Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GOSSAU: «Tod hat an Schrecken verloren»

Bei Unfällen, Todesfällen oder Verbrechen ist die Psychologische Erste Hilfe sofort vor Ort, um ­Betroffene zu unterstützen. Urs Kuster ist neu im Care-Team mit dabei. Erfahrung mit Krisensituationen hat er genug.
Noemi Heule
Urs Kuster in seinem Büro im Dachstock des Pfarreiheims. Immer im Blick sind die Bilder seiner Reisen. (Bild: Ralph Ribi)

Urs Kuster in seinem Büro im Dachstock des Pfarreiheims. Immer im Blick sind die Bilder seiner Reisen. (Bild: Ralph Ribi)

In seinem Leben gehören Krisen dazu. Im Arbeitsalltag genauso wie in der Freizeit. Urs Kuster ist für andere da, und das fast rund um die Uhr: als Seelsorger in der katholischen Kirche Gossau, in der Armee oder als Mitglied der Psychologischen Ersten Hilfe. Dennoch sagt er: «Krisen dominieren mein Leben nicht.»

Sein Büro im Dachstock des Pfarrhauses teilt er mit dem Goldenretriever-Welpen Xara. Die Hündin springt Besuchern entgegen, streicht ihnen um die Beine, springt hoch oder schnappt nach der Jacke. Sie will nur eines: Aufmerksamkeit. Sie ist damit genau das, was ihr Halter nicht ist. Denn der 35-Jährige stellt andere in den Mittelpunkt; er fordert ihn nicht selber ein.

Trauerarbeit und ­Sterbebegleitung

In der Pfarrei ist Kuster als Seelsorger Ansprechperson bei Todesfällen. Er begleitet Hinterbliebene in ihrer Trauer oder Sterbende bis ans Lebensende. «Der Tod hat an Schrecken verloren.» Zurück blieb das Wissen, dass er jederzeit zuschlagen kann.

Schlägt der Tod ganz plötzlich zu – bei Unfällen, Verbrechen oder plötzlichen Todesfällen – wird mit dem Notruf auch die Psychologische Erste Hilfe alarmiert. Vor Ort kümmert sie sich um Angehörige, bis sie sich wieder allein im Alltag zurechtfinden. Gelingt dies nicht innerhalb einer gewissen Zeit, werden weitere Fachleute eingeschaltet. Ein Team aus Freiwilligen ist rund um die Uhr in Bereitschaft. Auch Neumitglied Kuster war bereits auf Pikett. Ausrücken musste er jedoch noch nicht. Zumindest nicht für das Care-Team.

In Alarmbereitschaft ist Kuster auch für die Armee, wo er als Seelsorger in Krisensituationen einspringt. Besonders zu Beginn des Militärdienstes ist er gefragt: «Die Sorgen der Rekruten reichen von Heimweh, über Schlafstörungen bis hin zu Suizidgedanken oder Psychosen», sagt er. Vor Ort gilt es schnell zu entscheiden: Braucht der Betroffene ärztlichen Rat oder reicht ein Gespräch? Auch hier ist das Ziel, dass sich der Hilfesuchende selbst zu helfen lernt. «Ich bin kein Weltretter», sagt Kuster. Vielmehr leistet er Anschubhilfe und zeigt Strategien auf, mit Krisen umzugehen.

Von der Kirche auf den Waffenplatz

Zwischen dem Amt in der Armee und jenem in der Kirche sieht er keinen Widerspruch. «Im Mittelpunkt steht immer der Mensch», sagt er. «Und jeder Mensch hat das Recht auf Unterstützung.» Auch wenn er Gewalt ablehne, kann er seine Aufgabe als Armeeseelsorger wahrnehmen; die Institution rücke in den Hintergrund. Ähnlich die Religion: «Ich missioniere nicht», sagt er. Religion sei für ihn persönlich wichtig, als Anker- und Orientierungspunkt, nach deren Wertvorstellungen er sein Handeln richte.

Denn auch wenn Krisen zum Alltag gehören, Routine sind sie nie. «Bei jedem Alarm schiesst der Puls in die Höhe», sagt er. Und Tragödien gehen auch am Profi nicht spurlos vorbei. «Es wäre eine Lüge zu sagen, dass mich alles kalt lässt», sagt er. Strategien helfen ihm, damit umzugehen. Etwa die Kleidung: An Beerdigungen trägt er Anzug, in der Armee die Uniform. «Das ist wie ein Schutzpanzer». Zu Hause legt er den Panzer ab – sein Ritual zur Selbstsorge.

Distanz gewinnt er auf Reisen: Fotos in seinem Büro zeugen davon. Sie alle sind in die Weite gerichtet: Polargebiete, Wüsten, Küstenstreifen. Im Alltag dagegen ist der Kalender dicht gedrängt. Es sei schwierig, alle Aufgaben aneinander vorbeizubringen, sagt Kuster, der nebenbei eine psychologische Zusatzausbildung macht. Braucht er selbst jemanden, um Sorgen abzuladen oder Stress abzubauen, tauscht er sich mit seiner Partnerin aus, die in der psychosozialen Beratung tätig ist. Auch Hündin Xara fange vieles auf – «ganz ohne psychologische Ausbildung».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.