GOSSAU: Gossau hat keinen Stellplatz für 106-jährige Schifflistickmaschine

Die 106-jährige Schifflistickmaschine von Hans Bürkler ist ein Fall fürs Museum. Das sieht auch Stadtpräsident Alex Brühwiler so. Einen Stellplatz habe er indes nicht, sagt er im Interview.
Sebastian Schneider
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine. (Bild: Sabrina Stübi)

Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine. (Bild: Sabrina Stübi)

Eigentümer Hans Bürkler würde seine Schifflistickmaschine stiften, ehemalige Saurer-Mitarbeiter wären im Stande, die Maschine zu zügeln. Und der Stadtrat hat sich einst in einem Konzept selber dazu verpflichtet, sich um lokalhistorisch wichtige Zeitzeugen zu kümmern. Stadtpräsident Alex Brühwiler erklärt, weswegen es bis heute noch keine Optionen gibt.

Herr Brühwiler, haben Sie die Schifflistickmaschine von Hans Bürkler schon einmal gesehen?
Selbstverständlich. Das erste Mal war vor etwa zehn Jahre, als in der Presse über den Zeitzeugen berichtet wurde.

Hans Bürkler ist unterdessen 86 Jahre alt. Fürchten Sie nicht, dass das mechanische Meisterwerk irgendwann im Alteisen landet?
Es richtig und wichtig, dass die Stickmaschine nicht verschrottet wird und so lange wie möglich aufbewahrt wird. Dafür besteht auch ein breites Interesse. Die Frage stellt sich aber nach dem Verwendungszweck und einem geeigneten Ort dafür.



Gibt es in Gossau keinen potenziellen Stellplatz?
Momentan sehe ich keine Optionen. Die Schwierigkeit liegt nämlich darin, einen genug grossen Raum für die über neun Meter lange Maschine zu finden, der zugleich thematisch passt. Ausserhalb von Gossau könnte dies das Saurer Museum in Arbon sein oder auch die Museums-Spinnerei Neuthal.

Die Firma Saurer schlägt vor, sie später im geplanten Entwicklungszentrum in Arbon auszustellen.
Dann wäre die Maschine aber nicht mehr öffentlich zugänglich. Es sollte schon die Idee sein, dass jede und jeder die Maschine anschauen kann.

Hatten Sie mit Hans Bürkler schon einmal über dieses Thema gesprochen?
Nein, diesbezüglich hatte ich keinen Kontakt mit Hans Bürkler.

Wären Sie dazu nicht verpflichtet? Im Kulturkonzept, dass der Stadtrat 2009 erlassen hat, steht: "Die Stadt stellt im regelmässigen Kontakt mit den Eigentümern sicher, dass Kulturgüter und Sammlungen von historischem Wert in Gossau erhalten bleiben [...]".
Im Konzept sind die Dampfmaschine Epper, das Architektur-Archiv Epper und der Coiffeursalon Dudli wörtlich erwähnt. Bei allen drei Zeitzeugen hat der Stadtrat seinen Teil erfüllt. Die Dampfmaschine zum Beispiel liess er renovieren; sie kann heute im Restaurant Freihof bewundert werden.

Im Konzept steht zudem: "Die Stadt kauft lokalgeschichtlich wichtige Objekte an." Hätte man Hans Bürkler nicht einmal ein Angebot unterbreiten können?
Wie erwähnt, besteht das Problem der fehlenden Infrastruktur für einen geeigneten Stellplatz. Zudem ist seit 2009 doch einiges geschehen. Im Rahmen von Sparübungen wurden Posten aus dem Budget gestrichen. Darunter auch der Betrag, der für derartige Anschaffungen vorgesehen war. Der Mechanismus ist einfach: Man kann nicht Positionen im Budget streichen und erwarten, dass die entsprechende Aufgabe trotzdem erfüllt wird.

Dann liegt es also am sparsamen Parlament, dass das Kulturkonzept nicht so umgesetzt wird, wie man es sich vielleicht einmal vorgestellt hat?
Es geht nicht darum, jemanden die Schuld zuzuweisen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Stadt nach wie vor Kultur unterstützt. Im Budget 2018 sind immerhin über 1,1 Millionen Franken für eine ganze Reihe von Unterstützungsbeiträgen vorgesehen.

Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
Hans Bürkler und seine letzte Schifflistickerei-Maschine (Bild: Sabrina Stübi)
11 Bilder

Der Schifflisticker aus Gossau



Dennoch lässt sich kaum von der Hand weisen, dass das Kulturkonzept heute ein Papiertiger ist.
Das Konzept ist zehn Jahre alt. Deshalb ist die Zeit gekommen, es von Grund auf zu überarbeiten. Zudem hat zwischenzeitlich auch der Kanton seine Kulturpolitik angepasst. Und schliesslich sind Gaby Krapf und ich die einzigen im Stadtrat, die beim Erarbeiten und Erlassen des Kulturkonzepts dabei gewesen sind.

Also überlassen Sie diese Aufgabe Ihrem Nachfolger?
Das Thema muss sicher in der neuen Zusammensetzung des Stadtrats angeschaut werden.

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