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GOSSAU: Nasa-Forscher: "E.T. werden wir nicht finden"

Florian Kehl arbeitet als Postdoktorand bei der Nasa. Sein Team sucht ausserirdisches Leben auf weit entlegenen Monden.
Adrian Lemmenmeier
Sucht nach ausserirdischem Leben: Nasa-Mitarbeiter Florian Kehl. (Bild: Michel Canonica)

Sucht nach ausserirdischem Leben: Nasa-Mitarbeiter Florian Kehl. (Bild: Michel Canonica)

In der Primarschule bastelte der Buchser Florian Kehl Modell-Raketen. Heute, mit 33, will er auf fernen Planeten ausserirdisches Leben finden, zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Bausteine extraterrestrischer Biomasse analysieren. Auf dem Mars, auf dem Jupitermond Europa oder auf Enceladus – einem Trabanten des Planeten Saturn.

«Bei der NASA zu arbeiten war sicher ein Kindheitstraum», sagt Kehl beim Kaffee im Gossauer Werk 1. Ein Traum, den sich Kehl erfüllte: Er studierte Nanophysik an der Universität Basel, für seine Masterarbeit konstruierte er kleine Raketen. Später doktorierte er an der ETH. Seine Dissertation dreht sich um biochemische Sensoren, die Moleküle im Wasser finden.

Jetzt macht Kehl einen Postdoc am «Jet Propulsion Laboratory» (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Das Forschungsgelände, auf dem er arbeitet, liegt im kalifornischen Pasadena, zwischen den San Gabriel Mountains und dem Pazifik. «Es ist doppelt so gross wie das Disneyland», sagt Kehl. Gut 6000 Leute arbeiten dort. Wenn ihn seine Frau bei der Arbeit besuchen will, muss Florian Kehl Wochen zuvor einen Besucherschein beantragen. Sicherheitsvorschriften.

Verständlich. Forscht doch hier die Crème de la Crème der Raumfahrt an Projekten, welche die Vorstellungskraft des Laien mindestens herausfordern. In einem solchen Projekt arbeitet auch Kehl: In einem kleinen Team unter der Leitung des Forschers Peter A. Willis entwickelt er Geräte, die auf fremden Planeten nach fremdem Leben suchen. «E.T. werden wir nicht finden», sagt Kehl. «Aber vielleicht Moleküle, die auf ausserirdisches Leben hinweisen.»

Konkret geht es um Aminosäuren. Sie sind für den Beginn jeglichen bekannten Lebens entscheidend, denn sie sind die Grundbausteine von Proteinen. Diese wiederum sind wichtige Bestandteile aller Zellen – jener der Pflanzen, der Tiere, des Menschen. «Leben, das wir kennen, basiert letztlich auf 20 Aminosäuren», sagt Kehl in seinem Vortrag, den er vor gut 120 Leuten im Werk 1 hält – auf Einladung des Gossauer Weltraumexperten Men J. Schmidt.

Kehl und seine Kollegen hoffen, Aminosäuren auf fremden Planeten zu finden. Das allein wäre aber nicht bahnbrechend. «Bereits während der Rosetta-Mission 2014 hat man Aminosäuren auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko gefunden.» Diese Aminosäuren waren jedoch nicht durch biotische Prozesse – Vorgänge, an denen Lebewesen beteiligt sind – entstanden. Feststellen lässt sich dies anhand der Verteilung, mit der die Aminosäuren auftreten. «Aminosäuren haben zwei unterschiedliche, spiegelbildliche Molekülformen», sagt Kehl. «Wie bei unseren Händen gibt es eine linke und eine rechte Variante.» Aminosäuren, die biotisch auf der Erde entstanden seien, würden zu ungefähr 90 Prozent als «linkes» Molekül auftreten. Bei Molekülen, deren Ursprung nicht auf Lebewesen zurückzuführen sei, sei die Verteilung etwa 50:50.

«Der Jackpot wäre also, wenn wir eine Verteilung finden würden, die biotisch und nicht irdisch ist», sagt Kehl. Würde man dieselbe Molekülverteilung wie auf der Erde finden, hiesse es schnell: «Ein Mechaniker hat wohl beim Einpacken des Roboters auf den Sensor geniest.» Damit keine Mikroorganismen auf fremde Planeten gelangen, werden die Geräte penibel sterilisiert, bevor sie die Erde verlassen.

Wohin aber geht die Reise? Wo soll man nach ausserirdischem Leben suchen? Lange sei man davon ausgegangen, dass Leben in unserem Sonnensystem nur auf Planeten möglich sei, welche sich in optimaler Distanz zur Sonne befänden, sagt Kehl. In dieser «habitablen Zone» sei Wasser im Dauerzustand flüssig und ermögliche deshalb Leben, das jenem auf der Erde gleiche. Der Mars, auf dem man bereits Wasserspuren entdeckt hat, befindet sich am Rand dieser Zone. Mittlerweile sei aber klar, dass in viel grösserer Distanz zur Sonne ähnliche Bedingungen herrschten. Etwa auf Enceladus oder Europa. Auf diesen beiden Monden gibt es sogar mehr Wasser als auf der Erde: Riesige Ozeane unter einer kilometerdicken Eisschicht.

Wasserfontänen schiessen am südlichen Pol des Saturnmondes Enceladus ins All. (Bild: AP NASA)

Wasserfontänen schiessen am südlichen Pol des Saturnmondes Enceladus ins All. (Bild: AP NASA)


Wie ist das möglich? Woher kommt Wärme, soweit weg von der Sonne? Sie entsteht wegen der Umlaufbahn der beiden Monde ihrer Mutterplaneten Jupiter und Saturn. Die riesigen Planeten ziehen die Massen ihrer Monde zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich stark an. «Wie der Mond das Wasser bei Ebbe und Flut auf der Erde.» Dadurch wird der Kern der Planeten durchgeknetet, und die Reibung erzeugt Wärme. Man nimmt an, dass diese Wärme über hydrothermale Öffnungen am Meeresgrund in die Ozeane gelangt. Auf dem Saturnmond Enceladus stösst die Hitze gar durch die Eisschicht an der Oberfläche. 2015 hat die Raumsonde «Cassini» Bilder von Dampffontänen festgehalten, die durch Enceladus’ Eiskruste ins All schiessen.

Deshalb wird spekuliert, dass sich am Grund solcher Eismeere etwas Ähnliches befindet wie Korallen. Dass dort Leben existiert, das ohne Fotosynthese möglich ist – wie etwa in den Tiefen unserer Ozeane. Und die Bausteine solchen Lebens will das Team, in dem Kehl arbeitet, finden – im Wasser oder in Gesteinsproben. «2024 gibt es voraussichtlich eine Mission, bei der ein Roboter auf Europa landet», sagt Kehl. Das Ziel ist, dass die Instrumente zur Analyse der Aminosäuren mit an Bord gehen. Derzeit testen die Wissenschaftler ihre Geräte in Umgebungen, die jenen auf fernen Planeten gleichen: In der chilenischen Atacama-Wüste oder im Eis Alaskas.

Und wie sieht Florian Kehl die Chancen, auf ausserirdisches Leben zu stossen? Er persönlich sei «ziemlich sicher», dass es irgendwo ausserirdisches Leben gebe, sagt der 33-Jährige. «Man weiss von etwa hundert Milliarden Galaxien. Diese haben ungefähr hundert Milliarden Sonnen, um die im Schnitt mindestens ein Planet kreist.» Rein rechnerisch wäre es also schlicht «egozentrisch», anzunehmen, dass wir die Einzigen sind.

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