Grüne Daumen für den Bahnhof Nord

Bravo! Die städtische Baudirektion hat doch tatsächlich gemerkt, dass das Gebiet hinter dem Hauptbahnhof eine Problemzone ist. Das Areal zwischen dem Geschäftshaus Sankt Leopard und der Fachhochschule erfüllt die Anforderungen an ein modernes, lebenswertes Quartier nämlich nicht wirklich.

Reto Voneschen
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Mohn an der Lagerstrasse, Urban Gardening beim «Sankt Leopard». (Bilder: Reto Voneschen)

Mohn an der Lagerstrasse, Urban Gardening beim «Sankt Leopard». (Bilder: Reto Voneschen)

Bravo! Die städtische Baudirektion hat doch tatsächlich gemerkt, dass das Gebiet hinter dem Hauptbahnhof eine Problemzone ist. Das Areal zwischen dem Geschäftshaus Sankt Leopard und der Fachhochschule erfüllt die Anforderungen an ein modernes, lebenswertes Quartier nämlich nicht wirklich. Eine neue Planung – garniert mit den Modewörtern «ganzheitlich» und «partizipativ» – soll's jetzt richten.

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Notwendig ist ein Blick auf die Gestaltung des öffentlichen Raums im Quartier hinter den sieben Gleisen auf jeden Fall. Jene, die die Vorgeschichte im Kopf haben, wundern sich allerdings ein bisschen über den plötzlichen Aktivismus im Amtshaus. Immerhin ist die heutige Asphalt-, Beton-, Stahl- und Glaswüste nicht vom Himmel gefallen. Im Gegenteil: Der heutige, allseits kritisierte Zustand ist einem Jahrzehnt Visionen und Planungen sowie nochmals 15 Jahren Bautätigkeit zu verdanken. Das Resultat ist steril und pflegeleicht. Es überzeugt höchstens Ordnungsfanatiker, die Strassenreinigung und Auswärtige, die einen Parkplatz suchen.

Grün-wilde Ausnahmen gibt es im Gebiet zwar immer noch: Das unmittelbare Umfeld der Lokremise deutet darauf hin, dass die Kultur etwas natürliche Wildheit verträgt. Der Garten der Villa Wiesental und jener zwischen den Häusern Lagerstrasse 2/4 und 6 ist einfach deshalb grün, weil hier Architekten und Strassenbauer noch nicht wüten durften.

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Immerhin: Die Stadt hat angesichts der Dauerkritik am heutigen Zustand erkannt, dass etwas getan werden muss. Man darf aufs Resultat gespannt sein. Egal wie es herauskommt, der Gesamtgestaltungsanlauf verschafft dem Gebiet immerhin eine Verschnaufpause.

So wie man das Tempo unserer Bauverwaltung kennt, dürfte einige Zeit ins Land ziehen, bis sich hinter dem Bahnhof wirklich etwas bewegt. Das freut all jene, die die iberische Küche lieben: Das Klubhaus dürfte so noch einige Zeit von den Spaniern weiterbetrieben werden können. Und die von der Stadt verordnete Denkpause gibt auch der Natur eine Chance, wieder Fuss hinter dem Bahnhof zu fassen. Unterstützt von Kreativen und Leuten mit einem grünen Daumen. Erste Verschönerungsaktionen sind bereits sichtbar: In den Baumscheiben an der Lagerstrasse blüht roter Mohn. An der Grünbergstrasse hat das «Amt für grüne Daumen» zugeschlagen: Hier steht seit Anfang Woche ein Hochbeet aus Holz, bepflanzt mit Gemüse und Blümchen.

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Der eine oder andere wird einwenden, dass ein Strauss Mohn und eine – bereits von Vandalen heimgesuchte – Holzkiste noch keinen (Grossstadt-)Dschungel machen. Das ist zwar richtig. Nur: Jeder Dschungel hat doch irgendwann einmal klein angefangen…