GOSSAU: Vereine sind die Leidtragenden

Die 45jährige Küche im Ebnetsaal in Andwil soll erneuert werden. Da aber das Gossauer Stadtparlament die Kostenbeteiligung um 90 000 Franken reduzierte, steht das Projekt nun auf der Kippe.

Angelina Donati
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Oft sind Vereine auf die Kücheninfrastruktur angewiesen. Hier wurde im Ebnet-Saal das Pläuschlerfest gefeiert. (Bild: Ralph Ribi)

Oft sind Vereine auf die Kücheninfrastruktur angewiesen. Hier wurde im Ebnet-Saal das Pläuschlerfest gefeiert. (Bild: Ralph Ribi)

Es handle sich um eine «Abstrafung»: Bürgerliche Gossauer Parteien hätten dem Kürzungsantrag für den Ebnetsaal in Andwil zugestimmt, um den Andwilern eins auszuwischen, mutmasst die SP Gossau-Arnegg. Grund dafür dürfte die deutlich abgelehnte Vereinigung mit Gossau gewesen sein, vermutet SP-Fraktionspräsident Florian Kobler. Die Leidtragenden seien aber die Andwiler und Arnegger Vereine. Es sei der falsche Weg, den Frust auf ihrem Rücken auszutragen. Dieser Ansicht ist auch die Flig, die angibt, sich stets für die Vereine einzusetzen. «Gut möglich, dass die Kürzung vor dem Hintergrund der Vereinigung erfolgte», sagt Flig-Präsident Alfred Zahner.

Statt mit 140 000 Franken soll sich die Stadt Gossau jetzt mit 50 000 Franken an der Erneuerung der Küche und des Office des Ebnetsaals in Andwil beteiligen. Die Mehrheit der Parlamentarier stimmte diesem Antrag an der vergangenen Sitzung zu.

Möglichkeit, Baukosten neu zu berechnen
Es sei eine Frage der Interpretation, ob man es nun als «Abstrafung» sehen möchte. «Fakt ist, dass sich Andwil für die Eigenständigkeit ausgesprochen hat und daher auch Investitionen mehrheitlich tragen soll», gibt SVP-Fraktionspräsident Gallus Hälg zur Auskunft. Das Projekt sei ohnehin zu teuer. Mit dem gekürzten Beitrag von Gossau bestehe nun die Möglichkeit, das Vorhaben nochmals genau zu analysieren und auch die Baukosten neu zu berechnen.

Gesamthaft beläuft sich die Sanierung des Ebnetsaals auf 360 000 Franken. Auslöser ist die defekte Abluftanlage in der Küche, wie Ivan Furlan, Hochbauamtsleiter von Gossau, sagt. Aber auch die Küche selbst, die vor 45 Jahren erstellt worden ist, bedürfe einer Erneuerung. Nebst der Infrastruktur müsse auch in die Technik investiert werden.

Weil die besagte Küche auf Andwiler Boden steht, liegt es für die FDP Gossau-Arnegg «auf der Hand», dass Andwil die Investitionen zu tragen hat. Aber auch aus einem anderem Grund sei die Kürzung folgerichtig, wie FDP-Fraktionspräsident Felix Koller sagt: «In der gleichen Sitzung hat das Parlament einen Kreditantrag von 30 000 Franken für das Gossauer Marktstübli abgelehnt.»

Chancen des Projekts stehen schlecht
Noch bevor es zur Abstimmung kam, warnte Stadtpräsident Alex Brühwiler die Anwesenden. Ob und wie das Projekt nach einer solchen Kürzung realisiert werden kann, stehe offen. Wie sich nun zeigt, stehen die Chancen tatsächlich schlecht: Neben den 220 000 Franken müsste Andwil jetzt auch noch zusätzliche 90 000 Franken investieren. Einen Betrag, den die Gemeinde nicht aufbringen kann. «Den Entscheid des Gossauer Stadtparlaments hat der Gemeinderat mit Bedauern zur Kenntnis genommen», sagt der Andwiler Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Die neue Ausgangslage habe den Gemeinderat nun veranlasst, ebenfalls 50 000 Franken ins Budget aufzunehmen. «Mit insgesamt 100 000 Franken dürfte es aber schwierig werden, etwas auf die Beine zu stellen.» Zu einem späteren Zeitpunkt müsse das Thema daher nochmals mit Gossau und auch mit den Vereinen besprochen werden. Letztlich betreffe die Entscheidung nämlich das gemeinsame Vereinsleben der Andwiler und Arnegger, was äusserst schade sei.