Gräben beim Verkehr schliessen

In der Diskussionsrunde «Poli-Tisch» diskutierten Vertreter von Parteien und Gewerbe über die städtischen Verkehrsprobleme. Trotz unterschiedlicher Positionen signalisierten sie die Bereitschaft, diese gemeinsam anzugehen.

David Gadze
Drucken
Teilen
Der Verkehr in der Stadt St. Gallen brauche «ganzheitliche Lösungen», sagen die Parteien. Sie sind jedoch uneins, wie diese aussehen sollen. (Archivbild: Coralie Wenger)

Der Verkehr in der Stadt St. Gallen brauche «ganzheitliche Lösungen», sagen die Parteien. Sie sind jedoch uneins, wie diese aussehen sollen. (Archivbild: Coralie Wenger)

Der Städtevergleich «Mobilität» gibt weiterhin zu reden. Die Ergebnisse der Studie des Bundes zu verschiedenen Verkehrsaspekten in den sechs grössten Städten der Deutschweiz wurden am Montagabend am «Poli-Tisch» der FDP analysiert. Unter der Leitung von Benedikt van Spyk diskutierten FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier, Ex-Pro-City-Präsident Josef Huber, Andreas Flückiger, Direktionssekretär Technische Betriebe, sowie Stadtparlamentarierin Doris Königer (SP) und Stadtparlamentarier Robert Furrer (Grüne), die beide auch im Vorstand des VCS sind.

Wenige gemeinsame Nenner

In der lebhaften Diskussion zeigte sich immer wieder, wie schwierig es ist, die verschiedenen Ansichten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. So bereits im ersten Teil, der dem Veloverkehr gewidmet war. Mit einem Anteil von drei Prozent am Gesamtverkehr habe St. Gallen einen «Negativrekord» aufgestellt, sagte van Spyk. Das bürgerliche Lager suchte die Gründe dafür einmal mehr bei den topographischen und klimatischen Gegebenheiten. «Ausserdem lösen Velos das Verkehrsproblem nicht und werden weder den Mobilitäts- noch den wirtschaftlichen Bedürfnissen gerecht», sagte Dornier.

Rot-Grün monierte hingegen, der limitierende Faktor sei insbesondere die oft ungenügende Sicherheit auf den Velowegen. Gerade im Velonetz gebe es «grosse Defizite». Die Verbesserungsvorschläge seien von den Bürgerlichen im Parlament noch nie unterstützt worden. Das kantonale Agglomerationsprogramm enthalte wertvolle Massnahmen, um die Situation zu verbessern, sagte Furrer. Welche davon umgesetzt werden, sei aber eine andere Frage. «Ich messe die Situation an Taten, nicht an Plänen.»

Verkehr ganzheitlich betrachten

In der weiteren Diskussion rief Dornier die rot-grüne Seite auf, den Fokus von einzelnen Projekten zu lösen und die Verkehrsproblematik ganzheitlich zu betrachten. «Sie auf Parkplätze zu beschränken, greift zu kurz.» Es brauche einen Austausch, um mit mehrheitsfähigen Beschlüssen das Problem anzugehen. Das Mobilitätskonzept, das gegenwärtig von der Stadt erarbeitet wird, könne dazu wertvolle Ansätze bieten, ergänzte Flückiger.

Dass eine ganzheitliche Lösung Sinn mache, bestätigte auch Doris Königer. Sie dürfe sich jedoch nicht bloss auf die Innenstadt konzentrieren. «Die Stadt hört nicht im Zentrum auf. Es ist wichtig, auch die Quartiere in diese Gesamtschau einzubauen.» Ein weiterer Aspekt sei die Zersiedelung, die in den vergangenen Jahren zur Verkehrsproblematik beigetragen habe. «Wir müssen Mobilität und Raumplanung als Ganzes anschauen», sagte Königer. Die Stadt müsse so gestaltet werden, dass es wieder erstrebenswert sei, in ihr zu wohnen.

Wie weiter beim Parkhaus?

In der Debatte kam auch die Frage nach einer neuen Parkgarage am Schibenertor aufs Parkett. Huber betonte, das Gewerbe sei auf eine «funktionelle Ersatzlösung» angewiesen. Königer schlug dagegen vor, die Parkplätze in der nördlichen Altstadt aufzuheben, ohne sie sofort zu ersetzen.

Furrer ergänzte, die Frage sei legitim, ob die Mobilität an gewissen Orten wie der Innenstadt eingeschränkt werden dürfe. «Wir müssen bestimmen, wo welcher Verkehrsträger am meisten Sinn macht. Der Stadtrat muss zuerst im Mobilitätskonzept nach Lösungen suchen, ehe er sich Gedanken über eine neue Tiefgarage macht.» Weiter hinterfragte er, ob der von einem neuen Parkhaus ausgelöste Mehrverkehr von den Strassen in der Innenstadt überhaupt geschluckt werden könne. Die Gutachten, die Roger Dornier ins Feld führte, seinen bloss «mögliche Vorausschauen». Wenn sich nur ein Parameter verändere, könne «das ganze System zusammenbrechen».

Miteinander eine Lösung finden

Am Schluss signalisierte sowohl das bürgerliche als auch das rot-grüne Lager Bereitschaft, die Probleme gemeinsam anzupacken. Furrer schlug vor, parteiübergreifend zu überlegen, ob beispielsweise ein Konzept für autofreies Wohnen in Quartieren angepackt werden könne. «Wir müssen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.»

Aktuelle Nachrichten