GOSSAU: Unfalltod weckt angestaute Wut

Nach dem tödlichen Unfall in Gossau fordern Internetnutzer Lösungen für das Verkehrsproblem im Zentrum. Konkrete Massnahmen sind jedoch noch weit entfernt.

Noemi Heule
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Fast täglich staut sich der Verkehr rund um den Ochsenkreisel in Gossau. (Bild: Benjamin Manser)

Fast täglich staut sich der Verkehr rund um den Ochsenkreisel in Gossau. (Bild: Benjamin Manser)

Am Mittwoch ist eine 75-jährige Fussgängerin im Zentrum von Gossau tödlich verunfallt (Tagblatt von gestern). Sie wurde im Bereich des Fussgängerstreifens von einem Lastwagen erfasst, der den Ochsenkreisel in Richtung Zürich verliess. Der tragische Unfall bewegt. Online werden Lösungen gefordert: «Schafft endlich die unseeligen Fussgängerstreifen unmittelbar nach dem Kreisel ab», heisst es. Zwei Kommentatoren sind sich einig: «Eine Umfahrung wäre längst dringend nötig.» «Wie viele schwere Unfälle braucht es noch auf dieser schwerst befahrenen Strasse durch Wohngebiet?», fragt ein anonymer Nutzer auf  tagblatt.ch .

Rund um den Ochsenkreisel ereigneten sich in den letzten fünf Jahren neun Unfälle. Zwei Fussgänger verletzten sich schwer. Die Mehrheit davon machten aber Auffahr- oder Selbstunfälle aus. Gian Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei, sagt: «Es handelt sich nicht um einen Unfallschwerpunkt.»

Das Verkehrsaufkommen im Zentrum jedoch ist ein leidiges Thema, das Gossau seit Jahrzehnten beschäftigt. Rund 14000 Fahrzeuge fahren an einem durchschnittlichen Werktag von Herisau kommend ins Gossauer Zentrum, davon sind rund 600 Lastwagen. Fast 18000 Fahrzeuge rollen gleichzeitig über die St. Gallerstrasse,  die, neben der Autobahn, die einzige Durchfahrtsachse durch Gossau bildet.

Stadtpräsident Alex Brühwiler spricht von einer «unangenehmen Realität». Die Verkehrsbelastung im Zentrum sei ein Problem. Ein Grossteil davon sei aber «hausgemacht» – unter anderem von Gossauerinnen und Gossauern, die auch innerhalb der Stadt vorwiegend mit dem Auto unterwegs seien, statt sich, wo möglich und sinnvoll, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Velo oder zu Fuss fortzubewegen. Er fügt an: «Wir machen, was wir können.» Momentan gelte es, zusammen mit dem kantonalen Tiefbauamt erneut nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Das Amt wertet momentan erste Erkenntnisse einer Studie zur Entlastung der St. Gallerstrasse aus, die am Samstag beim Stadtapéro im Fürstenlandsaal zum ersten Mal präsentiert werden. Im April oder Mai werden sie sodann im Stadtrat behandelt. Der Kantonsrat stimmt im Herbst 2018 darüber ab, ob und in welchem Umfang das Begehren ins Strassenbauprogramm aufgenommen wird. Brühwiler geht davon aus, dass dies klappt und spricht von einem «Gerangel von Projekten und um Gelder». Kurzfristig jedoch, lasse sich die Situation nicht ändern.

«Weichen für Zukunft stellen»
Sascha Bundi, Referent beim Stadtapéro und Leiter der Abteilung Mobilität und Planung beim Tiefbauamt des Kantons, bestätigt: «Konkrete Bauabsichten werden wir am Samstag nicht präsentieren.» Vielmehr gehe es darum «bei der Suche nach dem optimierten Verkehrssystem einen Schritt weiter zu gehen und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen». Bis Ende März kann die Stadt beim Kanton ihre Begehren für das Infrastrukturprogramm des Kantons – dem sogenannten 17. Strassenbauprogramm – eingeben. «Wir sind nun daran, verschiedene Varianten zu erarbeiten», sagt er. Diese sind nicht neu: «Viele der Möglichkeiten waren bereits auf dem Tisch.»

Seit den 1990er-Jahren wurden acht Ansätze zur Entlastung der St. Gallerstrasse entwickelt, darunter eine Westumfahrung (1990), eine Lichtsignalkette (1992), eine Kernumfahrung mit Tunnel (1998), ein Einbahnsystem (2004), eine alternative Zentrumsquerung (2007) oder eine Westspange (2011). Sie alle fanden im Stadtparlament keine Mehrheit.