Grüne zielen auf Fraktionsstärke

Die Grünen von Stadt und Region St. Gallen haben ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Kantonsratswahlen nominiert. Es sind vierzig Namen auf zwei Listen. Die Partei zielt bei den Wahlen von Ende Februar 2016 auf eine Vertretung in Fraktionsstärke im kantonalen Parlament.

Claudia Schmid
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Fototermin an der Nominationsversammlung: Kandidatinnen und Kandidaten der grünen Hauptliste lächeln in die Kamera ihrer Präsidentin. (Bild: Michel Canonica)

Fototermin an der Nominationsversammlung: Kandidatinnen und Kandidaten der grünen Hauptliste lächeln in die Kamera ihrer Präsidentin. (Bild: Michel Canonica)

Die Enttäuschung über die Resultate der Nationalratswahlen vom 18. Oktober war an der Nominationsveranstaltung der Grünen vom Samstag im Waaghaus noch einmal Thema. Die Grünen hätten wegen der Schlappe den Ehrgeiz nicht verloren, mit ihrer ganzen Energie und Lebenshaltung die Welt nah und fern menschlicher, spannender und gerechter zu gestalten, betonte Susanne Hoare, Präsidentin Grüne Stadt und Region St. Gallen. «Gerade jetzt bewegt sich so viel in rasantem Tempo. Wo sich viel verändert, entsteht jedoch auch viel Energie.»

Gegen eine Politik der Hetze

Susanne Hoare listete in kurzen Worten auf, wofür die Grünen im Kanton St. Gallen hauptsächlich einstehen wollen. Die Partei engagiere sich im Kampf gegen die Zersiedelung und eine Zukunft ohne fossile Energien und ohne Atomkraft. «Verdichtung braucht Raum und bringt Lebensqualität. Sonne und Wind haben Potenzial.» Als weitere Anliegen nannte die Präsidentin die Förderung der Artenvielfalt, Bildungschancen für alle und alternative Mobilitätsformen. Die Grünen stünden ganz klar auch für eine Politik des Schutzes und nicht der Hetze ein. «Wenn Sicherheiten wanken, hilft Vertrauen, nicht die Angst.»

Junge Grüne sind zuversichtlich

Franziska Ryser, Präsidentin Junge Grüne Stadt St. Gallen, gab sich zuversichtlich. «Die Resultate der Nationalratswahlen haben gezeigt, dass wir in der Stadt St. Gallen mit Abstand die stärkste Jungpartei sind; im Kanton müssen wir uns nur knapp mit dem zweiten Platz zufrieden geben.» Die Motivation, in der Politik mitzureden und mitzuentscheiden, sei unter den Jungen Grünen gross. «Im Kanton werden von der bürgerlich-rechten Seite immer wieder wichtige Entscheide gefällt, mit denen wir uns nicht einverstanden erklären können.»

Als konkretes und aktuelles Beispiel nannte Franziska Ryser das neue Baugesetz des Kantons St. Gallen, über das das Stimmvolk am 15. November zu entscheiden hat. Die Jungen Grünen könnten keinesfalls hinter dieser Vorlage stehen. Sie schlage nämlich das Gegenteil dessen vor, was schonender Umgang mit dem Boden sei. Ryser: «Wir wollen in der Kantonspolitik zeigen, dass es auch anders geht.»

Breite Palette

Auf der Kantonsratsliste der Jungen Grünen finden sich 18 Namen und das ganze Spektrum von jungen Leuten. «Sie sind zwischen 20 und 28 Jahre alt, sind politisch bereits erfahren oder betreten Neuland, arbeiten bereits oder sind noch im Studium oder der Berufsausbildung», beschrieb Franziska Ryser, die Präsidentin der Jungen Grünen, die Zusammensetzung der Liste.

Auf der Hauptliste der Grünen kandidieren 22 Frauen und Männer aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Einige haben Migrationshintergrund, einige treten mit Erfahrungen im Stadtparlament an, einige werden auf der Liste doppelt aufgeführt sein.

«Politik macht glücklich»

Der einzige Bisherige auf der Hauptliste der Grünen für die Kantonsratswahlen vom 28. Februar 2016 im Wahlkreis St. Gallen-Gossau ist Thomas Schwager, Präsident der Grünen des Kantons. Als Parteikollegin Franziska Wenk 2012 zur Präsidentin des St. Galler Stadtparlaments gewählt worden sei, habe sie gesagt, dass Politik glücklich mache. Diese Worte hätten ihn mit stolz erfüllt, erklärte Schwager am Schluss der Nominationsversammlung vom Samstag.

Er wünsche jetzt allen Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie das Glücksgefühl in der Politik ebenfalls erleben würden. Das Ziel der Grünen sei, bei den Kantonsratswahlen genügend Sitze für eine eigene Fraktion zu erreichen. Er sei überzeugt, dass dies mit der Hilfe der Jungen Grünen machbar sei.

2012 errangen die Grünen im Wahlkreis St. Gallen-Gossau zwei, im Kanton insgesamt fünf Sitze. Die Jungen Grünen verpassten damals im Wahlkreis einen Sitz. Für eine Fraktion im Kantonsrat braucht es sieben Sitze. Derzeit politisieren vier der Grünen im Kantonsparlament zusammen mit der SP in einer Fraktion.