenfalls anpassen. Nicht mehr sinnvoll sei die Dammüberwachung durch die Feuerwehr, worauf man schon lange hingewiesen habe. «Bei ausserordentlichem Hochwasser am Rhein werden die Feuerwehren schon im Vorfeld andere Aufgaben zu erfüllen haben, beispielsweise an den Seitenbächen des Rheins, in Siedlungen, an Infrastrukturanlagen und an den Binnenkanälen», sagt der Schweizer Rheinbauleiter.

Keine Boote nötig

Bräuchte die neue Wasserwehr neben der Aus- und Weiterbildung nicht auch eine spezielle Ausrüstung, wie Boote etwa? «Die Hauptaufgabe der Zivilschutzformationen ist wie gesagt die Dammüberwachung. Den Einsatz von Booten sehen wir nicht. Das müssen spezialisierte Teams, wie etwa das der Wasserrettung, übernehmen», sagt Daniel Dietsche.

Für die Unterstützung bei Evakuierungen der Bevölkerung, bei Überschwemmungen am Rheintaler Binnenkanal zum Beispiel, könne der Einsatz von Booten durch andere Zivilschutzfor­mationen durchaus sinnvoll sein. Die Wasserwehren müssen neben speziellen Kenntnissen mit der Sicherheitsausrüstung, die bereits grossteils vorhanden sei, mit Polycom-Funkgeräten vertraut sein.

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