Gossau sucht seine Mitte

Gossauer sollen bald Antworten auf zwei wichtige Fragen erhalten. Nämlich, wie die St. Gallerstrasse entlastet werden kann und wo zukünftig das Stadtzentrum sein soll. Vertreter aus Politik und Wirtschaft dürfen von Anfang an mitreden.

Sebastian Schneider
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Legende (Bild:)

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GOSSAU. Ist der historisch gewachsene Stadtkern angesichts des grossen Verkehrsaufkommens auf der St. Gallerstrasse das richtige Zentrum für Gossau? Diese Frage will die Stadt Gossau in den nächsten Monaten klären. Ausgangspunkt ist die Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts, das Mitte 2016 dem Parlament vorgelegt wird. Die Überlegung, ob das Gossauer Zentrum nicht besser ins Gebiet Bahnhof bis Marktplatz gerückt werden soll, ist eng verknüpft mit der Verkehrssituation in Gossau. Darum will die Stadt im Austausch stehen mit dem kantonalen Tiefbauamt, das daran ist, Entlastungsmassnahmen für die St. Gallerstrasse zu prüfen. Auch Politiker, Vertreter aller fünf Fraktionen des Stadtparlaments, der Gewerbeverein, die Fachgeschäfte Gossau sowie die Handels- und Industrievereinigung sind im Entwicklungsprozess eingebunden. Vergangene Woche haben sich die Beteiligten zu einem ersten Workshop getroffen. Zur Besprechung der Ausgangslage ist auch Willi Braun von der Interessengruppe Langfristverkehr erschienen.

Von Anfang an alle einbeziehen

Seit Jahren brüten Gossauerinnen und Gossauer über Ideen, wie die St. Gallerstrasse entlastet werden kann. Auch Willi Braun brachte mit der Entlastungsstrasse Nord einen Vorschlag ein. Mit seiner Volksmotion biss er jedoch auf Granit.

Brauns Idee sowie 13 weitere Varianten liess die Stadt Gossau im Jahr 2012 durch ein externes Büro prüfen. Unter den fünf Lösungsansätzen, die gemäss dem Gutachten weiterverfolgt werden könnten, war Brauns Idee nicht. Doch auch die prüfenswerten Lösungsansätze konnten sich bis heute nicht durchsetzen. «Die Stadt wurde in diesem Zusammenhang kritisiert, sie lasse Politiker und Wirtschaftsvertreter nicht mitreden», sagt Urs Salzmann, Pressesprecher der Stadt Gossau. Deshalb binde man in diesem Anlauf wichtige Vertreter frühzeitig ein: Braun, die Politiker und die Wirtschaftsvertreter bilden die Spurgruppe.

Dank der Zusammenarbeit mit dem kantonalen Tiefbauamt sei die Entwicklung noch breiter abgestützt. Und so würden die Fragen von Stadtentwicklung und Verkehr aufeinander abgestimmt. Dass ein kantonales und ein kommunales Planungsprojekt gleichzeitig bearbeitet wird, ist ein glücklicher Zufall der politischen Agenda. Im Juli 2013 hatte das Gossauer Stadtparlament 500 000 Franken zur Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts sowie des Richtplans gesprochen; im September beschloss der Kantonsrat, der Entlastung der St. Gallerstrasse höchste Priorität während der Jahre 2014 bis 2018 einzuräumen.

Zentrum mit wenig Verkehr

Welche Variante zur Entlastung der St. Gallerstrasse durchkommt, ist völlig offen. Vielleicht lässt sich laut Salzmann die Verkehrslast besser verteilen, vielleicht brauche es tatsächlich eine Entlastungsstrasse. Dem Kanton liegen die alten Lösungsansätze jedenfalls sauber aufbereitet vor.

Im November werden sich Kanton, Stadt, das Ingenieurunternehmen Ernst Basler und Partner sowie die Spurgruppe nochmals treffen. «Dann sollen die Ziele definiert werden», sagt Salzmann. Bei dieser Zusammenkunft könnten die Meinungen erstmals weiter auseinander gehen. Einzig sei bereits von vielen Seiten betont worden, dass das Gossauer Zentrum verkehrsarm sein soll – unabhängig davon, wo es sich dereinst befinden wird.

Das Gossauer Stadtzentrum, heute stellt es der historische Stadtkern dar, könnte zur Poststrasse in Richtung Bahnhofstrasse verlagert werden. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Das Gossauer Stadtzentrum, heute stellt es der historische Stadtkern dar, könnte zur Poststrasse in Richtung Bahnhofstrasse verlagert werden. (Bilder: Hanspeter Schiess)