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GOSSAU: Die ungeschickte Wahlparty

Ein Vorstandsmitglied der CVP lädt seine Freunde ein, gemeinsam den Wahlzettel auszufüllen. Zur Belohnung gibt es Bier und Schnaps: «Illegaler Wahlkampf», kritisiert ein Parlamentarier.
Adrian Lemmenmeier
Der Chat-Verlauf mit der Einladung zur Wahlparty. (Bilder: PD)

Der Chat-Verlauf mit der Einladung zur Wahlparty. (Bilder: PD)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Eine Whatsapp-Nachricht macht derzeit in Gossau die Runde. Darin bittet Patrik Mauchle, CVP-Vorstandsmitglied, Stadtparlamentarier und Anwalt, die Mitglieder seines Fussballteams, Daniel Lehmann ins Stadtpräsidium zu wählen. Mauchle lädt in der Nachricht zu einer «Wahlparty» bei sich zu Hause ein: «S’ Ziel isch, dass alli ihres Stimmcouvert mitnehmed zu mir und mir das döte zeme usfülled (für de Dani)!» Wenn möglich soll jeder noch fünf Freunde mitnehmen, die stimmberechtigt seien. Als Belohnung gebe es Bier, Glühwein und Schnaps.

Illegaler Wahlkampf oder normaler Wahlapéro

Stadtparlamentarier Alfred Zahner (Flig) hat diese Nachricht über Umwege erhalten und an gut 50 Leute weitergeleitet. Auch an die Medien. «Mich stört es, dass man im Wahlkampf zur Illegalität aufruft», sagt Zahner. Denn Bier gegen Stimmkarten anzubieten, sei widerrechtlich. Juristisch will Zahner in der Sache aber nicht aktiv werden. «Für mich ist der Wahlkampf vorbei», sagt er. Als ihm aber diese Whats­app-Nachricht zugespielt wurde, schickte er sie weiter. «Auf ein solches Vorgehen muss man aufmerksam machen», sagt Zahner.

Patrik Mauchle räumt ein, dass er einen Fehler gemacht hat: «Es war ungeschickt, wie ich diese Nachricht formuliert habe», sagt er. «Ich war übereifrig im Wahlkampf. Falls ich damit jemanden verärgert habe, tut es mir leid.» Denn böse Absichten habe er keine gehegt. Dass er Alkohol als Belohnung für die Stimmabgabe versprochen habe, verneint Mauchle entschieden: «Ich habe nichts dafür angeboten, dass man Daniel Lehmann wählt», sagt er. «Sondern ich wollte bei Fussball und Bier einen lockeren Rahmen bieten, um den Wahlzettel auszufüllen.» Mauchle hat kurz nach seiner Einladung noch eine Nachricht verschickt, in der er festhält: «Aber natürlich ist jeder willkommen, egal, wen er wählt.» Neben diesem Satz zwinkert, wie an vielen Stellen im Text, ein Smiley.

Er habe nicht damit gerechnet, dass diese Einladung ausser den Chat-Mitgliedern sonst jemand zu sehen bekäme, sagt Mauchle. Und er sei enttäuscht von Alfred Zahner, dass dieser die Nachricht weitergeleitet habe. «Besonders weil er in seinem Rundschreiben einige wichtige Passagen der Einladung weggelassen hatte.»

Weil die Nachricht nur für die 20 Chat-Mitglieder bestimmt gewesen sei, habe Mauchle nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. «So kommunizieren wir halt untereinander in der Fussballmannschaft.» Er habe sich übrigens bei seinen Mannschaftskollegen erkundigt. «Keiner von ihnen hat die Einladung so verstanden, dass ich Stimmen gegen Bier kaufen wollte.»

Ob Mauchles Vorgehen tatsächlich widerrechtlich gewesen ist, wie Zahner behauptet, kann die St. Galler Staatskanzlei, die für Wahlen im Kanton zuständig ist, nicht beurteilen. «Dies wäre im Rahmen einer Wahlbeschwerde von einem Gericht zu klären», heisst es auf Anfrage.

Weniger Gäste als erwartet

Mauchles Wahlparty war kein Erfolg. Statt der 100 Gäste kamen sechs. «Meine Freunde haben ihre Stimme abgegeben. Unabhängig und ohne mein Einwirken. Zuvor haben wir über Politik diskutiert.»

Mauchle ist froh, dass der Wahlkampf bald vorbei ist. «Mittlerweile ist die Stimmung derart verbissen, was ich schade finde.» Es sei wichtig, dass die Parteien nach der Wahl wieder aufeinander zugingen und sich gemeinsam für Gossau einsetzten. Dem pflichtet auch Alfred Zahner bei: «Fehler passieren. Gerade als junger Politiker darf man auch Fehler machen.» Wichtig sei es, dass man nun wieder zum Alltag übergehe.

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