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GOSSAU: Die Jungen übernehmen das Ruder

Sie sind beide 24 Jahre alt und präsidieren bereits eine Partei. Andrin Fröhlich (FDP) und Pascal Fürer (SVP) wurden als Jugendliche politisiert; ihre Debattierlust wurde auf dem Pausenplatz geweckt.
Sebastian Schneider
Wollen frischen Wind in die Stadtpolitik bringen: Die Parteipräsidenten Andrin Fröhlich (FDP) und Pascal Fürer (SVP). (Bild: Ralph Ribi)

Wollen frischen Wind in die Stadtpolitik bringen: Die Parteipräsidenten Andrin Fröhlich (FDP) und Pascal Fürer (SVP). (Bild: Ralph Ribi)

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Pascal Fürer, was motiviert Sie, Präsident einer Ortspartei zu sein?

Fürer: Bevor ich im vergangenen Mai gewählt wurde, hatte ich schon einige Jahre im Parteivorstand mitwirken dürfen. Als der Wechsel anstand, war ich bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. Zumal ich das Vertrauen der Partei spürte. Das neue Amt motiviert mich zugleich, weitere politische Taten anzugehen.

Zum Beispiel als Stadtparlamentarier. Am 16. Januar haben Sie Ihre erste Sitzung.

Fürer: Ich freue mich, den Parlamentsbetrieb von innen kennen zu lernen. Ich habe mich in die Dossiers bereits eingelesen.

Wie wichtig ist es, als Parteipräsident zugleich ein Mandat zu bekleiden?

Fürer: Es ist sicher ein Vorteil, wenn man die Informationen über politische Geschäfte aus erster Hand erhält und sie in den Parteivorstand einbringen kann.

Wurmt es Sie nicht, Andrin Fröhlich, dass Sie es als zweiter Ersatz nicht ins Stadtparlament geschafft haben?

Fröhlich: Natürlich liess ich mich aufstellen, um gewählt zu werden. Dass ein rascher Wahlerfolg aber schwierig ist, war mir natürlich bewusst. Im Moment freue ich mich darüber, die FDP zu präsidieren. Ich lerne dabei sehr viel und kann etwas bewirken.

Was hat in Ihnen beiden das politische Feuer entfacht?

Fröhlich: Ich wurde unter anderem in der Familie politisiert – nicht zuletzt, weil man Vater Hanspeter selber Politiker war. Die Zeit im Gymnasium Friedberg war zudem prägend, weil ich dort viel debattierte. Hineingezogen haben vor allem eidgenössische Themen.

Fürer: Meine Eltern sind überhaupt nicht politisch. Ich habe auf dem Pausenplatz in der Oberstufe zu diskutieren begonnen, mehrheitlich über nationale Themen.

Interessiert haben also vor allem nationale Themen. Was macht den Reiz aus, Lokalpolitik zu betreiben?

Fürer: Gossau ist allein durch seine Lage ein attraktiver Ort. Ich will mich für gute Rahmenbedingungen für die Bevölkerung einsetzen und für ein lebenswertes Gossau.

Und wie kam es zu den Engagements in der FDP, respektive in der SVP?

Fröhlich: Das eine hat das andere ergeben. Weil ich von der Partei absolut überzeugt war, habe ich 2012 zum ersten Mal für die FDP kandidiert. Ein, zwei Jahre darauf wurde ich angefragt, ob ich dem Parteivorstand beitreten will.

Fürer: Meine Mitgliedschaft bei der Jungen SVP des Kantons St. Gallen wurde bei der Ortssektion gemeldet. Ich begann, Anlässe der SVP Gossau-Arnegg zu besuchen und kam so in die kommunale Politik hinein.

Unter anderen wegen Ihnen als junge Parteipräsidenten spricht man in Gossau von einem Generationenwechsel. Was werden Sie als junge Politiker verändern?

Fürer: Wir bringen sicher frische, neue Ideen als Vertreter der jüngeren Generation. Dies dürfte wiederum junge Bürger motivieren, selber in der Politik mitzumachen oder zumindest zu wählen und abzustimmen.

Fröhlich: Auch mir ist es ein Anliegen, Leute für die Politik zu motivieren. Ich finde es schade, dass wir hierzulande nur selten 50 Prozent Stimmbeteiligung erreichen.

Abgesehen davon: Sie unterstützen beide einen linken Kandidaten fürs Stadtpräsidium.

Fürer: Es ging darum, der Bevölkerung eine Auswahl zu bieten. Es war nur logisch, dass ich als Parteipräsident der Findungskommission angehöre. Und die Partei hat danach in einer Abstimmung Stimmfreigabe beschlossen.

Sie hätten aber auch sagen können: Wir haben unsere Aufgabe in der Findungskommission erfüllt, nun unterstützen wir den bürgerlichen Kandidaten.

Fröhlich: In der Findungskommission haben wir von Anfang an gesagt, dass die Parteizugehörigkeit zweitrangig ist. Die Fähigkeiten zählen. Und zudem: Wenn ich Wolfgang Giella zuhöre, habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass er links ist. Teilweise tickt er meiner Meinung nach gar Mitte-Rechts.

Die Beurteilung über die beiden Kandidaten gehen in Ihren Parteien weit auseinander. Schadet es den Parteien nicht, dass sich solche tiefe Gräben auftun?

Fürer: In der SVP darf man verschiedene Meinungen vertreten. Am Ende entscheidet die Mehrheit; in unserem Fall hat man die Stimmfreigabe beschlossen.

Hat der Generationenwechsel in der FDP etwas mit der Wahlempfehlung für Giella zu tun?

Fröhlich: Ich war ja noch nicht Präsident, als die Partei die Parole fasste. Die Meinung des Präsidenten ist in diesem Fall ohnehin nicht wirklich entscheidend. Seine Aufgabe ist schlicht, dafür zu schauen, dass der Prozess zur Entscheidungsfindung korrekt abläuft.

Sprechen wir noch über Stadträte. Ihre Parteien sind in der Legislative und in der Exekutive vertreten. Welchen Kurs wollen Sie einschlagen, damit sich die Partei selber treu bleibt und die Parlamentarier zugleich dem eigenen Stadtratsmitglied nicht im Wege stehen?

Fürer: Die SVP ist keine Oppositionspartei und war es auch nicht, bevor Claudia Martin gewählt wurde. Wir machen konstruktive Politik für das Volk.

Fröhlich: Differenzen kann es bereits unter Fraktionsmitgliedern geben. Man darf die Meinungsunterschiede aber nicht überschätzen. Grundsätzlich ist Lokalpolitik sehr fassbar, die Folgen eines Entscheids sind direkt zu sehen. Daher geht es hier auch pragmatischer zu und her als etwa in Bern.

Haben Sie für Ihre Parteien bereits Ziele, auch in Hinblick auf die Wahlen 2020?

Fürer: Wahlen sind meiner Meinung ein ständiger Prozess und finden nicht nur alle vier Jahre statt. So sind wir auch während der Legislatur im Dorf präsent.

Fröhlich: Mein Ziel ist, dass die FDP wieder präsenter wird. Der Prozess beginnt damit, aktiver auf die Parteimitglieder zuzugehen und allen zu zeigen, dass wir gute Politik machen.

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