Gratis-ÖV für ausländische Gäste

ST. GALLEN. Nach dem Euro-Schock stehe der Ostschweizer Tourismus vor einer gefährlichen Durststrecke. Es brauche jetzt positive Signale an die notleidende Branche. Etwa Gratis-ÖV für ausländische Gäste. Das fordert Tourismusdirektor Frank Bumann.

Reto Voneschen
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Frank Bumann, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus, fordert nach dem Wechselkurs-Schock ein konkretes Zeichen der Ostschweizer Kantone für den Tourismus. (Bild: Urs Bucher)

Frank Bumann, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus, fordert nach dem Wechselkurs-Schock ein konkretes Zeichen der Ostschweizer Kantone für den Tourismus. (Bild: Urs Bucher)

Eine eher trockene Angelegenheit ist normalerweise die Jahresmedienkonferenz von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Nicht so die gestrige Veranstaltung. Frank Bumann sprach aus aktuellem Anlass Klartext: Der Tourismusdirektor sieht nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses turbulente Zeiten auf seine Branche zukommen. In der Ostschweiz bestehe die Gefahr, dass durch den teuren Franken jährlich bis zu 30 000 Übernachtungen wegfallen könnten. Gegenmassnahmen seien dringend. Die Branche sei dafür allerdings auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen.

Freie Fahrt bei «Ostwind»?

Als Sofortmassnahme bereits ab dem 1. April fordert der St. Galler Tourismusdirektor von den Ostschweizer Kantonen ein Gratis-ÖV-Angebot für ausländische Gäste mit zwei oder mehr Übernachtungen. Bewerkstelligen liesse sich dies für Bumann relativ einfach und kostengünstig durch eine Freifahrtkarte des Tarifverbundes Ostwind.

Über diese Massnahme entscheiden muss die kantonale Politik. Genauso wie über die Verwendung der zusätzlichen Millionen, die dieses Jahr von der Nationalbank an die Kantone fliessen. Frank Bumann könnte sich vorstellen, etwas – «vielleicht ein Prozent?» – von diesen Mitteln in die Tourismuswirtschaft fliessen zu lassen. Die ausserordentliche Situation wie die Herkunft der Mittel aus Devisengewinnen rechtfertige dies.

«Branche nicht alleine lassen!»

Für Bumann wäre die Sofortmassnahme Gratis-ÖV ein psychologisch wichtiges Signal nicht nur für die ausländische Kundschaft, sondern auch für die gesamte Branche. So zeige die öffentliche Hand nämlich, dass sie die Probleme sehe und bereit sei, die dringend notwendigen Hausaufgaben der Hotels und anderer Tourismusunternehmen zu unterstützen. Andere Feriendestinationen im In- und Ausland hätten vergleichbare Massnahmen wie den Gratis-ÖV schon beschlossen oder seien daran, dies zu tun.

Rasanter Strukturwandel

Frank Bumann geht davon aus, dass sich durch den Euro-Schock der Strukturwandel in der Ostschweizer Tourismusbranche massiv beschleunigen wird. Unter anderem befürchtet er, dass dabei auch bisher gut aufgestellte Betriebe in Gefahr geraten, schliessen zu müssen. Der St. Galler Tourismusdirektor geht von einer Durststrecke von fünf bis sieben Jahren aus, die abgefedert werden muss.

Der neue Eurokurs mache Ferien für Schweizer im Ausland auf einen Schlag erheblich günstiger. Für Gäste aus Europa werde unser Land aber noch teurer. Die Zahl der einheimischen wie der europäischen Gäste werde daher abnehmen. «Ersatz» könne nur aus Übersee, vor allem aus den touristischen Wachstumsmärkten in Fernost, kommen, sagt Bumann.

Neue Märkte brauchen Zeit

In seinen Marketingbemühungen hat St. Gallen-Bodensee Tourismus diese Märkte, insbesondere China, Japan und Korea, bereits ins Visier genommen. Die Zahl der Gäste ist aber noch klein. Es brauche jetzt Zeit, Ressourcen und Zusammenarbeit in der Ostschweiz, um die Gästezahlen aus dieser Weltregion zu steigern, sagte Frank Bumann am Mittwoch.

In diesem Zusammenhang hat der Tourismusdirektor weitere Wünsche an die Kantone und Gemeinden. Dazu zählt beispielsweise die finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand am allfälligen Impulsprogramm 2015/16 für Schweiz Tourismus. Dazu zählt aber auch die allgemeine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Hotellerie und Tourismus.


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