Gossauer vertritt die Schweiz

Reto Reifler ist der beste Schweizer Spengler unter 25 Jahren. Nächste Woche wird der Gossauer in Schweden gegen Konkurrenz aus ganz Europa antreten. Mit nur einem Ziel: der Goldmedaille.

Christoph Renn
Merken
Drucken
Teilen
Der Gossauer Reto Reifler fliegt nach Schweden an die Berufs-Europameisterschaften. (Bild: Urs Bucher)

Der Gossauer Reto Reifler fliegt nach Schweden an die Berufs-Europameisterschaften. (Bild: Urs Bucher)

Noch ist alles ruhig in der Werkstatt, nur aus dem Radio erklingen leise Töne. Der Gossauer Spengler Reto Reifler geht konzentriert seiner Arbeit nach, biegt meterlange Bleche millimetergenau zurecht. Doch ist der 24jährige Spengler in Gedanken schon fast im schwedischen Göteborg. Dort wird er sich vom 1. bis 4. Dezember an den fünften Beruf-Europameisterschaften, den sogenannten Euroskills, mit den besten Nachwuchs-Spenglern Europas messen. Zusammen mit neun anderen Berufsleuten – alle unter 25 Jahre – wird er die Schweiz in Schweden vertreten. «Die Vorfreude steigt langsam», sagt Reifler. Am kommenden Dienstag wird er mit seinen Begleitern ins Flugzeug steigen. Als Unterstützung reisen seine ganze Familie, Gotti und Götti, aber auch ein Freund sowie sein Chef und sein Mitarbeiter bei der Firma Hiltbrunner & Fraefel in Wil mit. «Gepackt habe ich noch nicht. Das werde ich wohl am Montagabend erledigen.»

Doch Reto Reifler ist alles andere als unvorbereitet. «Ich habe ein Jahr lang auf diesen Wettkampf hin trainiert.» Dies bedeutete, dass er einmal pro Monat während einer Woche mit seinem Coach jeden einzelnen Handgriff einstudiert hat. Entsprechend selbstbewusst zeigt sich Reifler: «Ich will die Goldmedaille gewinnen.» Fünf seiner acht Konkurrenten kenne er bereits. «Vielleicht haben sie an den zwei gemeinsamen Trainings nicht alles gegeben», sagt Reifler. Doch was er gesehen habe, mache ihm keine Angst.

Eine knallharte Jury

Die Aufgabe, die den Spenglern an den Euroskills gestellt wird, fordert laut Reifler enorm: Innerhalb von 22 Stunden müssen die Teilnehmer ein Steildach mit Gaube mit einem Blech verkleiden. Die Arbeit wird über drei Tage verteilt. «Der Zeitdruck ist gross.» Deshalb sei es umso wichtiger, dass jeder Handgriff perfekt sitze und man nicht nervös werde. Denn die Jury sei knallhart. «Die Experten schauen auf jeden kleinen Fehler, sei es ein Kratzer oder dass eine Platte um einen Millimeter verschoben ist.» Dank des Mentaltrainings, das er mit den anderen Vertretern aus der Schweiz absolviert habe, könne er sich aber bestens auf diese Aufgabe fokussieren. Denn er erinnert sich noch genau an die Schweizer Meisterschaften: «Anfangs verspürte ich schon eine gewisse Nervosität.» Doch nach den ersten Handgriffen habe sich diese dann schnell gelegt.

Vom Dachdecker zum Spengler

Zeit, die schwedische Stadt Göteborg zu entdecken, wird dem Gossauer nicht viel bleiben. Denn kurz nach der Anreise werde er seine Arbeitsstätte auf Zeit im Swedish Exhibition Center einrichten und dann gehe es auch schon bald los. Nach der Schlussfeier fliegt Reifler samt seinen Begleitern wieder zurück in die Schweiz und in den Arbeitsalltag. «Eine kleine Feier mit Familie und Freunden wird es aber schon noch geben.» Ursprünglich hat der 24jährige Gossauer einen anderen Beruf gelernt – er hat die Lehre zum Dachdecker absolviert. Dachdecker zu sein war Reifler aber zu wenig. Deshalb hängte er die Ausbildung zum Spengler an. Die Kombination der beiden Berufe schätzt er. Vieles gehe so Hand in Hand, die Arbeit sei abwechslungsreich.