Gossau hat ein sportliches Ziel

Die Förderung eines aktiven Vereinslebens in Gossau trägt Früchte. Über 85 Prozent der Gossauer Jugendlichen sind in einem Sport- oder Kulturverein aktiv. Damit wird ein altes ehrgeiziges Ziel des Stadtrates beinahe erreicht.

Sebastian Schneider
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Sportanlässe, wie hier der UBS Kids Cup im Buechenwald im Juni, sind in Gossau keine Seltenheit. (Bild: Peer Füglistaller)

Sportanlässe, wie hier der UBS Kids Cup im Buechenwald im Juni, sind in Gossau keine Seltenheit. (Bild: Peer Füglistaller)

GOSSAU. Giulia Steingruber und Ralph Weber haben es geschafft. Sie sind in ihrer jeweiligen Lieblingssportart – Kunstturnen und Ski Alpin – an die Spitze gelangt und können von ihrem einstigen Hobby leben. Dass beide Spitzensportler Gossauer sind, mag ein Zufall sein. Dass die Stadt aber ein gutes Umfeld bietet, sich sportlich zu betätigen, hat nichts mit glücklicher Fügung zu tun, sondern ist Politik. Und das seit vielen Jahren.

Eggers ehrgeiziges Ziel

Vor etwa acht Jahren brachte der damalige Stadtrat Paul Egger eine Zahl ins Spiel, die sich immer noch als wichtige Zielvorgabe der Stadt Gossau hält. Die ehrgeizige Idee: 90 Prozent aller Jugendlichen in Gossau sollen in einem Verein aktiv sein. Norbert Thaler wurde als Leiter Fachstelle Sport damit beauftragt, Massnahmen zu treffen, dass sich tatsächlich möglichst alle der 7- bis 19jährigen Gossauer in einem Verein betätigen.

Überdurchschnittlich sportlich

Selbstverständlich habe man Fortschritte erzielt, sagt Thaler auf Anfrage. Und am Ziel sei man sogar nahe dran: «Aktuell sind über 85 Prozent der Jugendlichen in Vereinen aktiv. Das sind circa 2150 junge Vereinsmitglieder», sagt Thaler.

Von einem solchen Wert können andere Gemeinden nur träumen. Allerdings räumt Gossaus Sportkoordinator ein, dass die Zahl eine gewisse Unschärfe aufweist. «Es trainieren auch Auswärtige in Gossauer Vereinen.» Doch da auch Gossauer Jugendliche ausserhalb ihrer Heimatstadt trainieren, würde sich der Wert in etwa ausgleichen. Die Zahlen bekommt Thaler von der IG Sport, die die Mitgliederzahlen der Vereine erfasst. Der bereits 1997 gegründeten IG gehören heute fast 30 Vereine an. Neu zählen sich auch die beiden Pfadiabteilungen dazu. Bei den Kulturvereinen treffe man eine Annahme.

Nachdem Thaler vor acht Jahren den Auftrag erhalten hatte, an der Vorgabe des Stadtrats zu arbeiten, seien verschiedene Massnahmen zur Sportförderung ergriffen worden. «Aus unseren Überlegungen ist zum Beispiel die Broschüre entstanden, die alle Vereine und Trainingsmöglichkeiten vorstellt.» Die nächste Ausgabe soll auch in diesem Jahr in der ersten Schulwoche erscheinen.

Auch finanziell werden die Vereine unterstützt. Jährlich erhalten sie pro jugendlichem Mitglied einen Beitrag von 60 Franken. Und für Vereine mit dem Label «Sport-verein-t» gibt es gar 80 Franken.

63 Millionen für Sportanlagen

Doch für die hohe Quote spielen natürlich auch die Schulen und die Vereine selber eine wichtige Rolle. «Unter anderem dank gut ausgebildeter Trainer», sagt Norbert Thaler. Unerlässlich für die meisten Sportarten ist eine gute Infrastruktur. Und auch hier zeigt sich, dass der Sport der Stadt viel wert ist. Der kürzlich publizierte Masterplan sieht Massnahmen vor, die geschätzt 63 Millionen Franken kosten. Womöglich wird das Stadtparlament Ende Jahr über erste Planungskredite entscheiden.