GOSSAU: Dreimal Silber für Musikschüler

Am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb haben gleich drei Schüler der Musikschule Fürstenland den zweiten Preis gewonnen. Für einen solchen Erfolg brauche es vor allem viel Ehrgeiz – aber auch Glück.

Nina Rudnicki
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Erfolgreiche Jugendmusiker: Die Querflötistinnen Anna Maria Grabherr (links) und Jeannette Bühlmann sowie Harfenist Raphael Eigenmann. (Bilder: Benjamin Manser)

Erfolgreiche Jugendmusiker: Die Querflötistinnen Anna Maria Grabherr (links) und Jeannette Bühlmann sowie Harfenist Raphael Eigenmann. (Bilder: Benjamin Manser)

GOSSAU. Der zehnjährige Raphael Eigenmann stellt sich an seine keltische Harfe, die beinahe so gross ist wie er selber. Stolz erklärt er die 34 Saiten. «Die hohen Saiten sind aus Nylon, dann kommen in der Mitte die Darmsaiten und zuhinterst sind die tiefen Saiten aus Stahl», sagt er. Dann spielt er das Menuett von Mozart vor, mit dem er am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb in der nationalen Ausscheidung Silber gewonnen hat. Weiter hinten im Saal der Musikschule Fürstenland in Gossau packen die 13jährige Anna Maria Grabherr und die 14jährige Jeannette Bühlmann ihre Querflöten aus. Auch sie haben es mit ihren Instrumenten auf den zweiten Platz geschafft.

«Wie ein Herzinfarkt»

«Wir waren mit der Musikschule Fürstenland noch nie so gut plaziert», sagt Musikschulleiter Thomas Burri-Lucain. Insgesamt gingen acht Preise an Musikschüler aus dem Kanton St. Gallen, vier davon an Schüler der Musikschule Fürstenland. Denn Anna Maria hat nicht nur in der Kategorie Solisten, sondern auch in der Kategorie Ensemble den zweiten Preis gewonnen. «Ich war sehr nervös vor meinen beiden Auftritten», sagt sie. «Denn es ist eine Momentaufnahme. Wenn man sich verspielt, kann man nicht zurück.» Vor ihrem Auftritt hat Anna Maria jeden Tag bis zu einer Stunde geübt. Genau wie Raphael und Jeannette. Letztere sagt, dass der Druck gegen Ende der Vorbereitungszeit schon ziemlich gross geworden sei, denn man wolle ja gut abschneiden. «Viel nervöser als beim Vorspielen war ich darum während der Rangverkündigung», sagt Jeanette, und Anna Maria ergänzt: «Das hat sich fast so angefühlt wie ein Herzinfarkt.»

Den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb gibt es seit über 40 Jahren. 1975 hatte Gerd Albrecht, der damalige Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich, die Idee, mit dem Jugendmusikwettbewerb eine Plattform für musikalische Talente zu schaffen. Mittlerweile ist der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb der grösste nationale Musikwettbewerb. Jedes Jahr machen mehr als 1000 Jugendliche im Alter von 8 bis 20 Jahren an den Wettbewerben in den verschiedenen Kategorien Klassik, Jazz, Rock&Pop mit. Zugelassen wird, wer sich in einer regionalen Vorentscheidungsrunde dafür qualifiziert. «So ein Wettbewerb ist für die Jugendlichen eine gute Lebensschule», sagt Burri. «Sie lernen einerseits mit Kritik umzugehen und andererseits, dass im Leben manchmal auch Zufälle mitspielen.» So erzählt etwa Anna Maria, die schon mehrmals beim Wettbewerb mitgemacht hat, dass einmal ein Handy klingelte, während sie vorspielte und sich dann auch noch eine Taste ihrer Querflöte verklemmte. «Es gibt nur eine Chance und wenn etwas schief läuft, hat man Pech gehabt», sagt sie.

Im Theater St. Gallen entdeckt

Die Jugendlichen für den Wettbewerb zu motivieren und auch anzumelden, ist Aufgabe der jeweiligen Lehrperson. «Dass wir so gut abgeschnitten haben, ist also auch dem Engagement unser Harfenlehrerin Christine Baumann und unseres Querflötenlehrers Saied Taghadossi zu verdanken», sagt Burri.

Sich für die jeweiligen Instrumente entschieden haben sich die drei Schüler vor einigen Jahren aber ganz von alleine. So besuchte Anna Maria mit ihren Eltern das Konzert einer bekannten Querflötistin, die für ihre Auftritte durch die Welt reiste. «Ich dachte, das würde ich auch gerne machen», sagt Anna Maria. Und Jeannette beschloss, Querflöte zu spielen, als in der ersten Klasse verschiedene Musikinstrumente vorgestellt wurden. «Es war das erste Instrument, und es gefiel mir auf Anhieb», sagt sie. Auch Raphael entdeckte sein Lieblingsinstrument in der ersten Klasse. «Wir konnten Bilder von Instrumenten anschauen, und die Harfe gefiel mir sofort am besten», sagt er.

Thomas Burri-Lucain Leiter Musikschule Fürstenland (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Thomas Burri-Lucain Leiter Musikschule Fürstenland (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))