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GOSSAU: Weitergeben statt wegwerfen

Er wuchs in Ruanda als Kind von Missionaren auf und leitet heute ein Hilfsprojekt. Morgen erzählt Markus Hofmann in einem Gottesdienst aus seinem Leben.
Laura Widmer
Rund 25 Tonnen Lebensmittel werden laut Markus Hofmann wöchentlich abgegeben. (Bild: Michel Canonica)

Rund 25 Tonnen Lebensmittel werden laut Markus Hofmann wöchentlich abgegeben. (Bild: Michel Canonica)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Die meisten Lebensmittel sind länger haltbar, als auf der Verpackung steht. Trotzdem werden sie von Produzenten und Detailhändlern vernichtet, wenn das Verkaufsdatum abgelaufen ist. «Dass so viele essbare Lebensmittel weggeworfen werden, ist traurig und bewegt mich nach vielen Jahren immer noch», sagt Markus Hofmann. Der Gossauer hat 2006 das Projekt Food Care (siehe Kasten) ins Leben gerufen, das gegen einen Unkostenbeitrag Nahrungsmittel an Bedürftige abgibt. Rund 330 freiwillige Mitarbeiter an allen Standorten holen Produkte ab, sortieren sie, packen sie in Kisten und geben sie weiter. Etwa 25 Tonnen seien es pro Woche, schätzt der 48-Jährige. Welche Produzenten Lebensmittel an Food Care abgeben, darf er nicht verraten. «Nur so viel: Es sind alle bekannten Namen darunter.»

Die Klientel des Hilfsprojektes sind Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben. Grossfamilien, Ausgesteuerte, Working-Poor-Haushalte oder Migranten. Am grössten Standort in Frauenfeld erhalten über hundert Familien Lebensmittel. Hofmann möchte auch einen Beitrag zur Integration leisten. Viele Mitarbeiter sind Langzeitarbeitslose oder Migranten. «Häufig verlieren arbeitslose Menschen die Perspektive.» Eine sinnvolle Tätigkeit könne ihnen neuen Lebensmut geben.

Kind von Missionaren

Aufgewachsen ist Markus Hofmann im zentralafrikanischen Ruanda als Kind von Schweizer Missionaren. Die Mutter arbeitete in einem Urwaldspital, der Vater predigte und engagierte sich für Hilfsprojekte im Brunnenbau oder an Schulen. Bis 1985 lebte die Familie in Ruanda. «Wir zogen in die Schweiz, als ich 14 Jahre alt war.» Er erlebte einen Kulturschock, den er niemandem wünscht. «Wir haben gedacht, uns erwartet in der Schweiz das Paradies.» Im Gegensatz zu Ruanda erschien die Schweiz aber überreglementiert. «Ich habe in Ruanda mit elf Jahren gelernt, Auto zu fahren.» Die Freiheit, mit der er in Ruanda aufgewachsen war, fehlte ihm zu Beginn in der Schweiz. Jetzt fühle er sich wohl in der Schweiz, spricht von einem tollen Umfeld. Hier wurde er Maschinenmechaniker und Werkzeugmacher und lernte seine Frau Daniela kennen. Zu seiner Heimat wurde die Schweiz aber erst, als er schon über 30 war. «Bis vor zehn Jahren hätte ich mir vorstellen können, auszuwandern.»

«Der Glaube muss gelebt werden»

Bevor Hofmann Food Care ins Leben rief, war er als Pastor in einer Pfingstgemeinde in Herisau tätig. Es habe ihm aber nicht mehr genügt, nur vom Guten zu sprechen. «Der Glaube soll gelebt werden», sagt Hofmann. Er sieht in Zeiten von wachsender Armut auch die Kirchen gefordert. «Sie sollten mehr tun, um Bedürftigen zu helfen.» Möglicherweise wendeten sich die Menschen auch von den Institutionen ab, weil sie von deren Passivität enttäuscht seien. «Was gepredigt wird, muss auch Hand und Fuss haben.» Diese Botschaft möchte er morgen am Gottesdienst weitergeben.

Hinweis Gottesdienst mit Markus Hofmann, morgen 9.45 Uhr, Freie Evangelische Gemeinde Gossau, Mooswiesstrasse 32.

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