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GOSSAU: Stadt soll Lohngefälle ausgleichen

Der Stadtrat soll Stellung beziehen zum Thema Lohngleichheit. Das fordert eine Interpellation. Dasselbe Anliegen lag bereits in Wil und St. Gallen auf dem Tisch. Mit unterschiedlichem Ausgang.
Noemi Heule
Noch immer erhalten Frauen im Schweizer Schnitt rund 600 Franken weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. (Bild: pd)

Noch immer erhalten Frauen im Schweizer Schnitt rund 600 Franken weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. (Bild: pd)

Monika Gähwiler-Brändle kann sich noch gut erinnern an den Tag, als vor 37 Jahren Artikel 8 der Bundesverfassung um einen Zusatz reicher wurde. «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit», heisst es seither. 1995 folgte das Bundesgesetz. Passiert aber ist wenig. Noch immer verdienen Frauen im Schweizer Schnitt fast einen Fünftel weniger als Männer. «Die Gesetze sind da», sagt Gähwiler. Und fügt an: «Es ist stossend, dass sie noch nicht umgesetzt sind.» Dies will sie vorantreiben. Zumindest in Gossau. Immerhin in der Verwaltung.

In einer Interpellation richtet die SP-Parlamentarierin Fragen zum Thema Lohngleichheit an den Stadtrat. Konkret geht es um die «Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor», die Bundesrat Alain Berset 2016 lancierte. Wer sie unterzeichnet – Bund, Kantone und Gemeinden – bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Lohngleichheit von Mann und Frau regelmässig zu prüfen. Sowohl innerhalb der Verwaltung als auch bei Unternehmen, die von der öffentlichen Hand Aufträge erhalten.

Seither haben das Papier der Bund, 13 Kantone und 26 Gemeinden unterschrieben. Gossau gehört nicht dazu. Weshalb nicht? Und: Wie steht der Stadtrat zu einem Charta-Beitritt? Das fragt Gähwiler in ihrer Interpellation. Zudem will sie wissen, ob der Stadtrat bereit ist, bis Mitte 2018 einen Umsetzungsplan für die nächsten drei Jahre vorzulegen und über die jährlichen Fortschritte zu berichten. 18 Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier von links bis rechts haben das Dokument mitunterzeichnet.

Wil ist Vorreiter, St. Gallen unentschlossen

Gossau ist nicht die einzige Gemeinde im Kanton, die der Charta nicht beigetreten ist. Im Gegenteil, die Liste der Mitglieder ist kurz: Einzig der Kanton selbst und die Stadt Wil haben sich verpflichtet. «Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir Männern und Frauen für die gleiche Arbeit die gleichen Löhne zahlen», sagte Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin von Wil, gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Der administrative Aufwand habe sich für die Verwaltung in Grenzen gehalten, sagt sie.

Genau diesen Aufwand will St. Gallen vor einem möglichen Beitritt prüfen, wie der Stadtrat im Oktober mitteilte. Eine Interpellation hatte den Rat mit derselben Frage konfrontiert, die nun in Gossau im Raum steht. Weshalb ist die Stadt der Charta noch nicht beigetreten? Der Stadtrat schliesse einen Beitritt nicht aus, hiess es. Schliesslich sei die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand unbestritten. Zuerst allerdings sollten Aufwand und Nutzen analysiert werden. Falls diese positiv ausfalle, sei ein Beitritt bis Mitte 2018 möglich. Der Zeitplan ist weiterhin aktuell, wie Ernst Wälter, Leiter des Personaldienstes, sagt. Momentan sei die Aufwand-Nutzen-Analyse im Gange. Anschliessend geht das Anliegen zurück an den Rat.

Auch Gossau soll ein Zeichen setzen

Die Vorreiterrolle ist auch für Monika Gähwiler zentral. Die Öffentlichkeit, in diesem Fall die Stadt Gossau, soll mit gutem Beispiel voranschreiten. Immerhin stelle die öffentliche Hand gesamtschweizerisch fast 0,6 Millionen Vollzeitstellen. Zwar habe die Charta keine verbindliche Rechtswirkung, sagt sie, «es wäre aber ein starkes Zeichen seitens der Stadt.» Dass die Interpellation zum richtigen Zeitpunkt kommt, darin wurde Monika Gähwiler während der Vorbereitungen bestätigt, wie sie sagt. Nämlich, als der Ständerat vor rund zwei Wochen eine Gesetzesvorlage gegen die Lohndiskriminierung zurückwies. Sie hätte grosse Unternehmen zu regelmässigen Lonhgleichheitsanalysen verpflichten sollen.

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