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Grosse Pläne fürs Geburtstagskind

Nächsten Sommer wird die St. Galler Stadtautobahn 30 Jahre alt. Das Jahrhundertbauwerk stand im Zentrum der städtischen Gallusfeier vom Sonntag. Bis etwa 2035 soll sie nämlich ausgebaut werden.
Margrith Widmer
Urs Kost Ehemaliger Kantonsingenieur (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Urs Kost Ehemaliger Kantonsingenieur (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

«Via est vita – die Strasse ist Leben»: So lautete das Motto der Begrüssung von Stadtrat Nino Cozzio am Sonntag im übervollen Pfalzkeller. Gallus habe im Steinachtal die Einsamkeit gesucht. Das Kloster und die Siedlung, die rund um seine Zelle entstanden, mussten aber erreichbar sein. Deshalb wurden schon früh zwei Strassen gebaut. Im 19. Jahrhundert kamen vielfältige Handelsbeziehungen dazu, im 20. Jahrhundert «eine unvorstellbare Mobilität».

Am 1. Juli 2017 wird die Stadtautobahn 30 Jahre alt. Urs Kost, von 2000 bis 2015 Kantonsingenieur, beschrieb anhand von Fotos aus dem Stadtarchiv die Entstehungsgeschichte des Jahrhundertbauwerks. Kost war als junger Ingenieur selber am Bau beteiligt gewesen. Seine letzten Berufsjahre standen dann im Zeichen der «Engpassbeseitigung» auf der Stadtautobahn.

St. Galler Blechlawine ist hausgemacht

Bis 1987 gab es in der Mulde des Steinachtals keine Hochleistungsstrasse. 85 Prozent des Verkehrs waren damals «hausgemachter» Binnenverkehr. Der Anteil des Durchgangsverkehrs auf den Stadtstrassen betrug lediglich 15 Prozent. «Das ist heute noch so», sagte Kost. Zwischen 1971 und 1986 betrug die Verkehrszunahme allerdings 60 Prozent – vier Prozent pro Jahr.

Ziel des Autobahnbaus war die Entlastung der Stadt: Sieben Varianten für die Routenführung von Süd bis Nord wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren geprüft. Sogar eine Hochstrasse als Nordtangente wurde in Betracht gezogen. Die grössten und emotionalsten Diskussionen lösten die Anbindungen der Autobahn ans städtische Strassennetz aus: Die Anschlüsse waren heiss umstritten – vor allem der Splügen-Anschluss in St. Fiden. Aufgrund von Verschärfungen im Umweltrecht wurde entschieden, die Stadtautobahn im überbauten Gebiet unterirdisch zu führen.

Urs Kost präsentierte an der Gallusfeier die Baugeschichte der Stadtautobahn – mit Tunnels im Tagbau, mit der Harzbüchel-Galerie, dem Sitterviadukt mit 64 Meter hohen Pfeilern und dem Rosenbergtunnel. Die Baustelle sei auch ein gesellschaftliches Ereignis gewesen, erinnert sich Kost: «Jeder Club, jeder Verein hat sich da einmal zu einer Führung getroffen.» An der Eröffnung der Stadtautobahn am 1. Juli 1987 wurde auch demonstriert. Zwei linke Politiker enthüllten ein Transparent mit der Aufschrift «Eröffnung der Schnittwunde». Was schon vor Ort heftige Reaktionen etwa einzelner Mitglieder der Kantonsregierung nach sich zog.

2015 fuhren doppelt so viele Fahrzeuge über die Stadtautobahn als kurz nach der Eröffnung vor 30 Jahren: Urs Kost illustrierte dies in seinem Referat an der Gallusfeier mit Fotos vom Bohl und von der Rorschacher Strasse vor und nach der Autobahneröffnung. Während es auf den Zufahrtsstrassen im Schnitt nur moderate Verkehrszunahmen gab, war die Steigerung auf der Autobahn massiv. «Jetzt muss man aufpassen, dass der Verkehr von der vollen Autobahn nicht in die Stadt zurück schwappt», warnte Urs Kost und warb an der Gallusfeier gleich auch für das Projekt zur Engpassbeseitigung.

Inzwischen stosse die Stadtautobahn in den Stosszeiten an ihre Kapazitätsgrenzen. Ereigne sich ein Unfall, breche der Verkehr zusammen und die Innenstadt sei hoffnungslos verstopft. Ohne Ausbau prognostizierten Verkehrsplaner mit einem Zeithorizont auf 30 Jahre hinaus einen Verkehrskollaps.

Geplant ist bis etwa 2035 ein Ausbau auf sechs Spuren

Die Stadtautobahn soll deshalb gemäss Urs Kost auf sechs Spuren ausgebaut werden. Zudem soll eine Teilspange via Güterbahnhof die Hauptverkehrsachse direkt mit der Liebegg verbinden. Die Stunde der Wahrheit komme, wenn die Kosten dafür bekannt seien, orakelte Urs Kost am Sonntag. Da hätten auch Stadt und Kanton Hausaufgaben zu lösen. Denn: Der Bund will den neuen Zubringer von der Stadtautobahn bis zum Güterbahnhofareal finanzieren. Stadt und Kanton wollen die Teilspange bis zur Liebegg verlängern, um den Verkehr aus dem Appenzellerland unterirdisch auf die Autobahn zu führen. Das Projekt zur Engpassbeseitigung auf der Stadtautobahn soll bis etwa 2035 realisiert sein.

Der Autobahnanschluss in St. Fiden, die sogenannte Splügenspange, war seinerzeit heftig umstritten. Im Bild dieser Teil der Stadtautobahn kurz vor der Eröffnung. (Bild: Sammlung Reto Voneschen (Mai 1987))

Der Autobahnanschluss in St. Fiden, die sogenannte Splügenspange, war seinerzeit heftig umstritten. Im Bild dieser Teil der Stadtautobahn kurz vor der Eröffnung. (Bild: Sammlung Reto Voneschen (Mai 1987))

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