Gossau trotzt der Krise – noch

GOSSAU. Die Konjunkturaussichten für nächstes Jahr sind düster. Das verunsichert auch Gossauer Unternehmer, vor allem Fachgeschäfte blicken mit Sorge in die Zukunft. Insgesamt ist die Gossauer Wirtschaft laut Experten aber gut aufgestellt.

Rafael Rohner
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Bleibt Gossau auch ein Platz für Fachgeschäfte? Der starke Franken und der prognostizierte Wirtschaftsabschwung verunsichern. (Bild: Ralph Ribi)

Bleibt Gossau auch ein Platz für Fachgeschäfte? Der starke Franken und der prognostizierte Wirtschaftsabschwung verunsichern. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Viele Prognoseinstitute haben ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum 2012 in den vergangenen Monaten weiter nach unten korrigiert. Der Wirtschaftsverband Economiesuisse sieht die Schweiz gar am Rande einer Rezession. Was bedeutet das für Unternehmen in Gossau, wie stark sind sie von der Krise betroffen. Und wie sieht es im nächsten Jahr aus?

«Gossau ist in einer einigermassen glücklichen Situation», sagt Max Nadig, Leiter der Standortmarketingorganisation (SMO). In Gossau sei die Nahrungsmittelindustrie dominierend und diese sei wenig anfällig auf Konjunkturschwankungen. «Gegessen und getrunken wird immer», sagt Nadig. Anders sehe es bei exportorientierten Unternehmen oder bei den Fachgeschäften aus. Dort sei die Krise angekommen und der Preisdruck aus Deutschland deutlich spürbar.

Mangel an Fachkräften

Verhalten optimistisch ist auch Daniel Lehmann, Präsident des Gossauer Gewerbevereins. «Das Gossauer Gewerbe ist gut aufgestellt», sagt er. Die Aussichten seien nicht schlecht, da viele Firmen im Binnenmarkt tätig seien. Als ganzes müsse man die Situation aber differenziert betrachten. «Viele spüren den Preisdruck aus Deutschland», sagt auch er. Im Moment sei die Lage zwar noch gut, es herrsche aber Verunsicherung im Hinblick auf die Zukunft. Im Moment bestehe in Gossau jedoch eher ein Mangel an Fachkräften, als dass Arbeitslosigkeit ein Problem wäre.

Ein Blick auf die Gossauer Arbeitslosenquote bestätigt diesen Eindruck. Die Gossauer Quote liegt deutlich unter dem kantonalen und gesamtschweizerischen Durchschnitt (Grafik). In der Vergangenheit habe sich zudem gezeigt, dass die Arbeitslosenquote in Gossau auch in Krisenzeiten unterdurchschnittlich bleibe, sagt Max Nadig. Positiv ist auch die Entwicklung der Kurzarbeit in Gossau. Während im Jahr 2010 stellenweise über 300 Personen von Kurzarbeit betroffen waren, blieb die Zahl 2011 das ganze Jahr deutlich unter 100 Personen. Im vergangenen Oktober und November war gemäss Statistik der SMO niemand mehr von Kurzarbeit betroffen.

Fachgeschäfte stark unter Druck

Diese Zahlen sind erfreulich, in Stein gemeisselt sind sie indes nicht. Bei den Fachgeschäften jedenfalls ist man derzeit wenig zuversichtlich. «Dieses Jahr gab es einen Einbruch des Geschäftsgangs», sagt Bernhard Scherzinger, Präsident des Vereins Fachgeschäfte Gossau Andwil Arnegg. Scherzinger ist zugleich Geschäftsführer des Scherzinger Schlaf und Baby Centers in Gossau. «Viele Fachgeschäfte haben aufgrund des Drucks aus dem Ausland die Preise gesenkt», sagt Scherzinger. Langfristig sei der jetzige Zustand für viele aber kaum tragbar. «Es ist für uns problematisch, dass so viele Leute im Internet oder im Ausland einkaufen.» Wenn es nicht bald eine Erholung gebe, werde sich die Lage verschärfen. Erschwerend hinzu komme im Frühsommer 2012 die Neugestaltung des Gossauer Stadtzentrums. Fachgeschäfte befürchten aufgrund der Bautätigkeit vor ihren Geschäften zusätzliche Umsatzeinbussen. «Wenn sich die schlechte Wirtschaftslage noch mit anderen Ereignissen kumuliert, dann kann es schon an das Lebendige gehen», sagt Scherzinger. Ein Vorteil seien im Moment aber die Vielfältigkeit und die Flexibilität der Fachgeschäfte.

Besser sind die Aussichten in der Industrie. Roman Aepli, Geschäftsführer der Aepli Metallbau AG, kann jedenfalls einen guten Bestellungseingang vermelden. «Wir haben nach wie vor Vollbeschäftigung», sagt er. Den Druck aus dem Ausland spüre aber auch er. «Die Margen sind kleiner geworden», sagt Aepli. Langfristig sei der jetzige Eurokurs zu tief. Einen Vorteil sieht Aepli dennoch. Für Investitionen sei der Zeitpunkt günstig. Das sieht Daniel Lehmann, Geschäftsführer der Lehmann Arnegg AG ähnlich: Die Margen seien tief, das Klima für Investitionen relativ gut.