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GRABEN: Das Land zog mit

Nicht nur die Stadt, auch die meisten ländlichen Gemeinden haben der Theatersanierung zugestimmt. Für städtische Politiker ist das ein gutes Zeichen, denn es warten andere Projekte – allen voran der HSG-Ausbau.
Luca Ghiselli
Ein Grossteil der ländlicheren Gemeinden im Kanton hat der Sanierung des Theatergebäudes zugestimmt. (Bild: Urs Bucher)

Ein Grossteil der ländlicheren Gemeinden im Kanton hat der Sanierung des Theatergebäudes zugestimmt. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Es war eines der grossen Themen im Abstimmungskampf um die Sanierung des Theaters St. Gallen: der Stadt-Land-Graben im Ringkanton. Wer die Zahlen nach dem Abstimmungssonntag herbeizieht, stellt aber fest: Auch auf dem Land war die Unterstützung für die Sanierungsvorlage gross. Ebnat-Kappel sagte mit 56 Prozent Ja zur Theatersanierung, Diepoldsau mit 58 Prozent und in Lichtensteig fand die Vorlage sogar eine Zweidrittelmehrheit. In der Stadt sagten drei von vier Ja zum neuen Theater – noch höher war die Zustimmung nur in den beiden Nachbargemeinden Mörschwil und Gaiserwald.

Vom Rheintal bis ins Toggenburg war die Unterstützung für die Sanierung also überraschend gross. Nur das Sarganserland sagte als einziger Wahlkreis Nein, und auch in See-Gaster war das 48,6-Millionen-Franken-Projekt umstritten. Haben die ländlichen Gemeinden eine neue Liebe zur Hauptstadt aufflammen lassen? Wird der vermeintliche Graben zugeschüttet? Und was heisst das für weitere kantonale Grossprojekte auf Stadtgebiet – allen voran den HSG-Ausbau am Platztor, der voraussichtlich 2019 zur Abstimmung kommt?

Ein Zeichen der Solidarität

Stadtpräsident Thomas Scheitlin glaubt nicht an einen Stadt-Land-Graben. «Schliesslich muss die glaubwürdige Darlegung und die Bedeutung einer Sache überzeugen», sagt er. Ob Stadt oder Land habe in diesem Zusammenhang keine Bedeutung. Entscheidend sei letztlich das solidarische Verständnis für die unterschied- lichen Bedürfnisse der verschiedenen Regionen, sagt der Stadtpräsident. «Die geografische Situation St. Gallens als Ringkanton macht dieses Verständnis besonders anspruchsvoll, aber auch wichtig.» Dass diese Solidarität bei der Abstimmung über die Theatersanierung gespielt habe, sei sehr erfreulich. 62 von 77 Gemeinden haben Ja gesagt. Das ist ein tolles Zeichen der Solidarität und des gemeinsamen Verständnisses für die Bedeutung einer wichtigen Kulturinstitution.» Das Resultat sei aber auch ein gutes Zeichen für zukünftige kantonale Projekte in der Stadt – wie den HSG-Ausbau am Platztor. «Investitionen in Projekte von überregionaler Bedeutung sind Investitionen in den Wirtschaft- und Lebensraum Ostschweiz und damit in unsere Zukunft», sagt Scheitlin. Er sei sehr zuversichtlich, dass es auch für diese Vorlagen eine breite Akzeptanz geben werde.

Die Grenze am Ricken spürt man mehr

Ähnlich schätzt FDP-Kantonsrat Walter Locher die Situation ein. Einen Stadt-Land-Graben könne er in St. Gallen nicht wirklich feststellen. «Vielleicht ist die Grenze vor und hinter dem Ricken oft fast spürbarer.» Zudem seien inzwischen auch Wil, Rapperswil-Jona, Rorschach, Gossau und Buchs stark städtische Gebiete – mit ähnlichen Fragestellungen wie in der Hauptstadt. Die innere Solidarität im Kanton funktioniere zwar. «Aber es ist ein Geben und Nehmen.» Man müsse immer wieder darauf hinweisen, dass auch im übrigen Kanton viel geleistet werde, sagt Locher und nennt die Taminabrücke als Beispiel. Auch bezüglich HSG-Campus ist Locher vorsichtig optimistisch, sagt aber: «Die nächsten Jahre werden diesbezüglich anspruchsvoller, weil der Kanton mit den flächendeckend beschlossenen Spitalbauten seinen finanziellen Spielraum für andere Projekte erheblich eingeschränkt hat.»

Basil Oberholzer, Kantonsrat und Stadtparlamentarier der Grünen/Jungen Grünen, sagt, der Stadt-Land-Graben im Kanton sei nicht von der Hand zu weisen. «Die Abstimmung hat aber gezeigt, dass er nicht so gross ist, wie zu befürchten war.» Je weiter der Weg ins Theater St. Gallen, desto höher sei aber auch der Nein-Anteil gewesen. Das Selbstverständnis, dass man ein solches Theater brauche, habe sich am Schluss aber gegen die Kampa-gne der SVP klar durchgesetzt. «Das ist ein erfreuliches Bekenntnis zur Kultur des Kantons.»

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