GOSSAU: Hochstämmer sind zurück

Landwirte aus Gaiserwald, Gossau und Andwil haben in zehn Jahren gut 5000 subventionierte Hochstammbäume gepflanzt. Ein Gewinn für das Landschaftsbild und für bedrohte Tiere.

Tim Wirth
Merken
Drucken
Teilen
Zwei von insgesamt 120 Hochstammobstbäumen, die Stefan Lehner von der Stadt Gossau bezogen hat. Sie wurden im Jahr 2009 gesetzt. (Bild: Benjamin Manser)

Zwei von insgesamt 120 Hochstammobstbäumen, die Stefan Lehner von der Stadt Gossau bezogen hat. Sie wurden im Jahr 2009 gesetzt. (Bild: Benjamin Manser)

GOSSAU. 300 Apfelbäume und 20 Bäume mit Steinobst stehen auf dem Land von Stefan Lehner, Landwirt aus Albertschwil. Die meisten sind noch klein und jung. Einen grossen Teil der Hochstämmer hat Lehner von der Stadt Gossau bezogen. Regelmässig können Jungpflanzen beim Werkhof bestellt und abgeholt werden – für 40 Franken inklusive Pfahl und Wildschutz. Auf dem freien Markt kostet allein der Baum mindestens 50 Franken. «Ich weiss nicht, ob ich ohne die Unterstützung der Gemeinde so viele neue Bäume gepflanzt hätte», sagt Lehner.

Im Fürstenland Tradition

Die Baumpflanzaktion gehört zum ökologischen Vernetzungsprojekt. Die Gemeinden Gaiserwald, Gossau und Andwil haben dieses 2006 gestartet. 2017 geht die zweite Phase des Projekts zu Ende. Vom Bund lanciert, gestalten die Gemeinden Massnahmen zur ökologischen Aufwertung. Das Projekt wird von einem Raumplanungsbüro begleitet. «Nebst Hochstämmern siedeln wir auch Rauchschwalben an, errichten Tümpel für Amphibien und werten Waldränder auf», sagt Erwin Stadler, Leiter Stadtkanzlei Gossau. Die Massnahmen müssen zum Gebiet passen. «Hochstammbäume haben im Fürstenland Tradition», sagt Stefan Lehner. Sein Grossvater habe 1937 doppelt so viele Bäume gehabt wie er jetzt. Danach sei der Bestand gesunken. Grund dafür war die teurer werdende Handarbeit. Krankheiten wie Feuerbrand trugen in den vergangenen Jahren noch zusätzlich zum Verschwinden bei.

Ertrag muss stimmen

Die Landwirte können aus dem Vernetzungsprojekt verschiedene Obstbaumsorten beziehen. Stefan Lehner hat fast ausschliesslich Apfelbäume. Die Mostäpfel liefert er im Oktober an die Mosterei Möhl. «Wer regelmässig Most trinkt, trägt zum Erhalt der Hochstämmer bei», ist Lehner überzeugt. Auf seinem Land hat er auch andere Ökoflächen wie Blumenwiesen, die sich als Lebensraum für bedrohte Tiere eignen. Dafür bekommt er vom Bund jährlich Gelder. «Die Beiträge sind ein schöner Nebeneffekt. Doch der Ertrag muss auch stimmen», sagt Lehner. Die Gemeinden geben auch Tips. Wenn Landwirte die Jungbäume beziehen, gibt es eine Infoveranstaltung, bei der vermittelt wird, was bei Hochstämmern wichtig ist. Lehner sagt: «Man muss mit den Bäumen aufwachsen, damit es richtig Freude macht.»

2017 wird entschieden

Bei den Hochstämmern sei man auf einem gutem Weg, sagt Erwin Stadler. Jetzt gehe es nicht mehr darum, den Bestand hochzufahren. Vielmehr ersetzten viele Landwirte ältere Bäume mit jungen. Stadler hebt die Zusammenarbeit hervor: «Die Gemeinden finanzieren einen Teil des Vernetzungsprojekts, den anderen tragen die Landwirte. Und sie setzen die Massnahmen auch um.» 2017 wird entschieden, ob weiterhin subventionierte Setzlinge bezogen werden können.

Etwa zehn Jahre braucht es, bis man die Bäume erstmals ernten kann. Bald ist es so weit. «Ich hätte nichts dagegen, wenn das Projekt weitergeht», sagt Lehner. Für das Landschaftsbild bringe es viel. Doch an die Unterstützung gebunden ist er nicht. Auch die Mostereien sind an gutem Rohstoff interessiert und verkaufen preiswerte Bäume.

Stefan Lehner Landwirt in Albertschwil (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Stefan Lehner Landwirt in Albertschwil (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))