GOSSAU: Vom Urknall zum Lebensfunken

In nur einer Stunde führte der Gossauer Physiker Ewgeni Obreschkow seine Zuhörer von den Anfängen des Universums zur Entstehung des Lebens. Dazwischen fand er sogar Zeit für eindrückliche Bilder und klassische Musik.

Johannes Wey
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In Weltraumregionen wie dem Orionnebel entstehen neue Sterne. (Bild: pd/Fabian Neyer)

In Weltraumregionen wie dem Orionnebel entstehen neue Sterne. (Bild: pd/Fabian Neyer)

GOSSAU. «Wir sind Zeitzeugen eines Jahrhundertereignisses», sagt Ewgeni Obreschkow. Die Weiterbildungsveranstaltung «Akademie am Friedberg» ist für den Mitinitianten und ehemaligen Gymnasiumsrektor an diesem Dienstag ein Heimspiel. Vortragsthema des Physikers ist der «Zauber der Sterne». Und das angesprochene Jahrhundertereignis der Nachweis der Gravitationswellen, den die Forscher der Ligo-Kollaboration im Februar verkündeten. Obreschkow vergleicht das Ereignis mit Galileo Galileis erstmaliger Beobachtung der Jupitermonde durch ein Teleskop: eine neue Methode, die verfeinert werden kann und ganz neue Perspektiven eröffnet.

Sterne «backen» die Elemente

Und solche Beobachtungen bringen immer auch neue Erkenntnisse: «Die Sterne erzählen die Geschichte, die das Universum geschrieben hat», sagt Obreschkow. Und diese Geschichte, so wie sie sich die Wissenschaft heute zusammenreimt, fasst er in nur einer Stunde zusammen. Zwischendurch gönnt er dem Publikum eine Verschnaufpause, in dem es sich ganz den prachtvollen Bildern von Galaxien, aber auch Nahaufnahmen vom Leben auf der Erde widmen kann, begleitet von Musik von Johann Sebastian Bach bis Ennio Morricone.

Angefangen beim Urknall vor schätzungsweise 13,8 Milliarden Jahren über die Bildung von Sternen in Regionen wie dem Orionnebel bis zu deren Explosion in Supernovae. Obreschkow erklärt, wie in der Sonne Wasserstoff zu Helium fusioniert wird und wie dutzendfach grössere Sterne auch schwerere Elemente produzieren, die zur Entstehung von Planeten und des Lebens darauf notwendig sind: «Jedes Sauerstoffatom, das wir einatmen, wurde vor Urzeiten in einem Riesenstern zusammengebacken.» Die Entstehung des Lebens beginnt für ihn deshalb nicht in den fünf Milliarden Jahren, in denen unser Sonnensystem existiert, sondern lange davor. Milliarden von Jahren seien schon nötig gewesen, um überhaupt erst das «Baumaterial» für die Planeten und das Leben bereitzustellen. «Diese astronomische Evolution ging in die biologische über.»

Aus Materie entsteht Leben

«Die gerne als tot bezeichnete Materie besitzt die Tendenz, sich zu organisieren», sagt Obreschkow. Aus Methan, Ammoniak und Wasser beispielsweise entstanden unter dem Einfluss von Blitzen etwa Aminosäuren. Dieser Vorgang kann heute im Labor wiederholt werden.

Für den nächsten, entscheidenden Satz blendet Obreschkow ein Video des im vergangenen Oktober verstorbenen Molekularbiologen Gottfried Schatz bei seinem Auftritt 2013 in Gossau ein: «Irgendwann bildeten diese Aggregate die Fähigkeit, sich zu reproduzieren, der Lebensfunke begann zu zünden» – damit hat Obreschkow den Bogen vom Urknall zur Entstehung des Lebens gespannt.

Der neugierige Mensch

In der Fragerunde will ein Zuhörer von Obreschkow wissen, ob er die Astrologie «für seriös oder Humbug» halte. Dieser antwortet: «Aus astrophysischer Sicht ist das Humbug – wenn Sie mir das Wort schon in den Mund legen.»

Ein weiterer der über 120 Zuhörer fragt mit Blick auf die Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte: «Müssen wir denn so viel wissen?» Das Leben wäre doch einfacher, wenn man sich mit weniger zufrieden geben würde. Obreschkow stimmt dem zu, doch: «Ich glaube nicht, dass sich der Mensch damit einfach zufrieden geben würde. Ich persönlich finde es jedenfalls spannend, Neues zu lernen.»

Nächste Akademie am Friedberg: 25. Mai, mit Allan Guggenbühl