GOSSAU: «Nachfolger ist sowieso gefordert»

Bis das neue Stadtratsmitglied für das Baudepartement gewählt ist, übernimmt Gaby Krapf die Aufgaben interimistisch. Der ehemaligen Lehrerin ist es wichtig, dass nichts liegen bleibt.

Angelina Donati
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Die Gossauer Stadträtin Gaby Krapf springt ein. (Bild: Ralph Ribi)

Die Gossauer Stadträtin Gaby Krapf springt ein. (Bild: Ralph Ribi)

Die Aufgaben von Stadtrat Stefan Lenherr (CVP) übernimmt seine Kollegin Gaby Krapf (FDP). Lenherr legte sein Amt per Ende April mit der Begründung seiner anspruchsvollen Tätigkeit als selbstständiger Baufachmann nieder. Für Gaby Krapf, die Vorsteherin des Departements Versorgung und Sicherheit, ist es nicht neu, dass sie zur Bauchefin befördert wird. Das gleiche Szenario hat es schon mal gegeben.

Gaby Krapf, stand schnell fest, dass Sie grösstenteils die Vertretung von Stefan Lenherr machen werden, oder gab es lange Diskussionen?

Die Stadtratssitzung spielte sich relativ zügig ab. Denn eigentlich lag die Verteilung ja auf der Hand. Urs Blaser hatte bei seinem Amtseintritt als St. Galler Erziehungsrat sein 100-Prozent-Pensum bereits auf 90 reduziert und verfügt darum nicht über die nötigen Kapazitäten. Und für ­Helen Alder, die gerade mal vier Monate als Stadträtin amtet, würde es weiteres Neuland bedeuten. Ausserdem habe ich die Stellvertretung des Departements Bau, Umwelt, Verkehr inne und übernahm die Aufgaben bereits vor Stefan Lenherrs Wahl interimistisch. Auch damals lösten wir es genau gleich: Stadtpräsident Alex Brühwiler nimmt sich vorübergehend des Tiefbaus an, und ich leite den Hochbau.

Lässt sich denn die Mehr­belastung mit Ihrem Beruf vereinbaren?

Meine 30-Prozent-Stelle als Lehrerin an einem Untergymnasium habe ich auf Beginn des vergangenen Schuljahres aufgegeben. Die neugewonnene Zeit nutze ich nun für mich und meine Hobbys, gehe spontan Ski fahren und kann mich noch mehr meiner Mutter annehmen. So gesehen ist diese Fügung ideal. Mein 55-Prozent-Pensum als Stadträtin und die neuen Aufgaben von etwa 20 Prozent lassen sich gut miteinander vereinbaren.

Mit dieser neuen Zuständigkeit kommt hinzu, dass Sie ab sofort Präsidentin der Baukommission sind.

Genau, ja. Auch bei diesem Bereich hatte ich bislang das Vizepräsidium inne. Neues Kommissionsmitglied ist nun auch Stadträtin Helen Alder. Dem Stadtrat war es ein Anliegen, dass weiterhin zwei unserer Mitglieder vertreten sind.

Gibt es Aufgaben im Baudepartement, die besonderes Augenmerk brauchen?

Die wichtigste Aufgabe ist wohl der Masterplan Sportanlagen. Die Vorlage ist schon weit fortgeschritten, das heisst, in rund einem Monat wird der Stadtrat sie verabschieden können. Ziel ist es, diese erfolgreich vor die Stimmbürger zu bringen. Und auch die Sanierung des Schulhauses Rosenau steht kurz bevor. Das Projekt wurde sehr sorgfältig aufgegleist. Im Allgemeinen habe ich von Stefan Lenherr alles geordnet erhalten und habe nicht den Eindruck, dass sich etwas angestaut hat. Wichtig ist jetzt aber, dass auch während der Übergangszeit keine wesentlichen Arbeiten liegen bleiben.

Dann übernimmt der Nachfolger oder die Nachfolgerin also saubere Dossiers?

Natürlich ist jeder, der das Amt neu übernimmt, gefordert. So erging es auch mir, als ich mich vor neun Jahren in die Themen Energie und Sicherheit eingearbeitet hatte. Hineinknien muss man sich so oder so. Was man nicht vergessen darf, sind die vielen versierten Mitarbeiter in der Verwaltung, die unterstützend zur Seite stehen. Ihre Türen stehen stets offen.

Die SVP hatte einst vorgeschlagen, die Stadtratsmitglieder wieder von fünf auf sieben zu erhöhen. Wäre das sinnvoll, besonders eben auch, wenn Stellvertretungen geregelt werden müssen?

Diese Idee könnte man durchaus nochmals seriös prüfen und eine Auslegeordnung machen. Wenn, dann wäre eine Änderung allerdings erst ab der nächsten Legislatur in Betracht zu ziehen. Das Problem bei der Überbrückung wird aber nicht unbedingt kleiner. Denn auch Stadträte mit einem 50-Prozent-Pensum müssten nebenbei ja noch einer Arbeit nachgehen können. Die Kunst besteht darin, den jeweiligen Stadträten ein angemessenes Pensum zuzuteilen. Das Depar­tement Bau generiert nun mal nebst den beiden Vollpensen, wie sie heute aufgeteilt sind, am meisten Aufwand.

Wollen Sie denn als Kennerin im Bereich Bau dem Stadtrat nicht gleich eine Rochade vorschlagen und definitiv Bauchefin bleiben?

(lacht) Nein, denn ich fühle mich so weit am richtigen Ort, und meine Aufgaben im Bereich Versorgung und Sicherheit erfülle ich nach wie vor mit viel Freude und Engagement. Eine Rochade wäre auf Beginn dieser Legislatur ein Thema gewesen. Ein Wechsel für meine letzte Amtsdauer schien mir jedoch nicht sinnvoll. Es wäre zudem überheblich, zu sagen, dass ich beim Baudepartement über dieselben Kenntnisse wie Stefan Lenherr verfüge.

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch