Gossaus Sportferien trüben den Valentinstag

Kaufverhalten

Angelina Donati
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Rosen sind heute hoch im Kurs. (Bild: Michel Canonica)

Rosen sind heute hoch im Kurs. (Bild: Michel Canonica)

Eigentlich ist der 14. Februar ein Tag wie jeder andere. Und doch gibt es einen Unterschied. Dieses Datum setzt nämlich viele Menschen unter Zugzwang. Wohl an keinem anderen Tag wird so verzweifelt nach einem Mitbringsel gesucht, wie eben am Valentinstag – von der hektischen Weihnachtszeit mal abgesehen. Bereits einige Wochen zuvor wird auf diesen Anlass aufmerksam gemacht. Ob auf Plakaten, in TV-Spots, im Internet, in Läden oder Restaurants: Von der Botschaft, «schenken und beschenken» wird man richtiggehend verfolgt. Selbst Google macht davor nicht Halt und hat sein Logo mit Herzchen versehen. Auch in Gossaus Ladengeschäften sind die Überschriften «Am 14. Februar ist Valentinstag» und die roten Herzen omnipräsent. Ein Nicht-dran-Denken ist so gut wie ausgeschlossen.

Wer diesen Hype nicht mitmacht und seine Liebste oder seinen Liebsten nicht mit einer kleinen Aufmerksamkeit beschenkt oder keine Überraschung zaubert, gilt schnell als knausrig oder gar als gefühllos. Auch diejenigen, die sich selbst als unromantisch bezeichnen, müssen gezwungenermassen guten Willen zeigen und sich etwas Besonderes einfallen lassen. Nicht einmal Singles entkommen diesem Tag. Als wäre es nicht genug, dass sie mit ansehen müssen, wie andere Liebesbeweise erhalten, verabreden sich Paare auch noch zum romantischen Candle-Light-Dinner. Auffallend viele Zweier-Tische seien für heute im Restaurant Freihof in Gossau reserviert worden, erzählt Geschäftsführer Victor Ledergerber. «Die Nachfrage hat ­ in den vergangenen Jahren stark zugenommen.» Der passenden Stimmung wegen gebe es ein spezielles Valentins-Menü, und natürlich dürfen auf den Tischen rote Rosen nicht fehlen.

Blumen am Valentinstag scheinen ohnehin der Renner schlechthin zu sein. Auch wenn Pralinen äusserst gefragt sind. In Gossaus Bäckereien und Konditoreien lassen sich viele schokoladige, romantisch verzierte Präsente entdecken. Der Hype um diesen Tag habe aber ein wenig abgenommen, heisst es bei «Koller’s». Wohl auch, weil Goss­aus Sportferien in nur wenigen Tagen beginnen.

Von der Farbe ­ Rot wird man in Goss­aus Blumengeschäften regelrecht geblendet. Die Auswahl an Geschenken ist riesig und reicht von Schnittblumen über Gestecke, Rosenblätter, Herzen, kleine Figürchen, Teddys mit Schleifchen bis hin zu Kerzen. «Der Klassiker, der gerne verschenkt wird, ist die rote Rose», sagt Nadine ­Heuberger, Geschäftsführerin von Blumen Belser. Nicht nur einzelne Rosen seien beliebt, sondern auch Herz-Sträusse und kleine Pflanzen. Um allen Bestellungen gerecht zu werden, arbeitet derzeit das gesamte Team mit. Eine Konstellation, die es sonst nur zu Muttertag und während der Adventszeit gibt. Auch Auslieferungen laufen an diesem einen Tag auf Hochtouren. Hin und wieder komme es vor, dass der eine oder andere Kunde die Blumen anonymisiert versende. Mit lieben Zeilen – jedoch ohne Absender, was unweigerlich zu Missverständnissen und «Gwunder» führe. «Aber auch bei Nachfrage dürfen wir den Namen nicht ­verraten. Das geht unter Datenschutz», sagt Heuberger.

Dieser Kodex wird auch bei Blumen Egger eingehalten. Noch gut mag sich Inhaberin Margrith Egger daran erinnern, wie für den Valentinstag in früheren Jahren einiges tiefer in die Tasche gegriffen wurde. «Damals, als in Gossau noch buntes Fasnachtstreiben herrschte, haben viele Männer einen grossen Bund rote Rosen bestellt und ihn ihrer Lieblings-Servicefachfrau geschenkt», sagt sie. Heute seien dagegen eher kleinere Blumenarrangements gefragt, und es werde auch viel aus Freundschaft, besonders von Frau zu Frau, geschenkt. Nicht zuletzt würde auch das Datum der Sportferien die Geschenkwahl beeinflussen, wie auch Egger feststellt.

Mit ihrer Arbeitskollegin ist sich Egger einig, dass bei den Kunden bezüglich des Schenkens an einem solch besonderen Tag ein Umdenken stattfinde. «Sie beschenken sich lieber einfach so mal unter dem Jahr.» So oder so dürfe das Schenken keinem Zwang unterliegen, wie Margrith Egger betont. «Es spielt ja auch keine Rolle, ob es sich um ein kleines oder um ein grosses Geschenk handelt. Wenn, dann soll es von Herzen kommen. Das ist doch am Allerwichtigsten.» Dem kann auch Nadine Heuberger von Belser beipflichten. «Schliesslich ist der Valentinstag ja auch der Tag der Freundschaft.» Eine gute Gelegenheit also, diese zu pflegen. Sei es nun mit oder ohne Geschenk.

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch