GROSSÜBERBAUUNG: Engelburg steht Bauboom bevor

Zuerst war Abtwil an der Reihe, jetzt Engelburg. Ab 2018 könnten über 80 Wohnungen und ein halbes Dutzend Einfamilienhäuser entstehen. Die Pläne fürs erste Projekt liegen auf – nach jahrelanger Vorarbeit.

Corinne Allenspach
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Auf der Kirchwiese unterhalb der Pfarrkirche sind sechs Mehrfamilienhäuser mit etwa 46 Wohnungen geplant. Dafür müssen auch drei bestehende Häuser weichen. Rechts im Bild die Grossbaustelle fürs Wohn- und Pflegezentrum. (Bild: Michel Canonica)

Auf der Kirchwiese unterhalb der Pfarrkirche sind sechs Mehrfamilienhäuser mit etwa 46 Wohnungen geplant. Dafür müssen auch drei bestehende Häuser weichen. Rechts im Bild die Grossbaustelle fürs Wohn- und Pflegezentrum. (Bild: Michel Canonica)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

«In Abtwil wird wieder gebaut», titelte das «Tagblatt» im Sommer 2013. Nach rund zehn Jahren mit vereinzelten kleineren Bauprojekten entstanden Schlag auf Schlag mehrere Grossüberbauungen: im Farnen, im Eggli und am unteren Sonnenberg. Das 5200-Seelen-Dorf Abtwil wuchs damit innert kurzer Zeit um 78 Wohnungen, 10 Einfamilienhäuser und rund 200 Einwohner.

Betrachtet man die Bauvorhaben im rund 3000 Einwohner zählenden Engelburg, steht dem mittleren der drei Gaiserwalder Dörfer ein ähnlicher Bauboom bevor. «Das könnte man so sehen», sagt Gemeindepräsident Boris Tschirky. Für das grösste Projekt liegt seit Ende Mai der Gestaltungsplan auf. Auf der Kirchwiese, unterhalb von Pfarrkirche und Friedhof, sind sechs Mehrfamilienhäuser mit total etwa 46 Wohnungen geplant. Mit dem Auflegen des Gestaltungsplans endet eine jahrelange Vorbereitungszeit. In einem sogenannten Workshopverfahren hat die politische Gemeinde mit der katholischen Kirchgemeinde Engelburg, dem Amt für Raumentwicklung und Geoinformation des Kantons (Areg), der Denkmalpflege, dem kantonalen Hochbauamt, privaten Grundeigentümern und einem Raumplaner zusammengearbeitet. Entstanden sei nach vier Jahren und mehreren Workshops ein Überbauungskonzept, «das von allen Beteiligten mitgetragen wird».

Dominante Position der Kirche bleibt erhalten

Die Grundstücke im Planungsgebiet gehören fünf verschiedenen Grundeigentümern: Der politischen Gemeinde, der katholischen Kirchgemeinde und drei Privaten. Weil es sich bei der Kirchwiese um einen zentralen Ort handelt, gelten spezielle Anforderungen. Wichtig sei, dass die Überbauung als Einheit daherkomme. Schliesslich sei es mehr als eine Überbauung, sagt Tschirky. «An diesem zentralen Ort geht es um Dorfentwicklung.» Das Engelburger Ortsbild ist gemäss Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von kommunaler Bedeutung. Erhalten werden soll vor allem die dominante Position der Dorfkirche (kantonale Bedeutung) und deren Umgebung. Bei der Planung waren deshalb laut Tschirky «vor allem die Stellung der Häuser und die Kubaturen wichtig». Drei Gebäude werden fünfgeschossig sein, die anderen viergeschossig, alle unterirdisch verbunden mit gemeinsamer Tiefgarage. Besondere Vorschriften gelten unter anderem auch für die Anordnung der Balkone, der Fassadenfarbe oder -materialien. Das Vorprojekt wurde vom Architekturbüro Klaiber Partnership AG ausgearbeitet.

«Altersgerecht bauen ist heute Standard»

Auch wenn die Planung unter Federführung der politischen Gemeinde verlief: Sie selber wird nicht als Bauherrin auftreten, sondern ihr Grundstück im Baurecht der Oberhalden Park AG abgeben. Diese will, verteilt auf zwei Mehrfamilienhäuser, insbesondere Wohnraum für Senioren schaffen, die beispielsweise aus ihrem Einfamilienhaus ausziehen möchten. Tschirky betont, dass selbstverständlich auch alle anderen der rund 46 Wohnungen altersgerecht gebaut würden. Das sei heute Standard. Einziehen könne somit, wer wolle: Familien, Junge oder Senioren. Auf dem Grundstück der Kirchgemeinde plant die Wohnbaugenossenschaft Lärchenhügel Wohnungen im einfacheren Segment. Der Gestaltungsplan liegt noch bis 29. Juni auf. Gehen keine Einsprachen ein, wird danach das Bauprojekt ausgearbeitet. «Das sollte dann schneller gehen als die Vorarbeit», hofft Tschirky. So oder so rechnet er aber mit 2018, bis die Bagger auf der Kirchwiese auffahren. Gleiches gelte im Gebiet Waldweg unterhalb des Schulsportplatzes. Dort sind weitere 36 Wohnungen und 7 Einfamilienhäuser geplant.