Grünabfuhr geht 2017 auf Tour

In der Stadt St. Gallen werden ab dem übernächsten Jahr biogene Abfälle wie Laub, Rasenschnitt, Rüstabfälle und Speisereste einmal pro Woche eingesammelt und zu Biogas vergärt: Das Stadtparlament hat dem gestern zugestimmt.

Daniel Wirth
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Laub in Abfallsäcken – bald ein Bild der Vergangenheit: Für die Grünabfuhr beschafft Entsorgung St. Gallen leichte und einfach zu reinigende Kunststoffgebinde, die zum halben Preis an die Bevölkerung weiterverkauft werden. Die Subvention wird aus dem Energiefonds finanziert. (Bild: Reto Voneschen)

Laub in Abfallsäcken – bald ein Bild der Vergangenheit: Für die Grünabfuhr beschafft Entsorgung St. Gallen leichte und einfach zu reinigende Kunststoffgebinde, die zum halben Preis an die Bevölkerung weiterverkauft werden. Die Subvention wird aus dem Energiefonds finanziert. (Bild: Reto Voneschen)

Die Grünabfuhr soll während des ganzen Jahres flächendeckend stattfinden. Der Stadtrat und die Fachleute von Entsorgung St. Gallen rechnen damit, dass zu Beginn rund ein Viertel des Grünguts aus dem St. Galler Hauskehricht separat gesammelt werden kann, später sollen es bis zu 45 Prozent sein, wie Roman Claudio Bühler, Präsident der Werkkommission, gestern im Stadtparlament ausführte. Zusätzlich würden Gartenabfälle anfallen, die bisher über andere Kanäle entsorgt werden. Bühler sagte, im ersten Jahr werde mit einer Abfuhrmenge von 2700 Tonnen gerechnet, ab 2021 mit 6300 Tonnen Rasenschnitt, Laub, Rüstabfällen und Speiseresten pro Jahr. In der Werkkommission sei die Einführung einer Grünabfuhr ganz und gar unbestritten gewesen, sagte Bühler.

Fahrzeuge, Container, Kübel

Für die Grünabfuhr muss die Stadt zwei neue Abfuhrfahrzeuge beschaffen. Dafür beantragte der Stadtrat dem Parlament einen Verpflichtungskredit über 1,1 Millionen Franken zu Lasten der Spezialfinanzierung für die Entsorgung von Siedlungsabfällen. Für die Abfuhr bereitgestellt werden können die Garten- und Küchenabfälle in leichten und einfach zu reinigenden Kunststoff-Containern und Kübeln. Die Stadt subventioniert rund 2300 Container unterschiedlicher Grösse für Garten- und gibt rund 11 000 Kübel für Küchenabfälle gratis an die Einwohner der Stadt ab. Hiefür beantragte der Stadtrat dem Parlament einen Beitrag von 350 000 Franken aus dem Energiefonds. Die Einführung der Grünabfuhr ist nicht gratis: Die Kosten werden gedeckt über eine Grundgebühr, die alle Haushalte zu zahlen haben, und über ein Abonnement für Personen, die die Grünabfuhr tatsächlich in Anspruch nehmen. Diese Form der Finanzierung gab zu reden im Parlament. Die SVP kritisierte, diese Mischlösung entspreche nicht dem Verursacherprinzip. Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Technischen Betriebe, entgegnete SVP-Sprecher Stefan Dietrich, St. Gallen sei nicht die erste Stadt in der Schweiz, die eine Grünabfuhr einführe. Man habe auf die Erfahrung anderer Städte zurückgreifen können und sich nach akribischer Sammlung von Informationen für eine Mischlösung mit Grundgebühr und Abonnement entschieden. Sonja Lüthi (Grünliberale), hatte in der Eintretensdebatte gesagt, in anderen Schweizer Städten sei die Grünabfuhr gratis, was zur Akzeptanz und zur Nutzung beitrage. Eine Gratis-Grünabfuhr wäre für Jans viel weniger verursachergerecht als die Mischlösung, wie er sagte.

Unumstrittene Vorlage

Die Einführung einer Grünabfuhr ist in St. Gallen seit Jahren ein Thema. 2013 machte Stadtparlamentarier Andreas Hobi (Grüne) einen neuen Anlauf. Er reicht das Postulat «Kreisläufe schliessen – eine Grünabfuhr auch in St. Gallen» ein. Der Stadtrat und Entsorgung St. Gallen (früher Entsorgungsamt) erhielten gestern viel Lob für den Postulatsbericht. Selbst der Sprecher der SVP, der Fraktion mit den schärfsten Kritikpunkten, äusserste diese nur leise. Werner Ruppeiner, der Sprecher CVP/EVP/BDP-Fraktion, sagte, in diesen Postulatsbericht sei «viel Herzblut» geflossen. Ruppeiner selber äusserste sich in der Detailberatung zu verschiedenen Punkten und stellte Fragen. Im Grossen und Ganzen war das aber nicht mehr als der Versuch einer massvollen Korrektur. Die Vorlage war unumstritten gestern abend im Parlament. Peter Jans sagte, nach der Einführung der Grünabfuhr werde diese einem Monitoring unterzogen und allenfalls da und dort angepasst werden. Die Sprecherin der FDP, Elisabeth Zwicky, hatte dies dem Stadtrat zuvor nahegelegt. Jans sagte beispielsweise zu den Betriebskosten von jährlich 1,3 Millionen Franken pro Jahr, es müsse noch genau untersucht werden, ob ein Grünabfuhr-Team aus einem Chauffeur und zwei Beladern bestehen müsse oder ob allenfalls ein Belader reiche. In den budgetierten Betriebskosten geht der Stadtrat von zwei Männern auf der Rampe am Heck des Wagens aus, wie bei der Kehrichtabfuhr. In diesem Zusammenhang erwähnte Jans auch die empfohlenen Container mit 140 Liter Inhalt. Einen solchen könne ein Mann gut alleine an die Entleervorrichtung kuppeln. ? STADTPARLAMENT 36