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GOSSAU: Die CVP-Hochburg fällt

Mit der Wahlniederlage von Daniel Lehmann verliert die CVP Gossau einen Sitz im Stadtrat. Eine erneute Einbusse der Partei in ihrer einstigen Hochburg.
Noemi Heule
Einmal mehr hat die CVP auf den falschen Trumpf gesetzt: Ihr Kandidat Daniel Lehmann unterliegt klar gegen den parteilosen Konkurrenten Wolfgang Giella. (Bild: Ralph Ribi)

Einmal mehr hat die CVP auf den falschen Trumpf gesetzt: Ihr Kandidat Daniel Lehmann unterliegt klar gegen den parteilosen Konkurrenten Wolfgang Giella. (Bild: Ralph Ribi)

Es war kein Zufall, dass 1834 just in Gossau der "Katholische Verein des Kantons St.Gallen" gegründet wurde, der Vorläufer der CVP. Seit der Geburtsstunde des Kantons sind die Geschicke der Stadt und jene der Partei eng verknüpf. Gossau gilt und galt als Hochburg der Christlichdemokraten. "Diese Burg", schrieb in den 1930er Jahren der "Fürstenländer", "kann nicht gestürmt werden, sie steht unerschütterlich und verwachsen im Felsengrunde treukatholischer Überzeugung."

Der vergangene Wahlsonntag offenbart auch im Fürstenland den Niedergang der Partei, der in der Nachbarschaft längst unübersehbar ist. Zwar ist der abtretende Stadtpräsident Alex Brühwiler parteilos, genauso wie sein Nachfolger Wolfgang Giella. Dennoch verliert die Partei in der Gesamtrechnung einen Sitz im Stadtrat. Im November wurde Claudia Martin (SVP) zur Nachfolgerin von Stefan Lenherr (CVP) gewählt. Die Partei selbst hatte keinen Kandidaten gestellt; sie setzte ihre Hoffnungen auf das Stadtpräsidium und auf Daniel Lehmann. Damit hatten sie auf den falschen Trumpf gesetzt.

Nach der Wahlniederlage verbleibt der Partei, die zwischenzeitlich alle Gemeinderäte alleine stellte, ein einziger Sitz im Rat. Jener von Helen Alder Frey, die 2016 zum Gremium stiess. Jüngst verlor die CVP in der Nachbarstadt gar ihren letzten Sitz im Stadtrat, als Sonja Lüthi (GLP) im November Boris Tschirky (CVP) übertrumpfte. Zum ersten Mal seit der St.Galler Stadtverschmelzung 1918 sind die Christdemokraten nicht mehr in der Exekutive vertreten. 2016 verlor die Partei zudem acht Gemeindepräsidien im Kanton – darunter Andwil und Waldkirch. "Man wird weitere Gemeindepräsidien verlieren", prognostizierte der Politikwissenschaftler Silvano Moeckli im November gegenüber dem "Tagblatt".

Alex Brühwiler stösst CVP vom Thron

In Gossau war das Gemeindepräsidium im gesamten 20. Jahrhundert fest in der Hand der CVP oder ihren Vorläufern. Erst Alex Brühwiler stiess 2001 die Christdemokraten vom Thron, als er zum ersten Stadtpräsidenten überhaupt gewählt wurde. Der Rechtsanwalt kandidierte wild. Ihm gegenüber stand Markus Brändle, der von den bürgerlichen Parteien gemeinsam getragen wurde. Brühwiler, Vorstandsmitglied des Gewerbevereins und langjähriger Präsident der katholischen Kirchgemeinde, war im Gegensatz zu seinem Rivalen aus Jonschwil in Gossau verwurzelt. Wie auch im diesjährigen Wahlkampf trat also ein Einheimischer gegen einen Auswärtigen an – allerdings mit entgegengesetzten Vorzeichen. Nach Anfeindungen seitens der Gossauer zog sich Brändle schliesslich zurück und Brühwiler machte das Rennen bereits im ersten Wahlgang.

Bis in die 1950er-Jahre war die CVP-Vormacht auch in der Regierung erdrückend, wie Karl Eschenmoser, Wolfgang Göldi und Karl Schmuki in ihrem Werk "Gossau im 20. Jahrhundert" schreiben. 1954 zog der erste Sozialdemokrat in den Gemeinderat ein. Auch danach stellte die CVP und ihre Vorläufer die Mehrheit im Gremium, das bis 1918 sieben, später neun und ab 1972 elf Sitze zählte. Als in Gossau zur Jahrtausendwende das Parlament eingeführt wurde, schrumpfte die Zahl der Räte erneut auf sieben, dann fünf Sitze. Zwei davon waren bis vor kurzem in CVP-Hand. Allerdings: Der eine Sitz, den die Partei derzeit für sich beansprucht, ist kein historisches Tief. Von 2009 bis 2011 war sie gar nicht vertreten.


Gossau als katholische "Gralsburg" verteidigen

Deutlicher als in der Zusammensetzung der Gemeinde- oder Stadträte lässt sich die Abwärtsspirale der CVP bei kantonalen Wahlen beobachten. Bis 1980 erzielte die Partei in Gossau jeweils einen Anteil von über 60 Prozent der Stimmen. 1996 sank der Anteil auf 40 Prozent; 2016 gar auf deren 27. Trotz allem blieb die CVP die zweitstärkste Partei. Hinter der SVP, die erst zwanzig Jahre zuvor zur Gossauer Parteienlandschaft gestossen war.

Der Ehrgeiz hat die Christdemokraten auch nach dem Wahldebakel vom Sonntag nicht verlassen. Sie wollen sich weiterhin als wählerstärkste Partei profilieren, wie Wahlkampfleiter Florin Scherrer sagte. Die Partei soll eine "zuverlässige Ansprechpartnerin in der Gossauer Politik" bleiben. Die CVP tut alles daran, die "uneinnehmbare Zitadelle" und "Gralsburg katholischer Grundsatztreue", wie der "Fürstenländer" nach den Grossratswahlen 1933 erneut schrieb, auch in Zukunft zu verteidigen.

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