GOSSAU: «Gehen ist besser als ruhen»

Auch mit seinen 85 Jahren geht Röbi Zwinggi zu Berg und fährt Langlauf. Am Engadiner Skimarathon hat er bei 47 von 49 Austragungen mitgemacht und wurde dafür geehrt.

Angelina Donati
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Röbi Zwinggi auf der Finnenbahn in Gossau, die er vor 60 Jahren miterstellt hat. (Bild: Ralph Ribi)

Röbi Zwinggi auf der Finnenbahn in Gossau, die er vor 60 Jahren miterstellt hat. (Bild: Ralph Ribi)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Er ist weder Sänger im Männerchor noch Trompeter im Musikverein: Röbi Zwinggis Leidenschaft gehört seit jeher dem Sport. Seit über 60 Jahren macht er regelmässig Bergtouren und liebt es, auf der Langlaufloipe Runden zu drehen. «Schon immer verspürte ich den Drang, mich zu bewegen», sagt der 85-Jährige, der im Toggenburg aufgewachsen ist. Berufshalber zog es den Maschineningenieur lange Zeit nach Zürich und später nach Gossau. «In der Schulzeit aber war ich ein schlechter Turner», erinnert er sich und lacht. «Bei Spielen wurde ich jeweils als einer der Letzten ausgewählt.»

Ein besonderer Tag im Kalender von Röbi Zwinggi ist der Engadin Skimarathon. Erst gerade fand die 49. Durchführung statt. Zwinggi ist nicht nur mit Abstand einer der ältesten Teilnehmer, sondern gehört auch zu den wenigen Ehrenläufern. Wer nämlich zum 40. Mal teilnimmt, wird als «Giubiler» ausgezeichnet. Mit seiner 47. Teilnahme hat der Sportler längst Bekanntheitsgrad erlangt. «Immer wieder wird mir ‹Hopp Röbi, hopp› zugerufen», freut er sich.

Langlaufsport war früher verpönt

Noch heute wetteifert er mit seinen persönlichen Bestleistungen – allerdings nicht mehr so sehr wie früher. Dieses Mal sei ihm der Lauf nicht besonders geglückt, gesteht Zwinggi. Einerseits wegen neuartiger Ski mit Felleinsatz, die er testete, und weil er sich nach geraumer Zeit wieder in der klassischen Lauftechnik versuchte. «Hauptsache aber ist doch, dass man das Ziel erreicht und eine gute Falle macht», sagt Röbi Zwinggi und schmunzelt. Einmal, als er von einem anderen Teilnehmer geschupst wurde, hinfiel und sich daraufhin das Schlüsselbein brach, musste er verfrüht ausscheiden und sich mit dem Halbmarathon zufriedengeben.

Dass sich das Langlaufen einer grossen Beliebtheit erfreut, war in früheren Jahren unvorstellbar. Mehr noch: Diese Sportart galt als verpönt. Zwinggi, der in Gonten eine Langlaufschule mitgegründet hatte, galt daher «als Spinner», wie er sagt. «Damals spielte man entweder Fussball oder gehörte dem Turnverein an.» Die technischen Anforderungen, die es brauche, um langlaufen zu können, dürften nicht unterschätzt werden – auch Kraft und Ausdauer nicht. Langlaufen sei schwieriger als manch einer denke. «Vor allem braucht es viel Übung.» Ein optimales Training und gleichzeitig eine Ergänzung sieht Zwinggi im Bergsteigen. In weniger als vier Stunden marschiert der fitte Senior von Wasserauen auf den Säntis. Bergab gehts dann mit der Seilbahn, «um die Gelenke zu schonen».

Bedenken, in seinem Alter noch solche Touren zu unternehmen, hat er keine. Im Gegenteil: «Weil man beim Klettern stets auf die Sicherheit bedacht und gesichert ist, ist es eine der ungefährlichsten Sportarten – und besonders auch geeignet für ältere Menschen. Grosse Gefahren hingegen kann das Wandern bergen.» Kraft und Ausdauer trainiert der Gossauer regelmässig im Fitnessstudio oder auf der Finnenbahn im Buechenwald, die er vor 60 Jahren miterstellt hat. «Es ist wichtig, beweglich zu bleiben.» Immer mehr stelle er fest, dass ältere Menschen träge und den Ruhestand wortwörtlich nehmen. Sein Tipp: Man solle nicht gleich aufgeben. «Gehen ist besser als ruhen.» Natürlich aber spiele auch der Gesundheitszustand eine Rolle. «Ich darf mich diesbezüglich wirklich glücklich schätzen.» Solange er gesund bleibt und weiter Sport treiben kann, freut’s ihn: «Das ist allemal besser als teure Medikamente nehmen zu müssen.»