GOSSAU: Menschen ein Gesicht geben

In Gossau gibt es rund 130 Asylsuchende, und die Zahl nimmt weiter zu. Nun will sich ihrer eine neugegründete Koordinationsstelle des Friedegg-Treffs annehmen. Auch wird neu ein separater Deutschkurs für Frauen angeboten.

Angelina Donati
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Die beiden Kursleiterinnen Andrea Weinhold (links) und Myrta Kora rüsten mit Eritreerin Bisrat Kidane Früchte für den Deutschkurs. (Bild: Urs Bucher)

Die beiden Kursleiterinnen Andrea Weinhold (links) und Myrta Kora rüsten mit Eritreerin Bisrat Kidane Früchte für den Deutschkurs. (Bild: Urs Bucher)

GOSSAU. Bisrat Kidane ist 30 Jahre alt und stammt aus Eritrea. Vor knapp sechs Jahren flüchtete sie gemeinsam mit ihrem Mann in die Schweiz. In Gossau fanden sie eine neue Heimat. Mit ihrem kleinen Sohn im Arm sitzt Bisrat Kidane an diesem Morgen am Tisch mit Kursleiterin Myrta Kora und Vikarin Andrea Weinhold im Friedegg-Treff. Zusammen schneiden sie Äpfel, Erdbeeren und Bananen für einen Fruchtsalat. Platz am Tisch für weitere Gäste, die sich am Deutschkurs beteiligen wollen, hätte es allemal. Doch an diesem allerersten Kursmorgen, den der Friedegg-Treff neu separat für Frauen und alle 14 Tage anbietet, bleibt Bisrat Kidane die einzige.

Schwierige Kommunikation

Das Angebot sei noch zu wenig bekannt, erklären sich Myrta Kora und Andrea Weinhold das Fernbleiben der Teilnehmerinnen. Komme hinzu, dass es sich beim Grossteil der Flüchtlinge um Männer handelt, meistens alleinstehend. «Oder kennst du Frauen, die allein in die Schweiz geflüchtet sind?», fragt Andrea Weinhold von der evangelischen Kirche die Eritreerin. Diese schüttelt den Kopf. Sie kenne aber zwei Landsfrauen, die mit ihren Familien nach Andwil gekommen sind und bald den Deutschkurs mit ihr besuchen wollen. Genau auch dank der Mund-zu-Mund-Propaganda erhofft man sich mehr Beiwohner.

Der separate Kurs wurde nötig, da es in anderen Kulturen nicht gang und gäbe sei, dass Frauen und Männer zusammen lernen, wie Vroni Wenk-Cavelti, stellvertretende Leiterin des Friedegg-Treffs, sagt. Auch mit der Pünktlichkeit oder mit dem Abmelden nehmen es viele nicht so genau. «Wie viele Personen jeweils teilnehmen, lässt sich im Vorfeld nicht abschätzen.» In erster Linie geht es im Kurs um einfache Dialoge und den Einblick in die Schweizer Kultur. «Die Kommunikation ist aber oft schwierig und die Niveaus sind unterschiedlich. Es befinden sich auch Analphabeten darunter», sagt die stellvertretende Leiterin.

Hoffen auf Arbeitsstelle

Die Eritreerin Bisrat Kidane kann sich bereits gut auf Hochdeutsch verständigen. «Noch nicht gut genug aber», winkt sie ab. Der Friedegg-Treff ist für die gelernte Coiffeuse eine wertvolle Anlaufstelle, besonders auch mit ihrem Kleinkind. Sie freue sich auf den Austausch mit Gleichgesinnten. Ausserdem hofft sie, bald eine Arbeitsstelle zu finden. Am liebsten würde sie gerne pflegebedürftigen Menschen helfen. «Aber auch putzen wäre möglich», sagt sie. Hauptsache arbeiten. Das Gehalt ihres Mannes reiche nur knapp aus, um die Familie zu ernähren.

Misstrauen schnell verflogen

Eine Arbeitsstelle sei denn auch für die Integration der Asylsuchenden von zentraler Bedeutung, sagt Kursleiterin Myrta Kora aus Arnegg. Die Bedingungen für eine Arbeitsbewilligung erschwerten das Ganze allerdings. «Sobald die Menschen in den Arbeitsprozess einbezogen sind, lösen sich automatisch viele Probleme. Erst aber muss man ihnen eine Chance geben.» Als Pflegefachfrau arbeitete Myrta Kora unter anderem auch in Benin in Afrika, wo sie ihren heutigen Ehemann kennen und lieben lernte. Auf den Friedegg-Treff stiess sie, als eine Mentorin gesucht wurde. Sie habe sich sofort angesprochen gefühlt. «Kommt man einmal mit den Leuten ins Gespräch und lernt sie dadurch näher kennen, ist das anfängliche Misstrauen schnell vergessen», sagt sie. «Dann wird einem klar, dass es Menschen wie wir sind.»

Schritt für Schritt

Mit Anlässen, etwa Stricknachmittagen, gemeinsamem Kochen oder kurzen Ausflügen, treffen die Flüchtlinge im Friedegg-Treff künftig nicht nur auf ihresgleichen, sondern auch auf Schweizer, wie Vroni Wenk-Cavelti erzählt. Dann stehe auch dem Aufeinandertreffen der ausländischen Frauen und Männer nichts mehr im Wege.