Grabmal für Sternenkinder

GOSSAU. Auf dem Friedhof Hofegg in Gossau besteht seit Ende Oktober eine Grabstätte für Sternenkinder. Kinder, die tot geboren wurden, können von nun an dort bestattet werden.

Perrine Woodtli
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Pfarradministrator Andy Givel erläuterte an der Einweihung die Symbolik der Sternenkinder-Grabstätte. (Bild: pd)

Pfarradministrator Andy Givel erläuterte an der Einweihung die Symbolik der Sternenkinder-Grabstätte. (Bild: pd)

Lange waren Fehl- und Totgeburten ein Tabuthema. Sternenkinder werden jene Kinder genannt, die vor, während oder nach der Geburt sterben. Nach Gesetz sind Fehlgeburten nicht meldepflichtig, haben somit kein Anrecht auf eine Bestattung und haben nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht existiert. Für die Eltern und Angehörigen haben sie dies aber sehr wohl. Um für die Kinder einen Ort zu schaffen, hat die Stadt Gossau jetzt eine Grabstätte für Sternenkinder auf dem Friedhof Hofegg realisiert.

Umgang hat sich verändert

Seit Ende Oktober können Sternenkinder auf dem Friedhof Hofegg bestattet oder beigesetzt werden. Bislang wurden für Sternenkinder individuelle Lösungen für eine Bestattung getroffen. «Es existierten keine geeigneten Grabstätten für diese Kinder. Denn die Kindergräber sind für jene Kinder, die später nach der Geburt sterben», sagt Andy Givel, Pfarradministrator der katholischen Kirche, und ergänzt: «Daher ist es schön, dass eine Bestattung hier jetzt möglich ist.» Da laut Givel heute grundsätzlich viel individueller mit Bestattungen umgegangen wird, sei ein Sternenkinder-Grabmal schon länger ein Thema gewesen. «Auch der Umgang mit in der Schwangerschaft verlorenen Kindern hat sich verändert. Früher gehörten Fehl- und Totgeburten dazu. Es galten ganz andere Umstände. Heute ist der Mensch sensibler und ist um einen Ort zum Trauern froh.»

Fingerabdruck als Symbol

Zur Gestaltung des Grabmals haben sich Givel und der Gossauer Bildhauer Roman Brunschwiler zusammengesetzt. Das Grabmal ist eine runde Steinplatte mit Rinnen, in welchen Wasser durchfliesst. «Die Rinnen symbolisieren einen Fingerabdruck», sagt Givel und ergänzt: «Es soll die Einzigartigkeit eines Menschen zeigen, die er bereits so früh entwickelt.» Das Wasser sei das Sinnbild für das Leben, das Leben der Angehörigen, welches auch nach einem solchen Schicksalsschlag weitergeht. «Zudem ist das Wasser kein explizit christliches Symbol. Denn der Friedhof ist für alle Religionen da.» Der Bereich vor dem Grabmal ist mit Kopfsteinen gestaltet, in welche der Vorname oder ein Symbol für das Sternenkind graviert werden kann. Bestattet werden die Sternenkinder im Kreis anderer mit demselben Schicksal in der Wiese um das Grab.

Das Bedürfnis ist da

Givel hat bereits Rückmeldungen zur Sternenkinder-Grabstätte erhalten. Diese seien ausschliesslich positiv ausgefallen, sagt er. «Vielen gefällt das Grabmal, und sie finden es schön, dass es solch einen Ort gibt.» Es gebe aber sicherlich auch Leute, die das Grab als eher befremdend empfinden. «Bis jetzt habe ich aber noch nichts Derartiges gehört.»

Jetzt sei es wichtig, dass die Leute Bescheid wissen, dass dieses Grab existiert. «Wir haben unter anderem die Spitäler informiert», sagt Givel. Wie gross das Bedürfnis nach solch einer Grabstätte ist, sei noch schwierig zu beantworten. «Aber ich bin mir sicher, dass das Bedürfnis da ist. Unsere Gottesdienste für Menschen, die ein Kind verloren haben, stossen immer auf grosse Resonanz. Daher glaube ich, dass auch die Sternenkinder-Grabstätten gefragt sind», sagt Andy Givel. Er könne sich durchaus vorstellen, dass in einigen Jahren viele weitere Sternenkinder-Grabmäler auf anderen Friedhöfen bestehen.