GOSSAU: Saalmiete ruiniert Vereine

Vereine können die Gebühren für den Fürstenlandsaal oft nur schwer aufbringen. In einer Interpellation verlangen nun nahezu alle Stadtparlamentarier Massnahmen.

Angelina Donati
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Zahlreiche Vereine sind wegen ihrer Grösse auf den Fürstenlandsaal angewiesen. (Bild: Samuel Schalch (24. Oktober 2016))

Zahlreiche Vereine sind wegen ihrer Grösse auf den Fürstenlandsaal angewiesen. (Bild: Samuel Schalch (24. Oktober 2016))

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Wenn Vereine den Fürstenlandsaal benutzen, leert sich ihre ­Kasse rasch: «Satte 27 Prozent der Einnahmen knüpft die Stadt Gossau dem Jahrgängerverein 1941 bis 1950 ab, der dreimal im Jahr den Fürstenlandsaal mietet»: Das rechnet Flig-Parteipräsident Alfred Zahner dem Stadtrat in einer Interpellation vor. Der Betrag aller drei Veranstaltungen von 4100 Franken für Saalmiete, Infrastruktur und Reinigung stehe in keinem Verhältnis zu den Einnahmen, die der Verein durch seine Mitgliederbeiträge generiere. Für die Durchführung dieser Grossanlässe würden ausserdem 20 Freiwillige während Stunden kostenlos arbeiten.

Die hohen Gebühren des Fürstenlandsaals sorgen bei den Vereinen schon seit der Eröffnung für Zündstoff. Nun aber ist die Diskussion neu entfacht. Nicht zuletzt der neuen Sportanlagen wegen, die in den nächsten Jahren geplant sind, wie Alfred Zahner sagt. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass Sportvereine regelmässig in Sporthallen kostengünstig trainieren dürfen, aber alle anderen Vereine für ihre Versammlungen hohe Mietgebühren zahlen müssen.»

Stadtrat möchte keine kostenlose Benützung

Die eingereichte Interpellation ziele allerdings nicht darauf ab, die Kosten für Sportvereine zu erhöhen, betont Zahner. Vielmehr möchten er und 27 Mitunterzeichnende auf den Missstand aufmerksam machen und verlangen vom Gossauer Stadtrat Antworten und konkrete Vorschläge. Die Stadtparlamentarier beziehen sich dabei auf einen Bericht zur Volksabstimmung 1994. Darin wird festgehalten, dass ein Gemeindesaal den Vereinen für die Durchführung von Anlässen diene und somit das kulturelle und gesellschaftliche Leben fördere. Über sehr hohe Zahlungen durch die Vereine für Benützung, Nebenkosten sowie Eigenleistungen wie WC-Reinigen stehe hingegen nichts. «Diese Situation ist unbefriedigend», sagt Zahner. Schliesslich sei der Fürstenlandsaal für Gossau gebaut, mit Steuergeldern bezahlt und mittlerweile abgeschrieben. Auch seien zahlreiche Vereine wegen ihrer Grösse auf den Saal angewiesen.

Der Vorschlag Zahners, jedem Verein einmal im Jahr einen Saal in angemessener Grösse kostenlos zur Verfügung zu stellen, stiess beim Stadtrat auf kein Interesse. «Er befürchtet Mehraufwand für das Facility Management und lehnte die Idee darum ab», sagt Zahner. Als weiterer Grund werde angegeben, dass dann der Fürstenlandsaal von sehr vielen Vereinen gemietet werde, wodurch es zu terminlichen Engpässen kommen würde. Zahner hingegen sieht dabei sogar eine bessere Auslastung bei anderen Räumen, etwa beim Marktstübli.

In der Interpellation möchten die Stadtparlamentarier nun wissen, wie der Stadtrat die Benützung der städtischen Anlagen für die Vereine finanziell attraktiver gestalten möchte. Und was genau gegen die jährlich einmalige Benützung eines Raumes spricht und ob der Stadtrat bereit sei, die Gebührenordnung für lokale Vereine anzupassen. Generell wird gefragt, wie der Stadtrat die Rolle der Vereine ausserhalb des Sports beurteilt.