GOSSAU: Verkehr staut sich weiter - keine neue Umfahrung für Gossau

Nach Jahren der Planung ist klar: Das Gossauer Zentrum wird nicht durch zusätzliche Strassen vom Verkehr entlastet. Stattdessen sollen die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Verhalten ändern.
Nina Rudnicki
Keine Entlastung fürs Zentrum: Verkehr wird weiterhin über die St. Gallerstrasse geführt. (Bild: Benjamin Manser)

Keine Entlastung fürs Zentrum: Verkehr wird weiterhin über die St. Gallerstrasse geführt. (Bild: Benjamin Manser)

Nach dem Stadtapéro in Gossau am vergangenen Samstag stand fest: Keine der geprüften Varianten zur Verkehrsentlastung des Stadtzentrums wird umgesetzt. Es wird somit auch keine Umfahrung des Stadtzentrums gebaut werden. Vielmehr soll das bestehende Verkehrssystem genutzt und lokal optimiert werden. Konkret bedeutet das, dass die Gossauerinnen und Gossauer ihr eigenes Verhalten ändern müssen und vermehrt auf den öffentlichen Verkehr, das E-Bike oder das Velo umsteigen oder zu Fuss gehen sollen.

«In Gossau ist nur 15 Prozent Durchgangsverkehr. Die übrigen 85 Prozent des Verkehrs sind von den Bewohnern hausgemacht. Da müssen wir ansetzen», sagte Stadtpräsident Alex Brühwiler und verwies auf die Stadt St. Gallen. Dort hatte das Stimmvolk Anfang März die Mobilitätsinitiative deutlich abgelehnt und sich damit gegen mehr Autos und für den Ausbau des Langsam- und öffentlichen Verkehrs ausgesprochen. Allerdings räumte Brühwiler ein: «Es ist natürlich für viele enttäuschend, dass unsere Hoffnungen geplatzt sind, der Kanton werde uns eine der Varianten zur Verkehrsentlastung als Lösung präsentieren. Wir müssen nun die Realität akzeptieren.»

16 Lösungsansätze – keiner wird umgesetzt

Zum Stadtapéro waren Sascha Bundi und Pascal Hinder vom kantonalen Tiefbauamt als Referenten eingeladen. Sie informierten über das Ergebnis der Zweckmässigkeitsbeurteilung für die Entlastungsmöglichkeiten der St. Gallerstrasse. Die Verkehrsplaner hatten 16 Lösungsansätze geprüft, die der Kanton im vergangenen Jahr vorgeschlagen hatte. Während Bundi nochmals auf die Rahmenbedingungen einging, stellte Hinder die fünf viel versprechendsten Lösungsansätze vor. Zu diesen gehörte eine Nordumfahrung mit einer Spange Ost. Hierbei wäre der Verkehr entlang der Autobahn statt durchs Zentrum geleitet worden. Eine weitere Variante war die Westumfahrung, die direkt von der Wiler- in die Herisauerstrasse führte. Ähnlich, nur etwas zentrumsnaher, wäre der Verkehr bei der Variante Zentrum Süd um das Zentrum herum geführt worden. Bei der Variante Zentrum Mitte oberirdisch hätte die Hauptverkehrsachse weiterhin mitten durch Gossau geführt, allerdings nicht mehr über die St. Galler­strasse, sondern auf einer Parallelstrasse Richtung Bahnhof. Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, den Verkehr von der Autobahn über eine neue Zufahrt ins Stadtzentrum zu leiten.

«Keine dieser Lösungen konnte uns überzeugen. Sie hätten keinen stabilen, positiven Gesamtnutzen», sagte Hinder und verwies auf die Vorgaben. So hätten durch die Massnahmen unter anderem folgende fünf Punkte garantiert werden müssen: Die Aussenraumqualität sollte verbessert, die Busbehinderung vermindert werden. Bessere Velo- und Fussgängerverbindungen sollten entstehen. Der Ausweichverkehr hätte beseitigt und eine gute Erreichbarkeit des Zentrums garantiert werden müssen. Zudem hätten Luft- und Lärmemissionen abnehmen müssen.

«Was machen wir mit diesem enttäuschenden Resultat?», fragte Hinder und lieferte gleich die Antwort: Nun gehe es darum, das Verkehrsverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner sowie jener, die des Jobs wegen nach Gossau pendeln, zu ändern. «Zudem gilt es, kleinräumige Massnahmen zu prüfen.» Eine Entlastung würde zudem durch den geplanten Anschluss ans Appenzellerland erfolgen.

Obwohl fast alle Plätze im Fürstenlandsaal besetzt waren, blieb eine Diskussion bis auf drei Wortmeldungen und einige Kopfschüttler aus. Das Fazit des Stadtapéros, «dass Gossau nun selber das Heft in die Hand nehmen müsse», löste kaum Emotionen aus – abgesehen von einer: Ruedi Blumer, Gossauer SP-Kantonsrat, sagte: «Es ist ein Grund zur Freude, dass wir nicht mehr Strassen bauen, sondern unser Verhalten ändern müssen. Es ist Zeit für andere Verkehrsmittel und Wege.»

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