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GRABENHALLE: Ausgebrannte "Tatort"-Kommissarin tritt in St.Gallen auf

Die ausgebrannte "Tatort"-Kommissarin Bibi Fellner kommt morgen Freitag nach St.Gallen. Jedoch geht die Schauspielerin Adele Neuhauser nicht auf Verbrecherjagd, sondern ist die Stimme einer musikalischen Lesung.
Christoph Renn
Als "Tatort"-Ermittlerin "Bibi" jagt Schauspielerin Adele Neuhauser in Wien Verbrecher. (Bild: Klaus Vyhnalek/PD)

Als "Tatort"-Ermittlerin "Bibi" jagt Schauspielerin Adele Neuhauser in Wien Verbrecher. (Bild: Klaus Vyhnalek/PD)

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Sie steckt mitten in einer Alkoholsucht, blickt auf ein Burnout zurück und erhofft sich nichts Grosses mehr vom Leben. Majorin Bibiane "Bibi" Fellner ist Single und kinderlos. Die Frau mit der Reibeisenstimme fährt einen mit Flammen bemalten Pontiac. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem Oberinspektor Moritz Eisner, jagt sie in Wien Verbrecher. So kennt man Adele Neuhauser in ihrer Rolle als "Tatort"-Kommissarin Bibi. In ihrem echten Leben fährt die österreichische Schauspielerin einen Saab und ist Mutter eines Sohnes. Doch wie Bibi erlebte Neuhauser in ihrer Jugend schwierige Jahre.

Mit Sohn Julian Adam Pajzs und der Band Edi Nulz ist die Schauspielerin morgen Freitag, 20 Uhr, in der Grabenhalle zu hören. Jedoch nicht als Bibi, sondern als Adele Neuhauser: Sie führen die musikalische Lesung "Die letzte ihrer Art" auf. Eine vergnüglich-nachdenkliche Reportage über bedrohte Tierarten des britischen Autors Douglas Adams. "Es ist wunderbar, mit meinem Sohn auf der Bühne zu stehen", sagt Neuhauser. "Bei diesem Projekt brechen wir jedoch mit unserer Mutter-Sohn-Beziehung." Sie treten als gleichberechtigte Kollegen auf.

Dunkle Erinnerungen an St.Gallen

Für Adele Neuhauser ist es nicht der erste Besuch in St.Gallen. "Ich erinnere mich jedoch nur noch dunkel an die Stadt", sagt sie. Noch vor der Jahrtausendwende spielte sie am Stadttheater in "Krach in Chiozza". Geblieben sind ihr die Museen und die vielen schönen alten Gebäude. Viel Zeit, die Stadt zu besichtigen, wird ihr am Freitag nicht bleiben. Heute tritt sie im österreichischen Andelsbuch auf und nach der Vorführung in St. Gallen geht es direkt weiter nach Innsbruck. "Wir sind sozusagen auf einer Mini-Europatournee", sagt Neuhauser.

Mit den musikalischen Lesungen kehrt Neuhauser zu ihren Wurzeln zurück. Die Karriere der 1,70 Meter grossen Frau hat auf der Bühne begonnen. "Seit ich sechs Jahre alt war, wollte ich Schauspielerin werden." Überregionales Aufsehen erregte Neuhauser 1999 in der Faust-Inszenierung am Stadttheater Regensburg, in der sie als Frau den Mephisto verkörperte. Doch sie wollte alle Feinheiten des Schauspiels ausprobieren. Deshalb sei sie schon früh auch vor der Fernsehkamera gestanden. "Die Kamera sieht mehr als die Besucher im Theater. Man muss stärker mit den Augen spielen", sagt Neuhauser und ergänzt schmunzelnd: "Sie sieht auch Dinge, die ich lieber verbergen wollte." Seit 2010 jagt sie als Ermittlerin Bibi Verbrecher in Wien.

Eine schwierige Jugend erlebt

Ihre Karriere ist gespickt von Auszeichnungen. So wurde sie bereits mehrere Male mit dem Romy als beliebteste Schauspielerin in Serien ausgezeichnet – zuletzt 2016 und 2017. Doch ihr Lebenslauf zeigt eine ganz andere Seite der Frau, die auf der Bühne stark und selbstbewusst auftritt. "In meinen Jugendjahren geriet ich in eine ziemlich dunkle Phase", erinnert sich Neuhauser. Sie wurde 1959 in Athen geboren. Im Alter von vier Jahren zog die Familie nach Wien, wo die Schauspielerin zusammen mit ihrem Bruder beim griechischstämmigen Vater aufwuchs, während die Mutter mit Adeles Halbbruder die Familie verliess. Ein Ereignis, das die Künstlerin so sehr prägte, dass sie mehrmals versuchte, sich das Leben zu nehmen. "Mein Urantrieb blieb jedoch immer lebensfroh." Rückblickend sei sie ohne diese traurigen Umwege wohl nie zu diesem komplexen Wesen geworden, das sie heute sei. Diese schwierige Lebensphase hat sie nun in ihrer Autobiografie "Ich war mein grösster Feind: Loslassen und weitergehen" aufgeschrieben.

Ein Kapitel hat sie ihren Stimmbändern gewidmet. Neuhauser, die für ihre tiefe und raue Stimme bekannt war, musste sich wegen einer Krankheit einer Stimmbandoperation unterziehen, wodurch sich ihre Stimme etwas erhöht hat. "Dass ich immer noch als Schauspielerin arbeiten kann, zeigt mir, dass ich mehr bin als nur meine Stimme."

21 Drehtage für eine "Tatort"-Folge

Der Auftritt morgen Freitag in der Grabenhalle ist eine seltene Möglichkeit, die österreichische Schauspielerin live zu hören. "Bald beginnen die Dreharbeiten für den nächsten Wiener "Tatort". Dann schlüpfe ich wieder in die Rolle der Kommissarin", sagt Neuhauser. Rund 21 Tage dauern die Aufnahmen einer Folge. "Zuvor muss ich viel Text büffeln." In diesem Jahr sind drei Wiener "Tatort"-Folgen geplant.

www.grabenhalle.ch

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