Gratis-öV für Junge scheitert klar

Bus- und Bahnfahren wird für unter 25-Jährige nicht gratis: Gut 83 Prozent der städtischen Stimmberechtigten haben die Juso-Initiative abgelehnt. Enttäuscht ist die Jungpartei darob nicht.

Malolo Kessler
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Bereits in anderen Schweizer Städten ist Gratis-öV in den letzten Jahren gescheitert, nun auch in St. Gallen. Und das äusserst deutlich: 16 779 städtische Stimmberechtigte – knapp 83 Prozent der Stimmenden – folgten gestern Stadtrat und Stadtparlament und lehnten die Juso-Volksinitiative «Gratis-öV für unter 25-Jährige» ab.

Diskussion lanciert

Die Initiative hatte verlangt, dass Personen unter 25 Jahren künftig Anspruch auf ein von der Stadt bezahltes Abonnement für den öffentlichen Verkehr hätten. Damit wollten die Jungsozialisten Familien entlasten, den öffentlichen Verkehr fördern und die Standortattraktivität der Stadt erhöhen. Ein Ja an der Urne hätte für die Stadt gemäss Vorlage einen Mehraufwand von sieben Millionen Franken pro Jahr ausgelöst.

Die Juso nehmen das Abstimmungsergebnis mit «einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis», wie sie in einer Mitteilung schreiben. Ein Ziel der Initiative sei erreicht worden: Man habe eine «spannende und breite Diskussion» über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs lancieren können.

«Kein leichtes Spiel» für Juso

Dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, damit habe er «eigentlich schon gerechnet», sagt Tim Rüdiger, Co-Präsident der städtischen Juso. «Als Jungpartei hat man nie leichtes Spiel.» Und als Partei mit zwei Prozent Wähleranteil in einer Abstimmung doch noch 17 Prozent Ja-Stimmen zu erlangen, zeige, dass die Juso fähig sei, zu mobilisieren. Im Abstimmungskampf hatte sich lediglich die SP hinter das Volksbegehren gestellt.

Natürlich hätten sich die Juso einen Abstimmungssieg gewünscht, sagt Rüdiger weiter. «Aber wir sind nicht enttäuscht. Wir sind stolz darauf, was wir geschafft haben.» Als Jungpartei innerhalb von weniger als einem Jahr eine Initiative «von A bis Z durchzuziehen» und einen Abstimmungskampf zu führen, sei nicht selbstverständlich und eine «riesige Herausforderung» gewesen. Die Juso würden jetzt nach vorne schauen und motiviert in den Wahlkampf ums St. Galler Stadtparlament ziehen.

Entscheid gegen die Verlockung

Zufrieden mit dem Resultat zeigte sich gestern Stadtrat und «Verkehrsminister» Fredy Brunner. Die Initiative sei für viele Städterinnen und Städter sicherlich verlockend gewesen, sagte er. «Aber schliesslich haben sich doch die meisten Stimmberechtigten richtig entschieden: Gegen die Verlockung und für die Vernunft.»