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GOSSAU: Schwierige Suche nach einem Platz für die alte Stickmaschine

In Hans Bürklers Haus befindet sich mit der Schifflistickmaschine ein Stück Zeitgeschichte. Ein Plätzchen in einem Museum für das lange, schwere Stück zu finden, scheint nicht ganz einfach.
Sebastian Schneider
Ein Herz und eine Maschine: Hans Bürkler vor seiner Stickmaschine.

Ein Herz und eine Maschine: Hans Bürkler vor seiner Stickmaschine.

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

In tausenden von Arbeitsstunden hat Hans Bürkler Millionen von Stichen mit ihr ausgeführt. 66 Jahre lang waren er und die 106-jährige Schifflistickmaschine Kollegen. Bürkler hängt heute noch an ihr und erinnert sich gerne an all die Momente im Leben als Lohnsticker. Niemals würde der 86-Jährige die Saurer-Maschine mit Jahrgang 1911 einfach so hergeben. «Solange ich lebe, bleibt sie hier», hat Bürkler kürzlich im «Tagblatt» gesagt (Ausgabe vom 27. Dezember). Das mechanische Meisterwerk steht im Familienhaus der Bürklers im Stickereidörfli in der Schönau. Die Nachbarn von Hans Bürkler waren Lohnsticker wie er, doch er ist der einzige, der die Maschine bis heute behalten hat. Und so ist sie die letzte Schifflistickmaschine im ganzen Dorf. Für viele ist die Maschine eindeutig ein Fall für ein Museum. Hans Bürkler würde die Maschine auch stiften, sollte sie tatsächlich ausgestellt werden.

An einem Ort zu schwer, woanders zu lang

Auf den «Tagblatt»-Artikel Ende Dezember habe er viele mündliche und schriftliche Reaktionen erhalten, sagt Hans Bürkler. Auch ein Anruf eines Museums sei bei ihm eingegangen. Eine Dame der Museums-Spinnerei Neuthal bei Wald im Kanton Zürich habe Interesse signalisiert. Allerdings habe er nach dem Anruf nichts mehr von ihr gehört.

Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
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Der Schifflisticker aus Gossau

Natürlich gibt es auch in der näheren Umgebung Museen, die für die Schifflistickmaschine in Fragen kämen. So etwa das Textilmuseum Sorntal in Niederbüren. Das Museum, das 2010 ins Schweizerische Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgenommen wurde, ist das Lebenswerk von Gottlob Lutz, dem ehemaligen Direktor der früheren Hauptwiler Textilfirma Zetag AG. In seinem Museum hat Lutz auch eine Handstickmaschine ausgestellt – Bürklers Schifflistickmaschine wäre also eine passende Ergänzung. Doch Lutz winkt auf Anfrage ab. «Die Maschine ist für unser altes Museumshaus viel zu schwer», sagt er. Die Stickerabteilung sei im ersten Stock, der Querbalken würde die acht Tonnen schwere Maschine Bürklers nie und nimmer tragen.

Auch das Textilmuseum St. Gallen hat eine Handstickmaschine ausgestellt. Am Donnerstag- und Freitagnachmittag wird dort, wo Bürkler 1949 die Stickerschule absolvierte, die Maschine in Aktion vorgeführt. Allerdings ist die Handmaschine nur 2,25 Meter lang. Hans Bürklers Schwergewicht ist über neun Meter lang, was zum Problem wird. Museumsdirektorin Barbara Karl hat die Maschine in der Zeitung gesehen und stellte auf den ersten Blick fest: «Die Maschine ist für uns zu gross.» Man müsste einen Umbau vornehmen, um genug Platz schaffen zu können, sagt Barbara Karl. Am Interesse liege es ja nicht: «Die Maschine ist ein tolles Stück, wir hätten es gerne.»

Bewegt sich die Politik?

Eigentlich, so zumindest steht es im Kulturkonzept von 2008, hat sich der Stadtrat vorgenommen, «lokalpolitisch wichtige» Objekte zu erwerben. Das Gremium habe sich mit Bürklers Schifflistickmaschine allerdings noch nicht auseinandergesetzt, heisst es bei der Stadtkanzlei. Kurzfristig sei zu diesem Thema darum keine Stellungnahme einzuholen. Anders sieht es bei Stadtparlamentarierin Monika Gähwiler-Brändle aus. Es sei ihr ein grosses Anliegen, für die Stickmaschine eine «nachhaltige» Lösung zu finden. Sie sei daran, verschiedene Abklärungen zu treffen; mehr könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Gähwiler und Bürkler, die wegen der Maschine miteinander in Kontakt stehen, teilen die gleichen Bedenken. Abgesehen von einem geeigneten Ausstellungsraum – natürlich am liebsten in Gossau – fragen sich beide, ob es überhaupt noch einen Mechaniker gebe, der fähig wäre, die Maschine zu zerlegen, aufzubauen und dann wieder in Betrieb zu nehmen.

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