Gossau ist dicht und dörflich

GOSSAU. Gossau hat trotz städtischer Infrastruktur seinen dörflichen Charakter beibehalten, sagt Martin Schmid, Leiter Stadtentwicklung. Zu planen gibt es aber noch viel, weshalb die Stadtentwicklung personell aufgestockt wurde.

Sebastian Schneider
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Gossau mausert sich vom Strassendorf je länger je mehr zu einem urbanen Gebiet. (Bild: Ralph Ribi)

Gossau mausert sich vom Strassendorf je länger je mehr zu einem urbanen Gebiet. (Bild: Ralph Ribi)

Herr Schmid, Gossau wird immer wieder als Strassendorf bezeichnet. Stört Sie dieser Begriff?

Martin Schmid: Historisch betrachtet stimmt diese Wahrnehmung. In den vergangenen hundert Jahren hat sich Gossau aber ausgebreitet und um den ursprünglichen Kern entwickelt und verdichtet.

Experten sagen, Gossau befinde sich in einem Transformationsprozess vom Dorf zur Stadt. Wie weit ist Gossau Ihrer Meinung nach in diesem Prozess?

Schmid: Die Transformation ist ein dauernder Prozess. Der Wandel von Gossau wird sich fortsetzen. Aus Sicht der Stadtentwicklung gilt es diesen anspruchsvollen Prozess weiterhin zu gestalten und zu steuern, damit Gossau eine lebenswerte Stadt bleibt.

Was fehlt Gossau konkret, um eine Stadt zu sein?

Schmid: Auch wenn das Urbane in Gossau vielleicht noch nicht bis in alle Fasern zu spüren ist, darf trotzdem festgestellt werden, dass in Gossau das meiste vorhanden ist.

Sie sind als Stadtentwickler für die Stadt Gossau tätig. Viele Bewohner wollen von einer Stadt Gossau aber gar nichts wissen und sprechen vom Dorf Gossau. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Schmid: Das Schöne an Gossau ist, dass ein gewisser dörflicher Charakter geblieben ist. Man grüsst sich zum Beispiel auf der Strasse. Zugleich schätzt man aber die städtischen Infrastrukturen wie etwa die guten ÖV-Verbindungen, Einkaufsmöglichkeiten, Stadtbibliothek, Frei- und Hallenbad.

Wollen Gossauer überhaupt in einer Stadt leben?

Schmid: Diese Frage müssen Sie den Gossauern stellen. Immerhin: Mit der Zustimmung zur Gemeindeordnung 1998 haben sich die Stimmberechtigten bereits vor Jahren für das Label Stadt entschieden.

Gossau hat kein wirkliches Zentrum, höchstens einen historischen Kern. Inwieweit verfolgen Sie die Idee aus der Nutzungsstrategie Ortskern, das Zentrum in Richtung Bahnhof zu verlegen?

Schmid: Bei der Überarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts ist nebst anderem eben auch die Frage der Bedeutung des historischen Zentrums zu diskutieren. Und die Ausrichtung eines möglichen künftigen Zentrums. Diesbezüglich wird eine klare Haltung zu formulieren sein.

Derzeit sind viele Konzepte am Entstehen oder in Bearbeitung. Warum besteht ein solch grosser Planungsbedarf? Hätte man nicht früher erkennen müssen, dass Gossau eine Grösse erreicht hat, wo es aus planerischer Sicht kein Dorf mehr ist?

Schmid: Die laufenden Planungen sind lediglich eine Weiterentwicklung bisheriger Konzepte und Überlegungen. So wird das Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2004 und der Richtplan aus dem Jahr 2000 überarbeitet. Somit handelt es sich keineswegs um neue Planungen, sondern um die Aktualisierung von Bestehendem.

Wie lange dauert es Ihrer Einschätzung nach, bis die jetzt aufgegleisten Konzepte umgesetzt werden?

Schmid: Bei allen Konzepten geht es inhaltlich vor allem darum, in die Zukunft zu blicken, verschieden Szenarien zu prüfen, wie sich Gossau entwickeln könnte. Und es geht weniger darum, einen Zustand der Stadt Gossau auf ein fixes Datum hin zu beschreiben.

Mit der Entlastung der St. Gallerstrasse beschäftigen Sie sich ja seit Ihrem Stellenantritt Anfang 2012. Wann hat die Stadt Gossau endlich ihr Verkehrs- und Stauproblem gelöst?

Schmid: Wie in vielen Gemeinden hat auch Gossau vor allem zu Spitzenzeiten ein Stauproblem. Dieses zu lösen, ist nur im regionalen Kontext möglich. Mit Blick auf die weitere Entwicklung wird aber entscheidend sein, ob es uns allen gelingt, unser Mobilitätsverhalten kritisch zu hinterfragen und nachhaltig zu verändern.

Was ist das übergeordnete Ziel Ihrer Arbeit als Stadtentwickler?

Schmid: Ziel meiner Tätigkeit ist der haushälterische Umgang mit Ressourcen. So ist eine intensivere Nutzung bestehender Gebiete anzustreben. Die Intensität darf aber nicht nur quantitativ sein, sondern die Qualität muss im Vordergrund stehen. Schliesslich soll Gossau nicht zu einer gesichtslosen Agglomerationsgemeinde werden.

Die Menge der planerischen Aufgaben hat dazu geführt, dass Sie Anfang dieser Woche mit Monique Trummer als Projektleiterin Unterstützung bekommen haben. Sind Sie froh darum?

Schmid: Mein Aufgabenbereich umfasst tatsächlich eine Vielzahl verschiedener Themen und Projekte. Mit der personellen Aufstockung der Stadtentwicklung kann jetzt die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden. Damit können die wachsenden Aufgaben der Stadtentwicklung wirkungsvoller erledigt werden.

Martin Schmid Leiter Stadtentwicklung Gossau (Bild: pd)

Martin Schmid Leiter Stadtentwicklung Gossau (Bild: pd)