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Grosses Herz für die Kleinen

Der Roschacher Kinderarzt Roland Denoth tritt nach 31 Jahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger für seine kleinen Patienten fand er nicht. Doch etwas anderes geht ihm nahe.
Sandra Grünenfelder
So kennen ihn seine Patienten – Dr. Roland Denoth in der Rorschacher Praxis. (Bild: Sandra Grünenfelder)

So kennen ihn seine Patienten – Dr. Roland Denoth in der Rorschacher Praxis. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Das Regal ist gefüllt mit Plüschtieren, Büchern und hölzernen Spielzeugautos. Bilder mit Märchenmotiven hängen an den weiss gestrichenen Wänden. An der Tür kleben Kinderzeichnungen. «Die oberste hat mich ganz gut getroffen», sagt Dr. Roland Denoth und schmunzelt. Er deutet auf das Bild – es zeigt einen Mann mit Bart, weissem Kittel und einem breiten Lächeln im Gesicht. So kennen die kleinen Patienten ihren Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. 31 Jahre lang hat Roland Denoth als Kinderarzt in Rorschach gearbeitet. Ende Oktober geht er in Pension.

Vieles hat sich in den drei Jahrzehnten seiner Praxistätigkeit verändert. Besonders der medizinische Fortschritt sei spürbar. «Impfungen haben vieles zum Positiven verändert», erklärt Denoth. Auch die zunehmende Spezialisierung der Ärzte hat Auswirkungen. «Früher habe ich noch Krebspatienten zu Hause besucht und begleitet», erinnert er sich. «Das wäre heute unvorstellbar, da sie alle im Spital behandelt werden.»

Kinderärzte wollen keine Unternehmer sein

Aufgewachsen in Graubünden, beginnt Denoth mit 21 Jahren sein Medizinstudium in Zürich. 1978 schliesst er das Staatsexamen ab und beginnt als Assistenzarzt zu arbeiten. Zusammen mit seinem Freund und Berufskollegen Dr. Renzo Ghisla entschliesst sich Denoth 1985, die Kinderarztpraxis von Dr. Weber zu übernehmen. Gemeinsam eröffnen sie eine Doppelpraxis. «Wir waren weit herum die ersten, die eine solche Praxis führten», sagt er. Sie hatten ihre eigenen Patienten, teilten sich aber Infrastruktur und Personal. Im gleichen Jahr der Praxiseröffnung trat Denoth dem Vorstand des Heilpädagogischen Vereins (HPV) bei. «Diese Tätigkeit hat mir immer viel Befriedigung gebracht», sagt er. Als Kinderarzt hatte er dank des HPV die Möglichkeit, Eltern von beeinträchtigten Kindern eine Unterstützung zu bieten. 1996 wechselte Dr. Ghisla zurück in den Kinderspital St. Gallen. Markus Bigler trat seine Nachfolge an.

Einen Nachfolger für seine kleinen Patienten konnte Denoth bis zum Schluss nicht finden. «Der Ärztemangel in der Grundversorgung ist ein allgemeines Problem», sagt er. Es gebe zwar Interessenten, diese seien aber rar gesät. «Gerade viele Frauen sind sehr gut ausgebildet.» Keine von ihnen wolle aber eine eigene Praxis übernehmen. Sie suchten eher ein Angestelltenverhältnis mit flexiblen Arbeitszeiten. «Grundsätzlich ist eine eigene Praxis ein KMU», erklärt Dr. Denoth. Dazu gehörten auch administrative Aufgaben wie die Führung der Buchhaltung oder das Zahlen der Löhne. «Kinderärzte wollen keine Unternehmer mehr sein.» Doch Denoth blickt beruhigt in die Zukunft. Seinen Patienten steht er auf der Suche nach einem neuen Kinderarzt aktiv zur Seite. Sein Partner, Dr. Bigler, wird einen Arzt zur Unterstützung einstellen.

Mit Pension beginnt neuer Lebensabschnitt

Roland Denoth ist ein Mensch, in dessen Gegenwart man sich wohl fühlt. Er strahlt Vertrauen und Sympathie aus. Als Kinderarzt begleitete er mehrere Generationen aus Rorschach und Umgebung ins Erwachsenenalter. Auf die Frage, was für ein Erlebnis ihn während seiner Karriere am meisten geprägt habe, werden seine Augen feucht. Roland Denoths Stimme bricht. «Der Tod unseres Nachbarsmädchens», sagt er. Das Mädchen starb an einer Hirnhautentzündung. Roland Denoth konnte ihr nicht mehr helfen. «Das bewegt mich noch heute.»

Die Leidenschaft, als Kinderarzt zu arbeiten, wäre immer noch da, sagt der 65-Jährige. «Aber jetzt ist es Zeit.» Er deutet auf ein Foto, das auf seinem Schreibtisch steht. Roland Denoth hält darauf seine einjährige Enkeltochter im Arm. «Das wird mein neuer Lebensabschnitt sein», sagt er und lächelt. Trotz seines anstrengenden Berufs, der Notfalldienste und langen Arbeitszeiten hat Denoth immer Zeit für seine Familie gefunden. «Das habe ich meinem kurzen Arbeitsweg zu verdanken.» Der Kinderarzt wohnt zusammen mit seiner Frau in Rorschacherberg. Die drei Kinder sind bereits ausgezogen. Für die Pension habe er aber geplant, mal nicht so viel zu planen. Eines steht für den Kinderarzt aber fest. «Sobald der erste Schnee fällt, packe ich meine Ski und laufe den Fünf-Länder-Blick hoch», sagt er, «und zwar als Erster, noch vor all den anderen Pensionären.»

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