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GOSSAUER WAHLEN: Wolfgang Giella eckt an

Wolfgang Giella ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. Nicht nur in Gossau. Dennoch kann er auf Unterstützung aus allen Parteien zählen. Und auf einen Wirtschaftsmogul.
Noemi Heule
Der Churer Wolfang Giella will ins Gossauer Rathaus. (Bild: Ralph Ribi)

Der Churer Wolfang Giella will ins Gossauer Rathaus. (Bild: Ralph Ribi)

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Er kam als grosser Unbekannter nach Gossau und landete prompt einen Coup: Im ersten Wahlgang im Rennen um das Gossauer Stadtpräsidium liess Wolfgang Giella seine Rivalen hinter sich. Die Gossauer zogen den auswärtigen Akademiker dem einheimischen Unternehmer vor.

Unbekannt scheint Giella selbst in seinem Heimatort zu sein. Zumindest politisch. Nein, sie hätten den Namen nie gehört, ist eine häufige Reaktion auf Telefonanrufe aus der Redaktion nach Chur. Auch in der SP Graubünden ist Giella kein bekanntes Gesicht, obwohl er kurz vor seiner Kandidatur Parteimitglied war. Weder der Parteisekretär noch der Präsident können sich an ihn erinnern. Klar, mittlerweile sei der Name ein Begriff, heisst es. Die Nachricht des Churer Genossen, der sich im Fürstenland auf einen Präsidentensitz bewirbt, vernahm man auch im Bündnerland.

Er bringt sich ein, und er eckt an

Erst der ehemalige Präsident der SP Graubünden, Jon Pult, weiss etwas zum einstigen Parteimitglied zu sagen. «Überdurchschnittlich mitgedacht und mitgewirkt» habe Wolfgang Giella, zumindest während seiner Amtszeit, die vor zwei Jahren endete. Er lobt Giella als «kritischen Zeitgenossen», der sich mit Ideen einbrachte. Mandate oder Funktionen in der Partei habe er aber keine übernommen.

Sehr wohl erinnern kann man sich in der Kantonsbibliothek Graubünden an den ehemaligen Leiter. Allerdings möchte sich niemand öffentlich äussern. Giella hatte die Bibliothek 2009 nach fünf Jahren verlassen. «Im «Unfrieden», wie eine Informantin einräumt. Darauf lässt auch ein Kommentar schliessen, den Giella im vergangenen Juni selbst online stellte. Er sei nicht etwa rausgeworfen oder rausgemobbt worden, betont er, sondern habe selbst entschieden zu gehen. Gleichzeitig kritisiert er die Leitung des Amtes für Kultur, die auf keinen Fall anecken wollte. «Aber Engagement ohne anzuecken ist unmöglich und unehrlich.» Giella blieb nicht der Einzige, der mit der Leitung des Amtes für Kultur nicht zurechtkam. Auch im Archäologischen Dienst und im Kunstmuseum kam es später zu Zerwürfnissen, wie der «TagesAnzeiger» im Juni schrieb.

Von einem Zerwürfnis möchte Claudio Lardi nicht sprechen. Der ehemalige Bündner Regierungsrat und indirekte Chef Giellas weiss «nur Gutes» über den Kandidaten zu berichten. Der damalige Vorsteher des Kulturdepartements lobt ihn als fähigen Mitarbeiter. Dass Giella auch anecken kann, überrascht nicht. Schliesslich sei er jemand, der seine Meinung immer direkt sage. «Aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten traue ich ihm das Amt als Stadtpräsident zu», sagt er.

Bevor Giella die Leitung der Bündner Bibliothek übernahm, unternahm der gelernte KV-Angestellte einen Ausflug nach Göttingen, wo er 1999 mit dem Doktor das Studium in Zentralasienkunde abschloss. Er hängte sogleich ein Nachdiplomstudium in Verwaltungsleitung an. Vor sieben Jahren übernahm er die Leitung der Hochschulbibliothek der ZHAW in Winterthur. «Ein Innovator» sei er, sagt eine Angestellte. Die Bibliothek habe unter seiner Gilde wichtige Schritte in die Zukunft gemacht, etwa in der Digitalisierung. Mehr möchte sie nicht preisgeben, schliesslich wolle sie sich nicht in den Wahlkampf ihres Chefs einmischen.

Rolf Grass beteiligt sich an Wahlkampf

Und der Wahlkampf lief bisher erfolgreich: Wolfgang Giella punktete mit Unbefangenheit und konnte nicht nur die Mehrheit der Gossauerinnen und Goss- auer überzeugen, sondern auch politische Rivalen vereinen. Eine Findungskommission aus SVP, SP, Flig und FDP hatte ihn im September ins Rennen um die Nachfolge von Alex Brühwiler geschickt. Wenige Tage vor seiner Kandidatur war Giella aus der SP ausgetreten. Nach seiner Wahl wolle er wieder einer Partei beitreten, sagte er. Welcher, das liess er offen; einzig die SVP schloss er von vornherein aus. Bis auf die SVP haben ihn im ersten Wahlgang denn auch alle beteiligten Parteien zur Wahl empfohlen, auch wenn der Entscheid im Falle der FDP äusserst knapp ausfiel.

Neben der Findungsgruppe kann Wolfgang Giella auf einen Mäzen aus der Wirtschaft zählen: Rolf Grass bestätigt auf Anfrage, dass er den Wahlkampf finanziell unterstützt hat, um Daniel Lehmann einen Kontrahenten entgegenzustellen. Noch sei unsicher, ob er sich ebenfalls am Schlussspurt beteilige. Auch die Unterstützung der Parteien hat Giella noch nicht auf sicher. Eins aber ist ihm gewiss, zumindest in Gossau kennt den einstigen Unbekannten mittlerweile jeder.

Wolfgang Giella ist 1965 in der Nähe von Stäfa ZH geboren. Der Vater zweier Töchter wohnt in Chur und arbeitet in Winterthur, wo er die Hochschulbibliothek der ZHAW leitet. Er begann seine Ausbildung mit einer KV-Lehre und studierte später allgemeine Sprachwissenschaften, Indogermanistik und Zentralasienkunde an den Universitäten Zürich und Göttingen. Er schloss mit dem Doktortitel ab und hängte ein Nachdiplomstudium in der Verwaltungsleitung an. (nh)

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