Gossauer aus Berufung

Von Beruf war Walter Dillier Zahnarzt, von Berufung ein Gossauer. Hier hat er sich für ein blühendes gesellschaftliches Leben eingesetzt. Ende Juli ist er entschlafen; mit einem Lächeln auf den Lippen.

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Walter Dillier-Muggli, 16. April 1919 – 28. Juli 2012 (Bild: pd)

Walter Dillier-Muggli, 16. April 1919 – 28. Juli 2012 (Bild: pd)

Sport, Gesang, Musik – dies alles gehörte in Walter Dilliers Leben. Genau so wie der Beruf als Zahnarzt, bei dem er sich stets auf dem neusten Stand der Entwicklung hielt. Als er 1949 nach Gossau kam, um eine Zahnarztpraxis zu eröffnen, wollte er nicht nur Zähne reparieren, sondern sich auch gesellschaftlich engagieren. So wuchs beides miteinander, der Ausbau der Zahnarztpraxis und der Einsatz für die Öffentlichkeit.

Weite bringt Weitsicht

Im Beruf musste er sich «auf ein kleines Objekt im menschlichen Körper» konzentrieren, wie er in einem Rückblick auf sein Leben schrieb. Das verlangte nach einer Abwechslung in der Freizeit, die er nun allerdings nicht für sich allein gestalten, sondern zusammen mit andern verbringen wollte. Das führte ihn in Vereine wie den Männerchor oder in das Fasnachtskomitee. Hier fragte er nicht, was ihm eine Mitgliedschaft bringen werde; sondern was er selber zur Gemeinschaft beitragen könne. Dies war eine ganze Menge. Dem Männerchor weckte er die Lust an Unterhaltung und Reisen. Als Fasnächtler gab er sich nicht mit einem biederen Kinderfasnachtsumzug zufrieden. Vielmehr regte er die Gestaltung eigener Masken, phantasievoller Kostüme und aufwendig dekorierter Wagen an. Bald schon ragte die Gossauer Fasnacht weit über das übliche Ostschweizer Narrentreiben hinaus. Begeisterter Skifahrer, passionierter Tennisspieler, sechs Mal Gossauer Tennismeister – sportliche Weite und menschliche Weitsicht gingen bei ihm Hand in Hand. Und Gossau dankte es ihm. 1989 erhielt er den damals zum zweiten Mal verliehenen «Gossauer Preis».

«Studyclub»

All diese Aktivitäten hielten ihn nicht davon ab, sich beruflich weiterzubilden; bei Fortbildungskursen, nationalen Kongressen und monatlichen Treffen im zahnärztlichen «Studyclub», den er mit Berufskollegen auf die Beine gestellt hatte. Als Zahnarzt hatte er einen Beruf gewählt, der sich seit dem Zweiten Weltkrieg rasant entwickeln sollte, mit neuen Apparaten, Einrichtungen, Behandlungsmethoden. Und auch die Krankheitsbilder veränderten sich. Anfänglich hatte fast jedes Schulkind Karies, vier Jahrzehnte später war dies nur noch bei zehn Prozent der Fall. Dafür lag nun das Augenmerk vermehrt auf der Korrektur von schlechten und falschen Zahnstellungen.

Freunde und Familie

Angehörige und Freunde haben Walter Dillier als Menschen erlebt, der sie immer wieder überraschte; humorvoll, begeisterungsfähig, selten ohne einen träfen Spruch oder zumindest ein Lächeln auf den Lippen. Vieles davon verdankte er einer glücklichen Jugend in seinem Elternhaus in Lichtensteig und den vielen Freundschaften, die ihm während seiner Studienjahren in Stans, Fribourg und Basel zugewachsen sind; auch durch die Studentenverbindungen.

Während seiner Assistenzzeit lernte er in Nidau seine Frau, Marianne Muggli, kennen, mit der ihm ein Sohn und drei Töchter geschenkt wurden. Das Wohl der Kinder und Enkel lag ihm besonders am Herzen. So stieg er im Juli noch als 93-Jähriger zum Gasthaus Äscher hinauf, um dort seine älteste Enkelin zu besuchen. Vier Tage später fanden ihn seine Angehörigen zu Hause auf seiner Coach liegend, friedlich entschlafen. Ein sanfter Tod beendete ein reich erfülltes Leben. (J. O.)